Soll saniert werden: Die insolvente Kreisklinik Groß-Gerau. renate hoyer

Groß-Gerau

Kreisklinik Groß-Gerau beantragt Insolvenz

  • schließen

Defizitäres Krankenhaus des Kreises Groß-Gerau soll in Eigenverwaltung saniert werden. Die Versorgung der Patienten wird fortgeführt, Löhne und Gehälter gezahlt.

Jahr für Jahr weist die Kreisklinik Groß-Gerau einen hohen Fehlbetrag auf. Das inzwischen rund zweistellige Millionendefizit hat nun zu einer radikalen Entscheidung geführt: Die Klinikgesellschaft wird in den nächsten Tagen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellen. Das hat Landrat Thomas Will (SPD) in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Klinik mitgeteilt. Das Wichtigste für die Patienten: Sie werden auch während des geplanten Sanierungsverfahrens weiter „unvermindert“ behandelt. Auch die Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien „gesichert“, so Will.

INFOVERANSTALTUNG Über die geplante Sanierungder Kreisklinik Groß-Gerau wollen Landrat Thomas Will und Klinikgeschäftsführerin Erika Raab am kommenden Mittwoch, 4. Dezember, von 19 Uhr an im Georg-Büchner-Saal des Landratsamtes in Groß-Gerau, Wilhelm-Seipp-Straße 4, informieren. jjo

Bereits Anfang des Monats hatte die CDU-Kreistagsfraktion den Verdacht geäußert, der Landrat verschleppe bei der Kreisklinik eine Insolvenz. Für das vorige Jahr hatte der Kreis für den Klinikbetrieb ein Defizit von drei Millionen Euro im Haushalt eingeplant. Tatsächlich mussten rund zehn Millionen Euro übernommen werden. Zu Beginn des Jahres war dann Geschäftsführer Reinhold Linn durch die Juristin Erika Raab ersetzt worden. Sie legte Pläne vor, aus dem Kreiskrankenhaus ein Versorgungszentrum mit Chirurgie und kleiner Intensivstation zu machen und sich auf Rehabilitations- und Pflegeangebote zu konzentrieren. Der Großteil der 220 Betten soll in Pflegebetten umgewandelt werden.

Der Kölner Rechtsanwalt Mark Boddenberg soll das Sanierungsverfahren im Rahmen der geplanten Eigenverwaltung begleiten. Die Entscheidung, die Insolvenz zu beantragen, sei notwendig geworden, „weil die gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen für die Kreisklinik Groß-Gerau GmbH nur mit diesem Vorgehen beherrschbar sind“, heißt es in einer Mitteilung. Landrat Will hält die Klinik vor allem mit Blick auf den in den südlichen Teil des Landkreises Groß-Gerau für „bedarfsnotwendig“. Bei einer Schließung würde dort aus seiner Sicht eine Versorgungslücke entstehen.

Um die Restrukturierung mit der nötigen Geschwindigkeit zu realisieren, werde bereits an einem Sanierungskonzept gearbeitet. Geschäftsführerin Raab hält die Kreisklinik „in ihrem Kern“ für gesund. Schon einige Kliniken in Deutschland hätten sich in den vergangenen zwei Jahren mit Erfolg neu ausgerichtet. Sie sei daher zuversichtlich, den geplanten „Neustart und den Umbau der Klinik zu einem intersektoralen Versorgungszentrum aus eigener Kraft zu schaffen“, so Raab.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare