Groß-Gerau

Kreis Groß-Gerau: Zu viele Logistikflächen, zu wenig Nachhaltigkeit

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Der Kreis Groß-Gerau lehnt das Regionale Entwicklungskonzept wegen negativer Folgen ab. Auch sollte der Flughafen begrenzt werden, heißt es in einer Stellungnahme.

Nachdem das im August vom Regierungspräsidium Darmstadt (RP) veröffentlichte Regionale Entwicklungskonzept bereits in Darmstadt eine Debatte über neue Baugebiete auslöste, hat nun der Kreis Groß-Gerau auf Drängen der rot-grün-roten Koalition eine Stellungnahme für mehr Ökologie und die Begrenzung von Logistikflächen und Flughafen beschlossen. Damit wendet sich der Kreis gegen die Inhalte des vom Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner erstellten Konzepts, da diese „weitreichend negativ“ seien. Auch bezweifelt der Kreis, dass das Konzept den Mangel an bezahlbarem Wohnraum beheben könne.

Gerade als Kreis mit den beiden größten hessischen Naturschutzgebieten Mönchbruch und Kühkopf und der gleichzeitig größten Anzahl versiegelter Flächen müsse man „besonders aufpassen“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Franz-Rudolf Urhahn am Montag in der Sitzung des Kreistags. Flughafen und zwei Häfen weckten Begehrlichkeiten. Er kritisierte, dass Ökologie in dem vom RP beauftragten Gutachten fast keine Rolle mehr spiele. Es sei „empörend, wenn über Bannwald und FFH-Flächen einfach hinweggegangen wird“, kritisierte Christiane Böhm, Fraktionsvorsitzende der Linken/Offenen Liste.

Der Kreis fordert das Land, das RP und den Regionalverband auf, „eine nachhaltige Raumordnung zu betreiben und nicht nur einseitig vor allem wirtschaftlich bedingten Interessen und Entwicklungen durch eine expansive Flächenausweisung nachzugeben“, heißt es in der Stellungnahme. Ökologie, Klimaschutz, Mobilität und sparsamer Flächenverbrauch sollten auf allen Planungsebenen wieder mehr Gewicht erhalten.

Bannwald schützen

Eingedämmt werden solle das unbegrenzte Wachstum des Frankfurter Flughafens. Der Kreis fordert, „keine weiteren Flächen des Bannwaldes“ für den Ausbau des Flughafens zu zerstören und das FFH-Gebiet zu schützen.

Einen Ausbau der Logistik im empfohlenen Ausmaß sieht der Kreis als „nicht raumverträglich“ an. Die Bestrebungen, Logistikentwicklungen in großem Maßstab entlang der B 44 im Süden voranzutreiben, dürften „keinesfalls Grundlage für weitere regionalplanerische Überlegungen werden“. Das Konzept nennt hier potenzielle neue Gewerbeflächen vor allem in Stockstadt und Biebesheim. Insgesamt wird Potenzial für 260 Hektar Wohnflächen (15 040 Wohneinheiten), 480 Hektar Gewerbeflächen und 250 Hektar Logistikflächen aufgeführt.

Auch die Aufteilung der Kommunen in Kernraum und Peripherie lehnt der Kreis ab und fordert, alle Kommunen dem Kernraum zuzuordnen. Wirtschaftlich schwächere Räume sollten gefördert werden. Dies würde den Siedlungsdruck und die Verkehrsmengen im bereits hochverdichteten Ballungsraum verringern. „Sinnvoll wäre, zu gucken, dass die Menschen auch in ihrer Region wohnenbleiben können und nicht Regionen abgehängt werden“, sagte Böhm.

Außerdem fordert der Kreis, dass in Verbindung mit dem Bau der ICE-Neubaustrecke die Riedbahn als ÖPNV-Entwicklungskorridore aufgenommen wird.

Peter Engemann, Fraktionsvorsitzender der FDP/FWG, bezeichnete einen „Totalverriss“ des Regionalkonzepts als „nicht angemessen“. Auch handele es sich bisher nur um eine „Ideensammlung für die Aufstellung des Regionalplans“. Die benannten Flächen stünden nun zur Diskussion.

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