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Meist ist rechte Hetze nicht so lustig wie dieser wütende Mop.  

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Kreis Groß-Gerau: Studie zu rechter Hetze und Propaganda

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Der Kreis Groß-Gerau veröffentlicht eine Dokumentation zu Vorfällen und richtet eine Meldestelle für Betroffene rechter Gewalt ein.

In Raunheim, Bischofsheim und Gustavsburg verteilt die rechtsextreme Partei „Der III. Weg“ Flugblätter. Die aus dem Kreis Groß-Gerau stammende AfD-Politikerin und Landtagsabgeordnete Alexandra Walter lobt auf Facebook einen ehemaligen Waffen-SS-Mann als „toller Mensch“ und ein Opel-Betriebsrat tritt bei einer Veranstaltung der rechten Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ auf: Drei Beispiele dafür, in welchen Erscheinungsformen im Kreis Groß-Gerau rechtes Gedankengut transportiert und gegen Minderheiten gehetzt wird. Dokumentiert wurden sie unter dem Titel „Hass und Hetze im Netz“ von den Politologen Fabian Jellonnek und Pit Reinesch vom Frankfurter Büro für demokratische Kommunikation und politische Bildung im Netz (Achtsegel.org). Eine Chronik listet rechtsextreme Gewalt, Straftaten und Vorfälle im Kreis auf. Auch verschiedene Akteure werden näher beleuchtet.

In Auftrag gegeben hat die jetzt vorliegende Dokumentation der Kreis Groß-Gerau. Es seien zunehmend Hasskommentare und fremdenfeindliche Äußerungen, Geschichtsrevisionismus oder die systematische Manipulation von Nachrichten auch in regionalen Internetforen zu beobachten, teilte die Verwaltung mit.

Die Dokumentation „Hass und Hetze im Netz“ ist unter kreisgg.de/netzwerk-

demokratie abrufbar. Dort können auch Printexemplare bestellt werden.

Der Vorfall-Melder des Kreises ist erreichbar unter kreisgg.de/vorfall. cka

Als „Spezifikum“ im Kreis bezeichnet Jellonnek, dass „Der III. Weg“ hier einen „regionalen Schwerpunkt“ habe. „Plakatieren schafft man nur dort, wo man Leute hat“, sagt er der Frankfurter Rundschau. Es deute viel darauf hin, dass Sympathisanten im Kreis lebten. Jellonnek und Reinesch kommen in ihrer Arbeit zu dem Schluss: „Hass bleibt auf Dauer nicht virtuell, sondern kann reale Konsequenzen in unserem Alltag und Umfeld haben.“ Das erfährt Jellonnek derzeit auch am eigenen Leib: Der Politologe wird nicht nur auf Facebook attackiert, sondern wurde kürzlich in Seligenstadt auf der Straße von Männern angehalten, die ihm mit einer Klage drohten. Dort hatte Jellonnek eine Bewegung gegen die Seebrücke untersucht. Und bei einem Gelbwesten-Protest in Wiesbaden sei ein „ausführlicher Redebeitrag mit einem Haufen Blödsinn“ über ihn eingespielt worden, berichtet Jellonnek auf Twitter.

Bei seinen Recherchen für die Broschüre, die er vor allem im Netz vornahm, habe er beobachtet, dass es zunehmend Menschen gebe, „die innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen mobilisiert werden könnten, rechtes Gedankengut auf die Straße zu tragen“. Landrat Thomas Will (SPD) sieht durch die Dokumentation „viele gefühlte Erkenntnisse bestätigt“, wie er beim Fachtag Demokratie sagte. In der Tat sei der Ton in der Gesellschaft rauer geworden, der Respekt habe sichtbar abgenommen. Gerade jetzt sei es wichtig, die Ideen einer weltoffenen Gesellschaft mit Leben zu füllen und unterschwelligem rechten Gedankengut entgegenzutreten. „Ich wünsche mir, dass wir mit den Ergebnissen in Schulen, Vereine, Verbände gehen“, sagte Will.

Zudem hat der Kreis eine Online-Meldestelle für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt eingerichtet. Hier sollen Vorfälle wie Aufkleber-Aktionen oder Wandschmierereien gesammelt und bei Bedarf an zuständige Stellen weitergeleitet werden.

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