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Schwere Vorwürfe gegen Ermittler der Polizei nach Gewalttat in Kelsterbach

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Von: Jens Joachim

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Wandbild mit der Darstellung der Justita von Eberhard Schlotter im Treppenhaus des Gerichtsgebäudes A des Landgerichts Darmstadt, wo seit Anfang Dezember drei Männern aus Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim der Prozess gemacht wird.
Wandbild mit der Darstellung der Justita von Eberhard Schlotter im Treppenhaus des Gerichtsgebäudes A des Landgerichts Darmstadt, wo seit Anfang Dezember drei Männern aus Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim der Prozess gemacht wird. © Jens Joachim

In Kelsterbach wird ein Mann brutal zusammengeschlagen. Drei Männer werden angeklagt. Nun kommt es zu einer Wende im Prozess.

Kelsterbach - Überraschende Wende im Prozess gegen drei Männer, denen die Staatsanwaltschaft ursprünglich vorgeworfen hatte, einen 57-Jährigen nach einem Glücksspiel vor einem Kiosk in Kelsterbach brutal zusammengeschlagen zu haben: Staatsanwalt Friedrich Mockenhaupt hat am Mittwoch, 4. Januar 2023, vor Gericht dafür plädiert, zwei der drei Angeklagten freizusprechen und ihnen Entschädigungen für eine mehrmonatige ungerechtfertigte Untersuchungshaft zu zahlen.

Der Vertreter der Anklagebehörde forderte zugleich, einen 37-jährigen Rüsselsheimer als Alleintäter zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags und nicht – wie dies ursprünglich in der Anklageschrift hieß – wegen versuchten Mordes zu verurteilen.

Kelsterbach/Darmstadt: Staatsanwalt will zehn Jahre Haft für Angeklagten

Dem fünffachen Vater wirft der Staatsanwalt auch vor, am 21. Mai vorigen Jahres in einer Bar in Rüsselsheim einen anderen Mann unvermittelt geschlagen zu haben und bei seiner Festnahme unter erheblichem Alkohol- und Kokaineinfluss Polizeikräfte bedroht und einen Beamten in den rechten Oberschenkel gebissen zu haben.

Der Prozess gegen die drei Männer aus Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim hatte Anfang Dezember vor der elften großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt begonnen.

Bluttat in Kelsterbach: Staatsanwalt fordert Freispruch für zwei Angeklagte

Das Opfer hatte bei der Attacke in der Nacht zum 5. Februar vorigen Jahres auf dem Parkplatz vor einem „Späti“-Kiosk einen Jochbeinbruch sowie mehrere Frakturen am Ober- und Unterkiefer erlitten. Der Mann musste intubiert und beatmet werden und benötigte zudem eine Bluttransfusion.

Laut Staatsanwalt Mockenhaupt soll der angeklagte 37-Jährige nach einem Streit im Kiosk auf dem Parkplatz dem Opfer fünf Mal „mit voller Wucht und hemmungslos“ mit der Faust ins Gesicht geschlagen und den Tod des Mannes in Kauf genommen haben. Der 57-Jährige habe sich in einer akut lebensgefährlichen Situation befunden. Eine ursprüngliche angenommene Tatbeteiligung der beiden anderen Angeklagten habe während der Beweisaufnahme nicht festgestellt werden können. Daher müssten die beiden Männer freigesprochen und ihnen eine Haftentschädigung gezahlt werden.

„Selbstherrlich und rassistisch“: Schwere Vorwürfe gegen Ermittler der Polizei

Michael Koch und René Bahns, die beiden Verteidiger der offenbar zu Unrecht angeklagten Männer, machten dem Hauptermittlungsführer bei der Kelsterbacher Polizei am Mittwoch in ihren Plädoyers schwere Vorwürfe. Anwalt Koch warf dem Kriminalbeamten vor, eine „unheilige Allianz“ mit dem Geschädigten gebildet, seine Dienstpflichten verletzt sowie sich „selbstherrlich und rassistisch“ verhalten zu haben.

So habe der Beamte etwa entlastende Erkenntnisse ignoriert und „unbeirrt Sachverhalte nicht aufbereitet und angeschaut“. Anwalt Bahns warf dem Polizeibeamten Voreingenommenheit und eine „völlig unzureichende und tendenziöse Ermittlungsarbeit“ vor.

Gewalttat in Kelsterbach: Urteil des Landgerichts Darmstadt folgt am 17. Januar

Rechtsanwalt Berthold Fresenius, der Verteidiger des mutmaßlichen Alleintäters, plädierte dafür, seinen Mandanten wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von maximal dreieinhalb Jahren zu verurteilen.

Das Urteil will der Vorsitzende Richter Volker Wagner am Dienstagnachmittag, 17. Januar, verkünden. (Jens Joachim)

Update vom Dienstag, 17. Januar 2023: Fast sieben Jahre Haft für „Milieutat“ in Kelsterbach - Die elfte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt hat den Angeklagten Rüsselsheimer am Dienstag, 17. Januar, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die beiden Angeklagten aus Kelsterbach und Raunheim wurden freigesprochen.

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