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Fast sieben Jahre Haft für „Milieutat“ in Kelsterbach

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Von: Jens Joachim

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Die drei Männer aus Rüsselsheim, Kelsterbach und Raunheim mussten sich seit Anfang Dezember vorifgen Jahres vor der elften Strafkammer des Darmstädter Landgerichts verantworten. Zwei der drei Angeklagten wurden freigesprochen.
Die drei Männer aus Rüsselsheim, Kelsterbach und Raunheim mussten sich seit Anfang Dezember vorifgen Jahres vor der elften Strafkammer des Darmstädter Landgerichts verantworten. Zwei der drei Angeklagten wurden freigesprochen. © Renate Hoyer

Das Landgericht Darmstadt hat einen 37-Jährigen aus Rüsselsheim wegen versuchten Totschlags nach einem Glücksspiel in einem Kiosk verurteilt. Der Mann hatte einen 57-Jährigen fast tot geprügelt.

Wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung ist am Dienstag ein 37-jähriger Mann aus Rüsselsheim von der elften Strafkammer des Landgerichts Darmstadt zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Der fünffache Vater soll in einigen Monaten in einer Maßregelvollzugseinrichtung untergebracht werden, um dort seine Alkohol- und Drogensucht zu behandeln.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann am 5. Februar 2022 nach einem Würfelspiel in einem „Späti“-Kiosk in Kelsterbach einen 57-jährigen Mitspieler auf einem Parkplatz brutal zusammengeschlagen hat. Dabei soll er dessen Tod in Kauf genommen haben. Der Geschädigte befand sich in einer akut lebensgefährlichen Lage.

Kelsterbach: Mann auf Parkplatz nach Glücksspiel fast tot geprügelt

Der Mann wäre wohl gestorben, wenn nicht ein Passant den Notarzt gerufen hätte. Das Opfer erlitt bei der Attacke einen Jochbeinbruch sowie zahlreiche Frakturen am Ober- und Unterkiefer. Das Gericht verurteilte den 37-Jährigen auch, dem Geschädigten 30 000 Euro nebst Zinsen zu zahlen.

Zwei zusammen mit dem Rüsselsheimer angeklagte Männer aus Kelsterbach und Raunheim sprach das Gericht hingegen aus Mangel an Beweisen frei. Für die mehrmonatige Untersuchunghaft sollen sie entschädigt werden. Auch die Staatsanwaltschaft hatte dafür plädiert, die beiden Männer freizusprechen.

Verurteilung auch wegen Attacke gegen Polizeikräfte in Rüsselsheim

Der Rüsselsheimer wurde zudem wegen einer Attacke auf Polizeikräfte verurteilt. Am 21. Mai vorigen Jahres war er in einer Bar am Rüsselsheimer Löwenplatz mit einem anderen Mann in Streit geraten und hatte bei seiner Festnahme unter erheblichem Alkohol- und Kokaineinfluss Polizeikräfte bedroht und einen Beamten in den Oberschenkel gebissen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft erneuerte am Dienstag vor Gericht die Forderung, den Rüsselsheimer als Alleintäter zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags und nicht – wie dies ursprünglich in der Anklageschrift geheißen hatte – wegen versuchten Mordes zu verurteilen. Der Anwalt des Rüsselsheimers plädierte abermals dafür, seinen Mandanten wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von maximal dreieinhalb Jahren zu verurteilen.

Richter bezeichnet Glücksspiel in Kelsterbach als „höchst kriminell“

Der Vorsitzende Richter Volker Wagner sprach in seiner Urteilsbegründung von einer „Milieutat“. Schwere Vorwürfe der Verteidiger der freigesprochenen Männer gegen den Ermittlungsführer der Polizei, dieser habe „selbstherrlich und rassistisch“ agiert, wies Wagner zurück.

Hingegen bezeichnete der Richter das Verhalten der zum Teil Sozialhilfe beziehenden Glücksspieler, die um mehr als 100 000 Euro gespielt hatten, als „höchst kriminell“.

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