Kelsterbach/Langen

Bannwald gefährdet

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Für den Ausbau des Flughafens oder die Erweiterung von Kiesgruben: Die Rodung von Bannwald ist kein Einzelfall. Umweltschützer rufen die Koalitionsparteien auf, den Wald konsequenter zu schützen.

Vor dem Hintergrund der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und Grünen hat sich die Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms (IGF) Rhein-Main für einen konsequenten Schutz von Bannwäldern ausgesprochen. „Die politisch Verantwortlichen sollten endlich den wirtschaftlichen Interessen von internationalen Konzernen Grenzen setzen, um die Natur vor weiteren Eingriffen zu schützen und damit die Lebensqualität von vielen Hunderttausend Menschen in der Rhein-Main-Region zu erhalten und zu verbessern“, fordert Dirk Treber von der IGF in Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau).

Aktueller Anlass ist die Rodung von knapp zehn Hektar Bannwald für die Erweiterung der Kiesgrube Mitteldorf in Kelsterbach westlich des Frankfurter Flughafens. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hatte dem Unternehmen Mitteldorf Sand- und Kieswerk bereits vergangenen Dezember die forstrechtliche Genehmigung dazu erteilt. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hatte zuvor die Rodung zugelassen, wie das RP auf Anfrage mitteilte. Nach richterlicher Auffassung handele es sich hier „um eine vorübergehende Umwandlung von Waldflächen“, die anschließend wieder verfüllt und aufgeforstet würden. Dennoch warnt die IGF, dass die Vernichtung von Bannwald kein Einzelfall sei. Weitere solcher Waldflächen im Rhein-Main-Gebiet seien bereits gefällt oder sollten demnächst gerodet werden. Als Beispiel nennt Treber die Fällungen von 4,5 Hektar Bannwald im Treburer Wald für den Autobahnanschluss zum Terminal 3 des Frankfurter Flughafens. Nur wenige Kilometer entfernt bei Langen solle ebenfalls Bannwald abgeholzt werden. „Für die Erweiterungen der Kiesabbauflächen durch die Firma Sehring“, erläutert Treber. „Insgesamt sollen dort mehr als 50 Hektar Bannwald verschwinden.“

Das RP bestätigte, es gebe eine Rodungsgenehmigung für Bannwaldflächen am Langener Waldsee. Außerdem liege dem Forstdezernat ein Rodungsantrag für einen halben Hektar Bannwaldfläche im Frankfurter Stadtwald im Zuge des „Ausbaus Bahnhof Sportfeld“ vor.

Zudem habe die Firma Mitteldorf im April 2017 die Erweiterung des Tagebaus um weitere 40 Hektar beantragt. Das Verfahren befinde sich jedoch ganz am Anfang und werde von der Firma im Moment nicht aktiv betrieben, so RP-Sprecher Christoph Süß.

Bannwald ist die höchste Schutzkategorie nach dem hessischem Waldgesetz. Im Kreis Groß-Gerau sind derzeit 3514 Hektar Bannwald ausgewiesen.

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