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Dromedare auf Rohrbachs Wiesen:Marion Böhm hat sich mit "King Lu" (rechts) und "Divess" einen Traum erfüllt.

Ober-Ramstadt

Keine Fata Morgana

Die zwei sind so süß, man muss sie einfach küssen“, sagt Marion Böhm aus Ober-Ramstadt und meint damit die beiden Dromedare, deren Zuhause seit November auf einer Wiese im Stadtteil Rohrbach liegt.

Mit den beiden Tieren habe sie sich einen ihrer Träume erfüllt, erzählt sie. Warum es ausgerechnet Kamele sein müssen, kann sie allerdings nicht näher beantworten: „Die sind groß, schnell und genügsam, ich interessiere mich einfach für sie.“ Besonders deren „Sprache“ habe es ihr angetan. „Für mich bedeutet das Aktion, Reaktion und Analyse.“ Wenn der Kopf hochgehe, ein deutliches Schnauben ertöne und sich Spucke im Maul sammle, heiße das: „Wir sind unzufrieden.“ So wie jetzt zum Beispiel, weil ein Landwirt auf dem benachbarten Feld mit seinem lauten Traktor gerade die Ernte einbringt. Werde sie aber leicht angerempelt, sei das ein Zeichen von Zuneigung.

„King Lu“ hat Marion Böhm das blauäugige Männchen getauft und „Divess“ – eine Mischung aus „Diva“ und „Princess“ – das Weibchen mit den braunen Augen. Anderthalb Jahre sind die Dromedare inzwischen alt und 300 Kilo schwer. Damit haben sie erst ein Drittel ihres Erwachsenengewichts erreicht.

„Wir üben gerade Tragegurte anzulegen, was sie noch gar nicht mögen“, erklärt Marion Böhm. Wichtig ist ihr das, weil sie mit den beiden auch „auf Treckingtour durch den Odenwald“ gehen will. Einmal hat sie das schon ausprobiert, musste das Gepäck für die Übernachtung aber noch selber tragen. Für Spaziergänger waren die Dromedare im Wald ein völlig überraschender Anblick. „Guck mal, eine Fata Morgana“, habe einer gerufen, erzählt die Besitzerin. So etwas mag Marion Böhm, deren Leben durchaus unkonventionell verläuft.

Erfüllung eines Traums

Die ausgebildete Erzieherin bezeichnet sich als „Unternehmerin im sozialen Wohnbereich“, arbeitet freiberuflich in der Erwachsenenbildung und lebt ihre künstlerische Ader mit Kindertheater und als Malerin aus, wobei sie ihre Bilder aber nicht verkauft, „weil ich mich nicht von ihnen trennen kann“.

Die Frage, wie man in Deutschland an Kamele kommt, beantwortet die 49-Jährige mit einem Lachen: „Ich habe im Internet ‚Kamele kaufen‘ eingegeben und gleich sieben Treffer gehabt.“ Ein Kamel zu finden, sei kein Kunststück, eher die Weide sei das Problem gewesen. Und der Preis? „Wer sich ein Pferd leisten kann, kann sich auch ein Kamel kaufen.“

„King Lu“ und „Divess“ kommen aus einer Kamelzucht in Norddeutschland und sind Halbgeschwister. Den Winter in Rohrbach haben sie dank ihres dichten Fells problemlos in der Hütte auf der Weide überstanden. Nun sucht Marion Böhm Leute, die manchmal mit den Dromedaren spazieren gehen: „Die dürfen dann später auch auf ihnen reiten.“ Jetzt gehe das noch nicht, vielleicht in zwei Jahren. Denn erst mit sechs sei ein Kamel ganz ausgewachsen.

Fragend wendet sie sich an „King Lu“: „Vielleicht machen wir ja auch mal eine Kamelschule für Kinder auf?“ Der reibt den Kopf an ihrem Arm. Anscheinend klappt das tatsächlich mit der Sprache. (eda)

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