Groß-Gerau

Kein Karamellduft kündigt mehr den Herbst an

Die Abbrucharbeiten auf dem Gelände der Zuckerfabrik schreiten voran.

Eigentlich ist jetzt die Zeit, in der das Dampfkraftwerk loslegt und den Beginn der Zuckerrübenverarbeitung ankündigt. Die Zeit, in der der Geruch karamellisierten Zuckers den Groß-Gerauern signalisiert: Es ist Herbst. Doch beides ist Vergangenheit. Stattdessen dröhnt stundenweise ein Presslufthammer im Nordwesten der Kreisstadt, hört man gelegentlich die dumpfen Einschläge der Abrissbirne, kann man beobachten, wie täglich ein weiteres Stück der im vergangenen Jahr stillgelegten Zuckerfabrik verschwindet.

Immer größer ist in den vergangenen Wochen, seit der Sprengung von Kamin und Kalkofen, die Freifläche zwischen der Pforte und den noch stehenden Werksteilen geworden. Die mächtigen, vor dem Zuckerhaus stehenden Extraktionstürme sind verschwunden - einer nach Russland verkauft, der andere verschrottet. Weg sind auch die seitlich des Gebäudes stehenden schlanken hohen Maischebehälter. Bis auf ein freistehendes Exemplar verschwunden sind die großen silberfarbenen Schweröltanks im Vorfeld der drei Zuckersilos.

Sprengung ist nicht geplant

Näher rückt auch der Abriss der drei mächtigen, mehr als 50 Meter hohen Zuckersilos, die in einer Ecke zwischen Bahn und Fabrikstraße stehen. Zwei der an riesige Zuckerdosen erinnernde Gebäude sind bereits leer. Bei dem dritten liegen die Ausräumarbeiten in den letzten Zügen.

An ihren Außenwänden sind derweil die Abbruchvorbereitungen auf Touren gekommen. Die Isolierung ist bereits zum erheblichen Teil verschwunden - der Beton soll recycelt werden. Die bislang grauen Zylinder werden langsam schwarz mit weißen Styroporresten. Was dann folgt ist ein konventionelles Abtragen des Trios, wie es vor zehn Jahren mit dem ausgebrannten Pelletssilo geschehen ist. Eine Sprengung des Ensembles ist nach den Worten des Noch-Werksleiters Arnd Reinefeld nicht geplant - wegen der Nähe zur Bahnlinie und den gegenüberliegenden Wohngebieten.

Klar ist, dass bis zum Übergabetermin der Abbruchfirma an Südzucker auch die relativ neue weiße Pelletshalle - sie wurde im Jahr 2000 nach dem Silobrand als Ersatzlagerstätte errichtet - verschwunden sein muss. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen ist es nicht möglich, sie abzubauen und an anderer Stelle weiter zu nutzen, sagt Reinefelds .

Derweil die Abbrucharbeiten auf vollen Touren laufen, sind Planierraupen damit beschäftigt, erste Flächen im Westen des rund 22 Hektar großen Geländes einzuebnen. Noch lagern an vielen Stellen Halden mit klein gemahlenen Betonresten, während der beim Abbruch des Zuckerhauses anfallende Schrott der Kessel, Rohrleitungen und Stahlträgerkonstruktion rasch abgefahren werden. (gil)

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