Landwirtschaft

Kein Cannabis zum kiffen

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Der geklaute Hanf von Bauer Schrimpf aus Trebur ist Nahrungsergänzungsmittel. Das wussten die Diebe vermutlich nicht.

Ein Versuchsfeld für sehr hochwertigen Nutzhanf. Die männlichen Pflanzen hatte Ludwig Schrimpf per Hand entfernt, die Pflanzen jeden Tag aufwendig gedüngt. Alle Mühe vergebens. Die Ernte unter dem Folientunnel direkt neben dem Haus des Juniorchefs des Landwirtschaftsbetriebs in Trebur im Kreis Groß-Gerau ist vor ihrer Reife verschwunden. Komplett.

Unbekannte haben in der Nacht zu Montag die 60 Quadratmeter geplündert. Haben die eineinhalb bis drei Meter hohen Cannabispflanzen herausgerissen oder abgeschnitten, in einen weißen Lieferwagen mit Hamburger Kennzeichen geschleift und damit abtransportiert. Wohl ein Mietfahrzeug, vermutet der 31-Jährige am Mittwoch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Der finanzielle Verlust für ihn sei beträchtlich: mindestens 50 000 Euro, meint er, vielleicht sogar das Doppelte. Der Südhesse nimmt es mit Fassung, als Landwirt ist er Höhen und Tiefen gewöhnt. „Ohne Risiko kein Gewinn.“

Auf dem Feld gedeihte kein normaler Nutzhanf, sondern ein besonders hochwertiges Gewächs. Außerdem handelte es sich nicht nur um 20 Quadratmeter, wie zunächst angegeben, sondern um 60. So erklärt sich der bereits in der gestrigen FR gemeldete hohe Schaden, der so manchen Leser irritierte.

Im vergangenen Jahr hatte Schrimpf auf drei Hektar probeweise angefangen. In diesem Jahr hat der Jungbauer Ende April auf insgesamt zwölf Hektar Hanf gesät. Darunter jene 60 Quadratmeter unter Folie, von denen er sich eine besonders große Ausbeute an CBD versprach. CBD steht für Cannabidiol, ein nicht-psychoaktives Cannabinoid aus dem weiblichen Hanf. Es gilt medizinisch als entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend, soll Übelkeit nehmen. Weitere pharmakologische Effekte werden noch erforscht.

Cannabidiol-Präparate gelten in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel. Bedingung: Der Wert an dem Rauschwirkstoff THC darf die 0,2 Prozent nicht überschreiten. Sonst fallen die Pflanzen unter das Betäubungsmittelgesetz. Die Cannabispflanzen auf den Äckern von Schrimpf eignen sich demnach nicht zum Kiffen. Ob die Diebe das wussten?

Sie haben eine andere Bestimmung. Aus den unfruchtbaren Blüten lässt sich CBD gewinnen. Aus den Samen hochwertiges Öl. Geschält liefern die Samen Eiweiß, Fett, Aminosäure. Man genießt sie in Salat, zu Kuchen, sagt der Landwirt aus Trebur. „Es gibt sogar Hanftofu.“ Die Stängel lassen sich zu Fasern verarbeiten; für Hanfseile, „auch die Automobilindustrie hat Interesse“. Eine Wunderpflanze also, die dem Landwirt wenig Arbeit macht. Wo Cannabis wächst, hat Unkraut so gut wie keine Chance.

Erstmals hatte der 31-Jährige in größerem Maß in dieser Saison auf Hanf gesetzt. Nach dem unverschämten Diebstahl vom Sonntag wird der Ertrag aus der restlichen Fläche wohl gerade die Kosten decken. Zum Glück bauen er und sein Vater auch noch Erbsen an, Sojabohnen, Zuckerrüben. Schrimpf geht davon aus, dass die Diebe den Unterschied von Nutzhanf und Marihuana nicht kennen. „Sie hatten keine Ahnung.“ Denn wer sich auskennt, der sehe schon an der Form der Blüten, dass sich diese Pflanzen nicht für den Drogentrip eignen.

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