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Lehrer und Autor Siggi Liersch zeigt seinen Schülern, dass Schreiben Spaß macht.

Mörfelden-Walldorf

Keine Angst vorm weißen Blatt

Die Schreibwerkstatt der Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf weckt Talente und will vermitteln, dass Schreiben Spaß macht.

Niklas Schulmeyer (15) hat zu Hause einen Fantasy-Text von 70 Seiten liegen. „Schreiben macht Spaß“, sagt der Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule (BvS) in Mörfelden-Walldorf. Seit 2008 nimmt Niklas an der kreativen Schreibwerkstatt der Schule teil.

Der Lehrer und Autor Siggi Liersch hatte das Projekt damals für Schüler aller Klassen ins Leben gerufen, um Potenziale zu wecken und Talente zu fördern. Über das Unterrichtspensum hinaus will Liersch Impulse setzen, Sprache weiterzuentwickeln. „Es ist faszinierend, wie sich Schüler aufs Fabulieren einlassen, wie sie spielerisch die Grammatik verbessern, Wortschatz und Stilmittel erweitern. Ich nehme die Scheu vorm leeren Blatt, gebe Anreize, aus denen erstaunliche lyrische oder prosaische Texte hervorgehen“, sagt Liersch.

Die hohe Qualität der Literatur aus Schülerfeder belegt auch ein Heft, das die Ergebnisse der Schreibwerkstatt jährlich als schulinterner Literaturbote bündelt. „Wir haben vom Kurs 2011 50 Exemplare gedruckt, die ratzfatz vergriffen waren“, berichtet Liersch.

Behutsame Korrekturen

Dass es ein „tolles Gefühl“ ist, die eigene Geschichte oder ein Gedicht in formschönem Druck zu sehen, bestätigen alle Kursteilnehmer. Für eine behutsame Korrektur, die darauf achtet, den Textcharakter zu erhalten, steht Siggi Liersch David Neubecker zur Seite. Auch nach dem Abitur 2011 unterstützt der junge Mann, den Liersch eine „echte Sprachbegabung“ nennt, die Gruppe als Mentor.

„Die Schreibwerkstatt hat seit ihrer Initiierung sehr an Niveau gewonnen“, meint Neubecker. Siggi Liersch nickt: „Eigentlich mag ich das Wort Messlatte nicht – aber ich muss sagen, sie hängt hoch.“

Die Schreibwerkstatt als literarischer Talentschuppen also? „Daraus sind schon Teilnehmer öffentlicher Wettbewerbe hervorgegangen“, sagt Siggi Liersch mit einem gewissen Vaterstolz. Schülerin Gabriella Araman habe beispielsweise 2011 den Förderpreis des Schreibwettbewerbs der Stockstädter Buchmesse gewonnen.

Doch man muss kein kleiner Goethe sein, um teilzunehmen: Dass Sprachspiele, Wortverdrehungen und Neuschöpfungen, Lautmalerei oder das Verfassen fantasievoller Texte dazu beflügeln können, die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten auszuloten, ist offensichtlich eine tolle Erfahrung. „Manchmal schreiben wir Texte, während zugleich leise Musik läuft. Oder Siggi Liersch gibt einen Satz vor, den wir fantasievoll weiterspinnen“, erzählt Schülerin Nadine Endrulat (14) begeistert.

Vivian Häferer (15), die seit 2008 wiederholt teilgenommen hat, sagt: „Man bekommt Anstöße, die einen weiterbringen. Es gibt Tipps, um eine Geschichte mit kurzen Sätzen und vielen Adjektiven spannend zu machen, oder man probiert Erzählperspektiven aus.“ Es verändere eine Geschichte, je nachdem, ob ein Ich-Erzähler oder eine dritte Person eingesetzt wird.

Derzeit plant Siggi Liersch erstmals eine öffentliche Lesung seiner Schreibwerkstatt 2011 in der Stadtbücherei. Einen exakten Termin gebe es zwar noch nicht, sagt er, „doch Büchereileiterin Gisela Müller und ich sind im Gespräch“. (lot.)

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