Diese Störche auf einem Feld bei Büttelborn fühlen sich dort pudelwohl.
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Diese Störche auf einem Feld bei Büttelborn fühlen sich dort pudelwohl.

Kreis Groß-Gerau

Jäger sehen Störche als Problem

Der Weißstorch fühlt sich im hessischen Ried wohl. Geht es nach dem Kreisjägerverein Groß-Gerau sogar zu wohl. Die Schreitvögel seien so zahlreich geworden, dass sie eine existenzbedrohende Gefahr für Frösche und Fasane geworden seien.

Mehrere hundert Störche brüten jedes Jahr im hessischen Ried. Damit hat Südhessen eine der größten Storchenpopulationen Deutschlands. Doch die weißen Vögel mit den roten Schnäbeln und ihrem unüberhörbaren Klappern sind nicht überall beliebt. Inzwischen wird Kritik an der ständig wachsenden Population laut.

Der Kreisjägerverein Groß-Gerau warnt vor den Folgen von immer mehr Störchen. Die Tiere würden andere Tierarten wie Rebhühner oder Fasane in ihrer Existenz bedrohen, sagt zum Beispiel die Pressesprecherin des Kreisjägervereins Groß-Gerau, Beate Muth-Moschek. Auch junge Kaninchen, Kröten und Eidechsen stünden unter anderem auf dem Speiseplan der Störche. Selbst kleine Rehkitze seien schon von Störchen angegriffen worden. Generell bedeuteten Störche eine Gefahr für das gesamte Niederwild. Deshalb müsse etwas getan werden, um die Population nicht weiter anwachsen zu lassen.

So sollten keine weiteren künstlichen Nisthilfen mehr gebaut und die Störche nicht wie im Vogelpark Biebesheim so angefüttert werden, dass sie während der Wintermonate nicht mehr wegziehen, sondern im Ried bleiben. Durch den Zug der Vögel gebe es eine natürliche Auslese unter den Tieren, weil nicht alle den Flug über mehrere tausend Kilometer überleben würden. Blieben sie aber in Hessen, gebe es diese Auslese nicht mehr.

Groß-Geraus Bürgermeister Stefan Sauer sieht das ähnlich. Da sei die Kommune gefordert, durch Renaturierung wieder Lebensmöglichkeiten für seltene Arten wie Eidechsen zu schaffen und dann würden diese Tiere von den Störchen weggefressen. Jedenfalls tue eine Überpopulation der Störche den Teichen in der Gemarkung nicht gerade gut.

Da Störche unter Naturschutz stehen, dürfen sie nicht bejagt werden. Das wollten die Jäger auch gar nicht, betont die Pressesprecherin. Aber es müsse ein gesundes Gleichgewicht hergestellt werden. Im Gegensatz zu den Jägern haben die Angler nichts gegen die Storchenpopulation. „Störche gehören zu unseren Gewässerlandschaften“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes Hessischer Fischer, Günter Hoff-Schramm. Störche würden höchstens mal einen Fisch am Rand eines Gewässers oder auf einer überfluteten Wiese erwischen. Aber meist seien diese Fische ohnehin angeschlagen. Der Verband habe sogar vor einiger Zeit eine Nisthilfe für Störche errichtet. Man sei froh, dass es diese Tiere in der Region wieder gebe. Hauptproblem der Angler seien Kormorane.

Störche stellen aber in Einzelfällen neben ihren Fressgewohnheiten eine Gefahr für Häuser und Autos dar. Es sind Vorkommnisse unter anderem von der Hessenaue und aus Heppenheim bekannt, wo Störche immer wieder auf geparkte Autos losgegangen sind. Sie haben sich in den Autoscheiben gespiegelt und in der Spiegelung einen Konkurrenten in ihrem Revier gesehen, wie der Ornithologe Bernd Petri gegenüber dieser Zeitung schon 2014 gesagt hatte, als Hessenauer Bürger über Dellen in mehreren Autos klagten.

Die Landwirte haben hingegen keine Probleme mit den Tieren, die auf den Feldern sogar recht zutraulich geworden sind. Kaum pflügt ein Landwirt seinen Acker um oder mäht Getreide, stolzieren im Nu zahlreiche Störche hinter den Traktoren her, um Würmer aus dem Boden zu holen. „Für uns sind die Störche kein Problem“, so der Sprecher des Hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber. (hde)

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