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Migrantinnen treffen sich zum Nordic Walken.

Mörfelden-Walldorf

Integrieren heißt miteinander reden

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Der Integrationsbeauftragter Peter Metz schickt muslimische Frauen zum Nordic Walken - in Kopftüchern und langen Gewändern. Von Madeleine Reckmann

Ist es Integration, wenn Migrantinnen mit Kopftüchern und langen Gewändern gemeinsam Nordic Walking machen? Der Erste Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) glaubt ja. "Wir machen nicht Integration mit dem Holzhammer und verordnen, dass sich Migrantinnen und Deutsche in gemeinsamen Gruppen verstehen", sagt er. Vielmehr gehe es bei dem seit August laufenden Nordic-Walking-Projekt darum, Migrantinnen einen Zugang zu Sport und Vereinsleben zu ermöglichen und sie in hiesige Lebensstile einzuführen. Auch, wenn die Veranstalter erst lernen mussten, dass im muslimischen Fastenmonat Ramadan keine Frau zum Walken erscheint oder in den Sommerferien die Teilnehmerinnen in ihren Heimatländern sind. Ein Dutzend Frauen, überwiegend aus Pakistan und der Türkei, treffen sich einmal in der Woche bei der Walldorfer Turngesellschaft zum Walken. Eine Übungsleiterin weist sie in den Sport ein. Urhahn wertet es als Erfolg, dass das Projekt mit einem zweiten Kurs fortgeführt wird und 16 Frauen zunächst für ein halbes Jahr Mitglied wurden.

Peter Metz, der seit Februar 2008 als Integrationsbeauftragte für die Stadt tätig ist, hat mehrere dieser Projekte angestoßen und listet sie in seinem Bericht für die Stadtverordneten auf. Etwa das Fegerprojekt. Kinder und Jugendliche aus Wohnungen der Nassauischen Heimstätte säubern Blumenrabatte und Grünanlagen von Papierchen und anderem Unrat. Dies soll Konflikte mit Mietern beseitigen. Oder das Frühstart-Projekt der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die Sprachförderung, interkulturelle Bildung und Elternarbeit in den konfessionellen Kindergärten in Mörfelden-Walldorf fördert.

Integrationsarbeit sei überwiegend Kommunikationsarbeit, sagt Urhahn. Metz habe über die Projektarbeit hinaus Kontakte zu verschiedenen Communities hergestellt und um Vertrauen geworben. "Es ist ziemlich viel passiert", sagt Urhahn, der ein positives Resümee der neu eingerichteten Stelle des Integrationsbeauftragten zieht. Auch wenn freilich noch viel zu tun bleibe. Deutsche und Migranten müssten die jeweils andere Kultur noch stärker akzeptieren, sagt der erste Stadtrat.

Peter Metz wird daher von Januar an weitere drei Jahre für Mörfelden-Walldorf tätig sein. Zweidrittel seines Gehalts und das einer Halbtags-Sekretärin zahlt das Bundesamt für Migrations- und Flüchtlingswesen. , den Rest die Stadt. Das Migrationsbüro wird demnächst vom Alten Rathaus in die ehemalige Kleinmarkthalle am Dalles ziehen.

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