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Darmstadt-Dieburg

Die große Angst ist gewichen

Beim Hospizverein Groß-Umstadt funktioniert die Palliativversorgung. Wer Bedarf hat, bekommt schnell Hilfe. Finanziert wird dies über die Krankenkassen.

Mit Spannung wird am Freitag eine Abstimmung im Deutschen Bundestag erwartet. Dabei geht es um die Frage, in wie weit die Sterbehilfe künftig für Ärzte und Organisationen möglich und erlaubt sein soll. Mit dem Hospizverein Groß-Umstadt wurde im Vorfeld über das Sterben in Würde gesprochen.

„Als ich hier anfing, sagten mir öfter alte Leute, vor allem im Pflegeheim: ,Bringen Sie mir bitte das nächste Mal eine Tablette mit.‘ Das ist heute nicht mehr so“, sagt Anja Schnellen eingangs unseres Gespräches. Sie ist die leitende Koordinatorin beim Hospizverein Groß-Umstadt, der wohl ältesten und größten Hospizorganisation im Landkreis. Rund 150 sterbende Personen werden dort jährlich von 50 ehrenamtlichen Mitgliedern begleitet; mal für nur wenige Wochen, mal über Monate oder Jahre. „Manchmal berappeln sich die Leute auch wieder.“ Eine Erfahrung, die in das schwierige Für und Wider zum Thema Sterbehilfe mit einfließt. Die Koordinatorin der Sterbebegleiter im Dieburger Land bestätigt, was viele Hausärzte, Pflegeheimleiter und Klinikmediziner ebenfalls betonen: Mit der Einführung vor einigen Jahren eines weitgehend flächendeckenden Angebots der von Schmerzen befreienden Palliativmedizin hat sich die Lage der vor dem Tod leidenden Menschen erheblich verbessert.

Heute muss im Kreis Darmstadt-Dieburg niemand Angst vor unerträglichen Schmerzen haben, wenn er – beispielsweise als Krebspatient im Endstadium – die letzte Zeit daheim bei der Familie verbringen möchte. Die ambulanten Palliativteams von E-Stift und Klinikum Darmstadt suchen auch die Bewohner in Otzberg, Babenhausen, Pfungstadt und Griesheim auf, überall im Kreis, dosieren die Schmerzmittel immer wieder neu, sind rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres erreichbar und notfalls schnell vor Ort. „Allein diese Gewissheit beruhigt viele Menschen. Ich weiß, dass ich nicht leiden muss“, schildert Anja Schnellen aus vielen Gesprächen in der Sterbebegleitung.

Schnelle Hilfe

Die Palliativversorgung funktioniere gut. Wer Bedarf hat, bekommt schnell Hilfe. Finanziert wird dies über die Krankenkassen. Die seelische Begleitung, die Gespräche am Kranken- oder Sterbebett, das Zuhören oder manchmal auch nur schweigend dort sein und die Hand halten, übernehmen die ehrenamtlichen Hospizhelfer. „Die meisten bei uns sind zwischen 30 und 50 Jahre alt, zu 95 Prozent Frauen. Im aktuellen Ausbildungskurs für 15 Personen ist ein Mann dabei“, schildert Anja Schnellen.

„Früher, noch vor zehn, zwanzig Jahren, haben manche Hausärzte bei Sterbenden mit Medikamenten herumexperimentiert.“ Heute wüssten die Palliativteams genau, was sie tun. Bis hin zur völligen Sedierung des Sterbenden durch Medikamente. „Der zuvor leidende Mensch nimmt dann nicht mehr am Leben teil, aber auch nicht an Schmerzen. Manchmal werden diese Patienten dann nach einer Weile wieder aufgeweckt und gefragt, ob sie bei ihrem Entschluss bleiben. Wenn ja“, so Anja Schnellen, „kann dieses Wegdämmern bis in den Tod führen.“

Deshalb sei – aus ihrer Sicht – das künftige Palliativ- und Hospizgesetz fast noch spannender als die künftige Sterbehilferegelung. Generell aber beruhigt die Sterbebegleiterin gebrechliche und schwerkranke Menschen: Mit einer guten Patientenverfügung, bei deren Erstellen der Hospizverein gerne auch helfe, sei im Kreis Darmstadt-Dieburg alles gut geregelt. (piz)

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