1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Kreis Groß-Gerau
  4. Groß-Gerau

Wohin mit schwach radioaktivem Abfall aus Biblis?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Annette Schlegl

Kommentare

Landet der freigemessene Abfall aus dem AKW Biblis bald auf der Deponie Büttelborn – dort, wo sich jetzt Störche gütlich tun?
Landet der freigemessene Abfall aus dem AKW Biblis bald auf der Deponie Büttelborn – dort, wo sich jetzt Störche gütlich tun? © Renate Hoyer

Die Betriebsgenehmigung für die Deponie Büttelborn endet zu früh, um den Rückbau-Abfall des AKW Biblis zu lagern. Das RP entscheidet frühestens im September über die Lagerstätte.

Eigentlich wollte das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt im ersten Quartal dieses Jahres entscheiden, wo die freigemessenen Abfälle aus dem Rückbau des Atomkraftwerks Biblis entsorgt werden. Diese Antwort erhielt der Landtagsabgeordnete Gerald Kummer (SPD) zumindest Ende des vorigen Jahres aus dem Umweltministerium auf eine kleine Anfrage. Aber noch immer ist keine Entscheidung gefallen, welche Deponie Abbruchmaterial aus dem AKW mit einem Strahlengrenzwert von zehn Mikrosievert pro Jahr abnehmen muss. „Es wird auf jeden Fall September werden, bis eine Entscheidung fällt“, heißt es auf FR-Nachfrage aus dem RP.

Büttelborn und mehr als 200 andere Deponien winkten bei Atommüll-Lagerung ab

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße hatte mehr als 200 Deponiebetreiber im gesamten Bundesgebiet angefragt, ob sie die Abfälle aus dem AKW-Rückbau annehmen, deren Strahlung das Umweltministerium als äußerst gering und nicht gesundheitsgefährdend einschätzt. Es hagelte nur Absagen. Wird deshalb die nächstgelegene Hausmülldeponie Büttelborn zur Annahme des Atommülls gezwungen?

Stefan Metzger und Jens Tollkühn glauben das nicht. Die beiden Geschäftsführer der Abfall-Wirtschafts-Service GmbH (AWS), eine 100-prozentige Tochter des Deponiebetreibers Riedwerke, begründen das mit dem avisierten Zeithorizont. Das Ende der Rückbauarbeiten in Biblis sei für das Jahr 2032 angepeilt – „am 31. Dezember 2030 endet aber unsere Betriebsgenehmigung zur Annahme von Abfällen“, sagte Metzger am Dienstag bei einem Besuch der SPD-Kreistagsfraktion Groß-Gerau. Außerdem werde die AWS in der Regel vom Erzeuger des Abfalls angefragt, ob sie den Müll auch annimmt. Bisher habe es aber noch keine Anfrage des AKW-Betreibers RWE gegeben.

Für 750 Tonnen Atommüll aus Biblis müsste eine andere Deponie gesucht werden

Laut der für den Rückbau zuständigen RWE Nuclear GmbH fallen am Standort Biblis in den kommenden Jahren insgesamt 3000 Tonnen freizugebende Reststoffe aus dem Kontrollbereich zur Deponierung an – das sind fünf Prozent der gesamten Demontagemasse. Rund 250 Tonnen sollen jährlich auf geeigneten Deponien landen, sagt Metzger. „In Biblis würden also 2030 noch 750 Tonnen Abfall rumliegen, für die man das gleiche Fass nochmals aufmachen müsste.“ Das gleiche Fass heißt: erneute Suche nach abnehmenden Deponien – und wahrscheinlich auch weitere Klagen. Thomas Will (SPD), Landrat des Kreises Groß-Gerau, hatte schon angekündigt zu klagen, falls es zu einer Zuweisung nach Büttelborn komme.

Der Müllberg der Deponie Büttelborn wächst nur noch bis zum 31. Dezember 2030.
Der Müllberg der Deponie Büttelborn wächst nur noch bis zum 31. Dezember 2030. © Renate Hoyer

Möglicherweise hat das RP mit seiner Entscheidung für einen Deponiestandort auch die Begründung eines Urteils abgewartet, das das Verwaltungsgericht Karlsruhe Anfang Mai gefällt hatte. Der Enzkreis hatte geklagt, weil das RP Karlsruhe eine Ausnahmezulassung für die Deponierung von 16 000 Tonnen Betonabfällen aus dem Rückbau der Kernkraftwerke Phillipsburg 1 und 2 sowie von 38 450 Tonnen aus kerntechnischen Anlagen in Eggenstein-Leopoldshafen erteilt hatte. Die strahlenschutztechnisch freigegebenen Abfälle sollten auf der im Enzkreis gelegenen Deponie Hamberg landen. Das Gericht aber gab dem Enzkreis Recht. Die Ausnahmezulassung könne nicht gegen den Willen des Betroffenen ergehen.

Zur Deponierung vorgesehene Abfälle lagern derzeit noch auf AKW-Gelände

Aktuell sind in Biblis rund 275 RWE-Mitarbeiter mit dem Rückbau beschäftigt, erklärt RWE-Nuclear-Sprecher Alexander Scholl. Derzeit gehe es hauptsächlich darum, im Kontrollbereich für den Aufbau einer „Rückbaufabrik“ Platz zu schaffen. Mit neuer Technik sollen die dort abgebauten Anlagenteile so bearbeitet und gesäubert werden, dass sie in die Freigabe und somit in den Wertstoffkreislauf zurückgegeben werden können. Abfälle, die zur Verwertung oder Deponierung vorgesehen sind, lagern laut Scholl derzeit noch auf sogenannten Pufferlagerflächen innerhalb des Anlagengeländes in Biblis. Diese Kapazitäten seien aber sehr begrenzt.

Auch interessant

Kommentare