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Büttelborn zeigt sich wehrhaft gegen den Abfall aus Biblis

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Von: Annette Schlegl

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In Büttelborn fürchtet man sich vor dem „Strahlenmüll“ aus dem Atomkraftwerk Biblis.
In Büttelborn fürchtet man sich vor dem „Strahlenmüll“ aus dem Atomkraftwerk Biblis. © Peter Jülich

In Büttelborn will man den Klageweg gehen, falls das Abbruchmaterial des stillgelegten Atomkraftwerks Biblis auf der örtlichen Hausmülldeponie landet.

Die Büttelborner wollen es nicht kampflos hinnehmen, dass ihre Hausmülldeponie möglicherweise zur Lagerstätte für strahlenden Abfall aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Biblis wird. Die Wohnbebauung liege nur 1,1 Kilometer von der Deponie entfernt, sagt Armin Hanus, Sprecher der Bürgerinitiative „Büttelborn 21“. Man gehe den Klageweg, falls der AKW-Müll dort abgelagert werden sollte. Laut Bürgermeister Marcus Merkel (SPD) wird das Regierungspräsidium Darmstadt unter Führung von Brigitte Lindscheid (Grüne) im ersten Quartal die Entscheidung fällen.

Laut Hanus wurden 200 Deponiebetreiber in ganz Deutschland angefragt, ob sie das Abbruchmaterial aus dem Rückbau des AKW abnehmen – alle lehnten ab. Der Vorstand des kommunalen Zweckverbands Riedwerke als Eigentümer der Hausmülldeponie Büttelborn, habe schon vor Jahren den Beschluss gefasst, auf keinen Fall Atommüll anzunehmen, erklärt Bürgermeister Merkel. Auch Gemeindevertretung und Kreistag hätten ein klares Votum abgegeben.

Kommt das Abbruchmaterial vom Atomkraftwerk Biblis nach Büttelborn?

„Es besteht aber immer noch die Gefahr, dass wir als nächstgelegene Deponie vom Regierungspräsidium eine Zuweisung für das AKW-Abbruchmaterial bekommen“, sagt Hanus. Das Land könnte seine Macht ausspielen und die Hausmülldeponie Büttelborn zur Annahme des Abfalls aus Biblis zwingen.

„Wenn das passiert, werden die Riedwerke und die AWS Abfall-Wirtschafts-Service GmbH, die Betreiberin der Deponie, dagegen klagen“, sagt Hanus. Dieser Beschluss sei bereits getroffen. Der BUND habe sich darüber hinaus bereiterklärt, den Büttelbornern fachlich zu helfen, der Frankfurter Umweltpreisträger Werner Neumann stehe als Experte zur Verfügung. Und die BI Büttelborn 21 werde „politisch auf die Barrikaden gehen“.

Kreis Groß-Gerau: SPD gegen Abfälle aus Biblis auf Hausmülldeponien

Die SPD im Kreis Groß-Gerau stellt sich ebenfalls geschlossen gegen die Pläne des Landes, strahlende Abfälle aus Biblis auf Hausmülldeponien wie der in Büttelborn zu entsorgen. Bei einem Ortstermin sprachen Melanie Wegling, direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für den Kreis Groß-Gerau, und der Landtagsabgeordnete Gerald Kummer mit Merkel und BI-Vertretern über das weitere Vorgehen.

Der Bürgermeister sieht schwarz für seine Pläne, Büttelborn zu einem Zukunftsstandort für die Klimawende zu machen. Seine Vision ist es nämlich, die Hausmülldeponie zum regenerativen Energie-Hotspot umzuwidmen. Eine Bioabfallvergärungsanlage ist schon geplant und soll Mitte des Jahrzehnts verwirklicht sein. Dort soll Methan entstehen, das verstromt werden kann.

Büttelborn: Bürgermeister für Zwischenlager am Standort des AKW Biblis

Auf den Hängen sollen Photovoltaikanlagen platziert werden, und auch Windkraftanlagen seien vorstellbar, sagt Merkel. Auf dem 50 Meter hohen Abfallberg solle ein Aussichtspunkt „mit Blick bis Frankfurt“ entstehen. „Das alles würde konterkariert werden, wenn wir den Müll aus Biblis nehmen müssten“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

Merkel spricht sich dafür aus, das Abbruchmaterial dort zu lassen, wo es angefallen ist. Auch Hanus schlägt in diese Kerbe. „Man sollte erst ein Zwischenlager am Standort des Atomkraftwerks errichten und dann ein vorhandenes AKW-Gebäude auswählen, das als Deponie fungieren kann.“

AKW Biblis: Entsorgungspflicht liegt beim Kreis Bergstraße

In Biblis sei extra ein Gebäude als Zwischenlager für die Castoren mit abgebrannten Elementen errichtet worden. „Wenn das möglich war, muss es dort auch ein Zwischenlager für diesen Bauschutt geben können.“

Die Entsorgungspflicht liege eigentlich beim Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße und beim Kreis Bergstraße, der seine Deponie aber geschlossen und keine weitere eröffnet habe. „Der Kreis hat durch Nichtstun den Schwarzen Peter weitergereicht.“

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