Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Prosperierende Wirtschaft: Blick über die Felder zum Logistikpark Four Parx in Groß-Gerau. Michael Schick
+
Prosperierende Wirtschaft: Blick über die Felder zum Logistikpark Four Parx in Groß-Gerau. Michael Schick

Bundestagswahl

Wahlkreis Groß-Gerau: Ländlich geprägt und zentral für Wirtschaft

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
    schließen

Im Wahlkreis Groß-Gerau siedeln viele Unternehmen und auch die Menschen zieht es dort hin. Der Wahlkreis im Porträt.

In der Corona-Pandemie sorgte der Kreis Groß-Gerau mehrfach für Schlagzeilen. An der dortigen Kreisklinik wurde im März 2020 nicht nur eines der ersten Corona-Test-Drive-Ins eröffnet, sondern dort wollten zum Ende der dritten Welle auch die Infektionzahlen einfach nicht sinken, so dass man zeitweise bundesweiter Spitzenreiter war. Mobile Impfteams, die in die Wohnquartieren mit hohen Inzidenzen gehen und Aufklärungsarbeit in verschiedenen Sprachen leisten, sollten dem beikommen, wie SPD-Landrat Thomas Will sagte.

Neben der Bewältigung der Pandemie ist die medizinische Versorgung der ländlichen Bereiche ein wichtiges Thema für die Menschen vor Ort. Zentrale Rolle spielt dabei die Kreisklinik Groß-Gerau, die zum intersektoralen Gesundheitszentrum umgebaut werden soll, mit ihrem angeliedertem Medizinischen Versorgungszentrum.

Kreis Groß-Gerau gehört zu Ökomodellregion

Auch Umweltschutz spielt für den einerseits ländlich geprägten Kreis, andererseits aber auch prosperierenden Wirtschaftsstandort mitten im Rhein-Main-Gebiet eine große Rolle. Der Kreis gehört nicht nur zur Modellregion für Ökolandbau. Auch die beiden größten Naturschutzgebiete Hessens – Kühkopf und Mönchbruch – liegen auf Kreisgebiet. Doch die Wälder sind insgesamt durch Dürresommer, Pilz- und Borkenkäferbefall stark geschädigt.

Ein großer Teil des Hessischen Rieds liegt ebenfalls im 453 Quadratkilometer großen Kreisgebiet. Von dort wird das Grundwasser als Trinkwasser in die umliegenden Großstädte des Rhein-Main-Gebiets gepumpt. Zwar wird der Grundwasserspiegel mit Wasser aus dem Rhein auf einem Pegel gehalten, doch Umweltschützer warnen dennoch vor den negativen Folgen für das Ökosystem.

Ultranet und ICE-Trasse

Derzeit sorgen zwei auf Bundesebene geplante Projekte für Debatten: Die von Nord- nach Süddeutschland geplante Stromtrasse Ultranet, weil sie mancherorts nah an der Wohnbebauung verlaufen soll. Zudem soll auch die geplante ICE-Trasse von Frankfurt nach Mannheim durch den Kreis verlaufen und sorgt für Ängste vor noch mehr Lärm.

Was den betrifft, ist der Kreis bereits durch den Frankfurter Flughafen stark belastet. Im Januar 2018 besetzten Umweltaktive ein Waldstück bei Mörfelden-Walldorf um die Waldrodung für die Autobahnzufahrt zum neuen Terminal 3 zu verhindern.

Gleichzeitig sorgt der Flughafen für zahlreiche Arbeitsplätze und befördert den wachsenden Wirtschaftstandort vor den Toren Frankfurts. Der Kreis ist längst nicht mehr nur für seinen Spargelanbau und den Rüsselsheimer Autobauer Opel bekannt. Logistik- und Transportunternehmen, Fahzeug- und Maschinenbauunternehmen nehmen die Hälfte der Industrieflächen in Anspruch. Jüngst hat sich in Raunheim ein Entwicklungszentrum für neuen Antriebskonzepte und umweltschonende Mobilität angesiedelt.

Wahlkreis 184

Briefwahl kann noch bis Freitag, 24. September, 18 Uhr, beantragt werden.

Blinde und Sehbehinderte können ihre Stimme mit Hilfe von Stimmzettelschablonen eigenständig abgeben. Die Schablonen müssen beim Landesverein des DBSV unter Telefon 069/ 1505966 angefordert werden.

174 727 Personen waren 2017 im Kreis Groß-Gerau wahlberechtigt. Es gibt 249 Wahlbezirke, 77 davon sind Briefwahlbezirke.

Die ersten Ergebnisse sind am Wahlabend unter https://wahlen.hessen.de zu finden. cka

Laut Wirtschaftsbericht 2020 liegen die Unternehmen im Kreis Groß-Gerau mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 97 745 Euro je erwerbstätiger Person an dritter Stelle in ganz Hessen. 2019 befanden sich auch die Gewerbesteuereinnahmen und die Beschäftigungsquote auf Höchstniveau. Ebenso rangieren die Gehälter mit 39 362 Euro um 4,8 Prozent höher als im hessenweiten Durchschnitt.

Das alles macht den Kreis als Zuzugsgebiet beliebt. 2019 wurde hier der hessenweit größte Bevölkerungszuwachs verzeichnet. Dies führt gleichzeitig zu einem größeren Bedarf an Wohnraum. In den 14 Städten und Gemeinden leben rund 275 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Knapp 19 Prozent von ihnen sind laut Sozialdaten von 2018 älter als 65 Jahre. Der Anteil der unter 18-Jährigen liegt bei etwa 17,5 Prozent.

Regiert wird der Kreis Groß-Gerau seit der Nachkriegszeit traditionell von der SPD. Doch von den fast 50-prozentigen Stimmanteilen ist man seit den 1980er Jahren weit entfernt. Aktuell lenkt eine rot-grün-rote Koalition die Geschicke. Die CDU hat sich bei der Bundestagswahl 2017 mit 30,5 Prozent als stärkste Kraft profilieren. Die SPD erreichte 25,4 Prozent, Grüne 9,0 Prozent, Linke 6,7; AfD 11,3 und FDP 5,3.

Kreis Groß-Gerau: CDU und Linke gewinnen Bundestagsmandate

CDU-Mann Stefan Sauer, damaliger Bürgermeister von Groß-Gerau, holte 2017 außerdem das Direktmandat. Diesmal tritt er wieder an und will sich unter anderem für Digitalisierung, Vereinsförderung und eine Revitalisierung der Innenstädte einsetzen. Ein zweites Bundestagsmandat ging über die Landesliste der Linken an den Walldorfer Jörg Cezanne. Auch er stellt sich wieder als Direktkandidat. Sein Ziel ist vor allem die Entlastung von kleinen und mittleren Einkommen von der hohen Steuerlast.

Insgesamt stehen am 26. September im Wahlkreis 184 Groß-Gerau soviele Direktkandidaten- und Kandidatinnen zur Wahl wie noch nie. Insgesamt zehn Bewerberinnen und Bewerber gibt es. Auch Stefan Sauer und Jörg Cezanne treten wieder an.

Für die SPD will diesmal Melanie Wegling das Mandat holen. Die Fraktionsvorsitzende aus Ginsheim-Gustavsburg hofft, eine bundespolitische Wende auch in den Kreis zu holen. Wenn das gelingt, strebt sie an, im Finanzausschuss tätig zu werden „damit Fördergelder auch im Kreis ankommen“, wie sie sagt. Sie setzt sich unter anderem für eine Mobilitätswende und artgerechte Tierhaltung ein. Ihr Ziel: 100 Prozent erneuerbare Energie.

Kreis Groß-Gerau: Minus für SPD bei Kommunalwahl

Bei der Kommunalwahl im März 2021 blieb die SPD zwar mit 28,1 Prozent stärkste Kraft, musste aber ein Minus von 5,7 Prozentpunkten hinnehmen, während CDU (plus 1,7 auf 25,9) und Grüne (plus 8,4 auf 18,5 Prozent) zulegten. Auch die viertstärkste Kraft im Kreis, die AFD, ließ Federn: minus 5,7 auf 7,5 Prozent.

Für die Grünen auf Kreisebene sind Klimawandel und effektiver Klimaschutz das zentrale Thema. Direktkandidat Lars Nitschke sagte nach seiner Nominierung: „Unsere Themen haben das Potenzial, die Politik auf Bundesebene nachhaltig zu beeinflussen und endlich einen sozial-ökologischen Wandel einzuleiten.“

Wahlkreis Groß-Gerau: Die Kandidatinnen und Kandidaten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare