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Der Tatort: Am Marktplatz in Groß-Gerau wurde die junge Frau attackiert.

Groß-Gerau

Rassismus-Vorfall am Marktplatz in Groß-Gerau hat Folgen

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Nach einer rassistischen Attacke in Groß-Gerau ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Der Täter könnte ein Wohnungsloser sein.

Nachdem vor zwei Monaten eine 20-jährige Studentin aus Groß-Gerau auf dem Marktplatz ihrer Heimatstadt von einem Mann übel sexistisch beschimpft, rassistisch beleidigt und gedemütigt worden ist, ermittelt nun auch der Staatsschutz. Wie Sprecher der Polizei und der Darmstädter Staatsanwaltschaft auf Anfrage sagten, gibt es offenbar Hinweise, dass es sich bei dem Täter um eine Person aus dem Wohnsitzlosenmilieu handeln könnte.

Die Staatsanwaltschaft prüfe, ob über den Straftatbestand der Beleidigung hinaus auch ein rassistisches Motiv vorliege, sagte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, der Sprecher der Ermittlungsbehörde, am Freitag der Frankfurter Rundschau.

Die FR hatte am Dienstag einen Bericht (Der alltägliche Rassismus - und alle schauen weg) über die Studierende veröffentlicht, in dem sie schilderte, wie sie Mitte März an der Bushaltestelle des Groß-Gerauer Marktplatzes von einem Mann zunächst verbal angegangen worden war. Die 20-Jährige, die ein Kopftuch trägt und in Groß-Gerau aufgewachsen ist, musste auch üble rassistische Bemerkungen wie „Du Scheiß-Flüchtling“ über sich ergehen lassen.

Tatort Marktplatz in Groß-Gerau: Auch der Busfahrer hilft nicht

Beim Einsteigen in den Bus wurde sie dann von dem Mann festgehalten und mit einem alkoholischen Getränk übergossen. Nur das Eingreifen der Begleiterin des Mannes habe Schlimmeres verhindert, berichtete die junge Frau, die später Anzeige erstattete.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Andrea Löb ereignete sich der Vorfall vor zwei Monaten am Montag, 16. März, um 14.35 Uhr. Von anderen Menschen oder dem Busfahrer wurde die Studentin nach eigenen Angaben im Stich gelassen.

„Dass es so etwas in Groß-Gerau gibt, stimmt uns traurig und empört uns“, teilte nun Christiane Böhm, die Landtagsabgeordnete der Linken, mit. Und Marcel Baymus, der Vorsitzende des Groß-Gerauer Kreisverbands der Linken, äußerte: „Wir können nur alle Betroffenen ermutigen, an die Öffentlichkeit zu gehen, damit rassistische Vorfälle bekannt werden.“ Eine öffentliche Diskussion sei neben der strafrechtlichen Verfolgung „notwendig, damit es eine Auseinandersetzung gibt, dass man andere Menschen weder wegen ihrer Herkunft, noch ihres Aussehens, ihres Geschlechts, einer Beeinträchtigung oder sexuellen Orientierung diskriminieren und beleidigen darf“, so Baymus.

Netzwerk gegen Rassismus im Kreis Groß-Gerau

Die beiden Politiker der Linken weisen in diesem Zusammenhang auch auf das Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Rassismus des Kreises Groß-Gerau hin. Dort könnten sich Betroffene hinwenden und Unterstützung bei solchen Vorfällen erhalten.

Außerdem würden die Vorfälle, die über die Internetadresse www.kreisgg.de/vorfall gemeldet werden könnten, dokumentiert.

Die 20-Jährige hatte sich, wie berichtet, auch mit einem langen Brief an den Groß-Gerauer Bürgermeister Erhard Walther (CDU) gewandt und darin den Wunsch geäußert, das Übel Rassismus bei der Wurzel zu packen. Stadtsprecherin Cornelia Benz äußerte nun, es sei bedauerlich, dass der jungen Frau nicht geholfen worden sei. Mit der Einrichtung des Sozial- und Integrationsbüros im Rathaus und der Plakataktion Aktion „Groß-Gerau zeigt Gesicht“ engagiere sich die Kreisstadt bereits seit mehreren Jahren gegen Rassismus. Dass Bürgermeister Walther bislang nicht auf das Schreiben der Frau reagiert habe, erklärte Benz damit, dass nur eine E-Mail von ihr vorliege, in der sie den erlebten Vorfall beschreibe und auf den vielerorts zu erlebenden Alltagsrassismus hinweise. Aus der E-Mail sei nicht abzuleiten gewesen, dass sie eine Antwort der Stadt erwarte. Inzwischen sei der Vorfall auch dem Kreis gemeldet worden, sagte Benz.

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