Groß-Gerau

Potenzial für Wohnraum ist da

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Die Baugenossenschaft Ried plant 450 neue Wohnungen im Kreis Groß-Gerau. Das Land berät Kommunen bei der Suche nach Bauplätzen.

Groß-Gerau ist der am schnellsten wachsende Kreis in Hessen und rangiert nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes mit einem Plus von 1,2 Prozent direkt hinter der Stadt Offenbach (plus 1,6 Prozent). Das sind 3123 Einwohner mehr im Kreis Groß-Gerau als im Vorjahr. Dadurch erhöht sich auch die Wohnungsnot.

Die Kreisverwaltung hat jetzt ermittelt, was in den Kommunen an bezahlbarem Wohnraum realisierbar sei. Das Fazit: „Wir könnten es schaffen, in den nächsten acht Jahren fast sechstausend Wohneinheiten zu errichten“, so Landrat Thomas Will (SPD). Jetzt gehe es darum, diese Möglichkeiten gemeinsam mit Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften oder anderen Anbietern umzusetzen.

Ziel ist es, in jedem Jahr 600 bis 800 Wohneinheiten im Kreis zu schaffen. Eine der Gesellschaften, die längst an der Umsetzung arbeitet, ist die Baugenossenschaft Ried mit Sitz in Groß-Gerau. Sie will bis 2023 insgesamt 450 Wohnungen bauen. Die Hälfte davon sollen geförderte Wohnungen sein, sagte Vorstand Jürgen Unger beim Jahrespressegespräch. Allein 135 neue Wohnungen sollen in Biebesheim gebaut werden, 125 in Groß-Gerau und 70 in Bischofsheim. Insgesamt wolle man 70 Millionen Euro investieren.

Rund 20 000 Wohnungen müssten laut dem Darmstädter Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) bis 2040 pro Jahr in Hessen gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Macht eine halbe Millionen neue Wohnungen, für die es aber nicht genügend Bauland gibt. Deshalb hat das Land vor zwei Jahren die Bauland-Offensive Hessen als Tochter der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt gegründet. Sie unterstützt Kommunen dabei, Flächen zu finden und vermarktungsreif zu machen.

Bereits 86 Anfragen – ein Potenzial für rund 12 700 Wohnungen – habe man bearbeitet, teilte die Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mit Sitz in Frankfurt jetzt mit. Allerdings sei das Angebot bei vielen Kommunen noch nicht bekannt.

Auch das bundesweit einmalige Projekt „Vitamin B“ der Neuen Wohnraumhilfe, das vor einem Jahr in Kooperation mit dem Kreis gestartet ist, vermeldet erste Erfolge: „Insgesamt haben 70 Menschen ein neues Zuhause gefunden“, teilte Jana König, Bereichsleiterin Wohnraumversorgung mit. Die Initiative vermittelt Privatwohnungen vor allem an Wohnungslose und Geflüchtete.

Um dem Wohnraummangel wirklich beizukommen, müsse man „nachverdichten und mutig sein“, so Baugenossenschaftsvorstand Jens Kirschner. Ein Beispiel sei das geplante Theodor-Heuss-Carré in Bischofsheim: Dort werde ein Parkdeck zwischen den neuen Wohnhäusern angelegt, dessen Dach als Innenhof und Grünfläche fungieren soll.

Infos:bauland-offensive-hessen.de, www.dein-vitamin-b.de, www.bgried.de

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