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Kreis Groß-Gerau: Platz für Geflüchtete wird knapp

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Von: Claudia Kabel

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Im Treffpunkt Waldenserhof in Mörfelden-Walldorf engagieren sich Ehrenamtliche für Geflüchtete.
Im Treffpunkt Waldenserhof in Mörfelden-Walldorf engagieren sich Ehrenamtliche für Geflüchtete. © Peter Jülich

Der Bürgermeister von Mörfelden-Walldorf schlägt Alarm: Die Unterbringung von Geflüchteten wird immmer schwieriger. Auch von Privatleuten kommen immer weniger Angebote.

In Mörfelden-Walldorf und anderen Kommunen des Kreises Groß-Gerau ist die Unterbringungssituation geflüchteter Menschen angespannt. Bürgermeister Thomas Winkler (Grüne) und Erster Stadtrat Karsten Groß (CDU) schlagen jetzt Alarm: „Die Unterbringung und Betreuung stellt uns vor eine Herausforderung. Mittlerweile haben wir kaum noch Unterbringungskapazitäten und bei der Betreuung kommen wir nur begrenzt hinterher.“

Auch wenn zwar weniger Geflüchtete aus der Ukraine kommen als zu Beginn des Krieges, sei die Situation nach wie vor äußerst angespannt, denn zuletzt bekam Mörfelden-Walldorf insbesondere Menschen aus Syrien, Afghanistan und der Türkei zugewiesen. Die Stadtverwaltung sei darauf eingestellt, wöchentlich bis zu 20 weitere Geflüchtete aufzunehmen.

Deutlich mehr Geflüchtete als 2015 und 2016 in Mörfelden-Walldorf

Bis Ende 2022 seien 670 Geflüchtete nach Mörfelden-Walldorf gekommen – deutlich mehr als 2015 und 2016. Etwa zwei Drittel stammten aus der Ukraine, rund 90 Menschen seien zwischenzeitlich in ihr Heimatland zurückgekehrt, schreiben Winkler und Groß in einer Mitteilung.

Der Kreis habe unter anderem Hotels angemietet. Und wenn es eine freie Unterkunft gebe, dann sei diese schnell belegt. Notdürftig habe man die Kommunale Galerie in der Stadthalle mit Betten ausgestattet. In anderen Wohnungen müssten die Geflüchteten zusammenrücken, weil es an ausreichend Unterkünften fehle. „Zu Beginn des Krieges nahmen viele Bürger:innen Menschen aus der Ukraine bei sich zu Hause auf“, so Groß. Doch das sei keine Situation für viele Monate. Man habe auch schon Umzüge aus privaten Wohnungen in andere Unterkünfte organisiert.

Kreis Groß-Gerau: „Unterbringungssituation überall angespannt“

„Die Unterbringungssituation im Kreis ist überall angespannt“, ließ die Kreis-Sprecher Volker Trunk auf Anfrage wissen. Zum 31. Dezember seien 3677 Menschen in vom Kreis angemieteten Unterkünften untergebracht. Die Mehrheit (1269) kommt aus der Ukraine, gefolgt von Afghanistan (726).

Geflüchtete würden derzeit kaum noch privat, im eigenen Haushalt aufgenommen, so Trunk. Es würden aber weiterhin Wohnungen zu Anmietung angeboten. „Hier besteht auch weiterhin Bedarf und dem Kreis können gerne Wohnungen zur Anmietung angeboten werden.“

Helfen

Die Stadt Mörfelden-Walldorf ruft zu Spenden für die Ukraine auf. Die Kontoverbindung von Unicef lautet: IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00, BIC: BFSWDE33XXX, Spendenzweck „Ukraine Nothilfe“. Spenden an die „Aktion Deutschland Hilft“ gehen unter dem Stichwort „Nothilfe Ukraine“ auf Konto IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 und BIC: BFSWDE33XXX.

Infos für Helfer:innen im Waldenserhof gibt es auf der Internetseite www.moerfelden-walldorf.de Stichwort Leben/Waldenserhof Infos.

Der Kreis Groß-Gerau bittet um Meldung privater Mietwohnungen für Geflüchtete unter Telefon 06152/989638. Ein Online-Formular dafür gibt es unter unter www.kreisgg.de Rubrik Soziales/Solidarität mit der Ukraine.

Zum 31. Dezember waren im Kreis Groß-Gerau 3677 Geflüchtete untergebracht. Sie kamen aus der Ukraine (1269), Afghanistan (726), der Türkei (375), Syrien (331), Pakistan (178), dem Irak (142), Somalia (109), Äthiopien (80), dem Iran (60), Eritrea (48) sowie 359 aus weiteren Ländern. cka

Kreis Groß-Gerau mietet Zimmer in Hotel an

Zuletzt konnte der Kreis weitere 60 Plätze in einem Hotel anmieten – doch wie es weitergeht, wenn alle Plätze belegt sind, ist offen, so Winkler und Groß. Mörfelden-Walldorf richte sich darauf ein, auch im neuen Jahr schnelle und kreative Lösungen zu finden.

In welcher Stadt oder Gemeinde Asylbewerber:innen aufgenommen werden, hängt von der Kapazität der Bundesländer und Kommunen ab. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt verwaltet die Zuweisung in die Landkreise und kreisfreien Städte.

Mörfelden-Walldorf: Unterbringung von Geflüchteten „ein echter Kraftakt“

Das Landratsamt erhält nach eigenen Angaben wöchentlich eine Liste des RP mit neu zugewiesenen Geflüchteten, die innerhalb von sechs Tagen von der Erstaufnahmeeinrichtung in den Landkreis kommen. Sozialarbeiter:innen helfen laut Kreis dabei, sie in die zugewiesene Kommunen zu bringen.

„Ein echter Kraftakt“ ist, so Winkler, auch die Betreuung der zahlreichen Geflüchteten. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Sozialberatung sowie des Integrationsbüros unterstützten diese zum Beispiel bei Behördengängen. Ehrenamtliche bieten Sprachkurse an oder sammeln und verteilen Spenden. Ein Anlaufpunkt sei der Treffpunkt Waldenserhof, so Integrationsdezernent Achim Sibeth (Grüne).

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