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Bis das Wasser von der Oberfläche ins Grundwasser fließt, dauert es mehrere Monate.
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Das Grundwasservorkommen im Ried ist in Gefahr: Bis das Wasser von der Oberfläche ins Grundwasser fließt, dauert es mehrere Monate.

Groß-Gerau

Groß-Gerau: Größtes Grundwasservorkommen in Hessen in Gefahr

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Das hessische Ried ist das größte Grundwasservorkommen Hessens. Die Grünen im Kreis Groß-Gerau warnen: Kipppunkte könnten das Ökosystem aus den Fugen geraten lassen.

  • Ried: Der größte Grundwasserspeicher Hessens könnte gefährdet sein.
  • Der Grund ist die Gefährdung von Mikroorganismen, Würmern und Krebsen, die für die Regeneration des Grundwassers verantwortlich sind.
  • Die Situation um das Grundwasser wird auch zum Thema bei den Kommunalwahlen

Ried - Das Trinkwasser von mehr als zwei Millionen Menschen in der Rhein-Main-Region kommt aus dem hessischen Ried. Um den Grundwasserpegel trotz Dürresommern und steigendem Bedarf auf gleichem Niveau zu halten, speist der Wasserverband Hessisches Ried seit 30 Jahren aufbereitetes Rheinwasser über Versickerungsanlagen ein.

Doch jetzt schlagen die Grünen im Kreis Groß-Gerau Alarm: Der Grundwasserspeicher des hessischen Rieds, der der größte Hessens ist, könnte in Gefahr sein. Grund sind sogenannte Kippelemente, bei denen ein Ökosystem – wie auch der Grundwasserkörper eines ist – aus den Fugen gerät, sobald ein gewisser Punkt überschritten ist.

Grundwasser in Gefahr: Würmer und Krebse können Wasser nicht mehr reinigen

So seien beispielsweise Mikroorganismen und Kleinstlebewesen wie Würmer oder Krebse, die in den tiefen Erdschichten leben und für die Regenerierung des Grundwassers wichtig seien, gefährdet, sagt Karen Lischka. Sie führt die Kandidatenliste zur Kreistagswahl an. Kreisfraktionsvorsitzender Franz Urhahn gibt zu bedenken, dass das Rheinwasser, das in Leitungen zu den Vesickerungsgräben gepumpt wird, wärmer sei als das Grundwasser. „Bei einer höheren Entnahme müsste man das Rheinwasser kühlen.“

Die beiden Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl informierten kürzlich darüber, dass die Grünen im Kreis Groß-Gerau den Schutz des Grundwassers voranbringen wollen. Sie fordern deshalb eine stärkere Trennung von Trink- und Brauchwasser und stützen sich dabei auf Arbeiten des Frankfurter Umweltforschers Thomas Kluge. Dieser sieht die natürliche Neubildung des Grundwassers durch Schadstoffe, erhöhte Entnahme, veränderte Temperaturverteilungen und Verdunstung gefährdet.

Mehr Grundwasser kann derzeit nicht entnommen werden

„Eine Steigerung der gegenwärtigen Grundwasserentnahme erscheint vor diesem Hintergrund nicht möglich“, schreibt Kluge in der Fachzeitschrift gwf-Wasser|Abwasser. Analysen legten nahe, dass vermehrt auf Grundwasservorhaltung zu achten sei als Ausgleichspuffer gegenüber den zu erwartenden, geringeren Grundwasserneubildungsraten.

Dass der Grundwasserpegel sinkt und immer mehr Rheinwasser infiltriert werden muss, bestätigt auch der Wasserverband. „Man sieht deutlich den Anstieg“, sagt Karina Klock-Geßner, stellvertretende Pressesprecherin des Wasserversorgers Hessenwasser, der für den Wasserverband geschäftsführend tätig ist. Dabei bilde sich der Grundwasserspiegel im Winterhalbjahr. In diesem Jahr sei es jedoch auch im November zu trocken gewesen. „Wir brauchen einen nassen Januar, um auf das Niveau des Vorjahres zu kommen“, so Klock-Geßner. Die Trinkwasserversorgung sei jedoch durch die Versickerung gesichert, weil man damit den Pegel stabil halte.

Um den Grundwasserpegel zu halten, lässt der Wasserverband Hessisches Ried aufbereitetes Rheinwasser versickern.

Rein rechnerisch besteht jeder Kubikmeter Trinkwasser zu mindestens 50 Prozent aus infiltriertem Brauchwasser. Bis Jahresende 2019 wurden rund 33,8 Millionen Kubikmeter aufbereitetes Oberflächenwasser infiltriert – acht Millionen Kubikmeter mehr als der bisherige Maximalwert von 25,8 Millionen Kubikmetern 2017.

14 Infiltrationsanlagen gibt es derzeit im Ried. Zwei dieser Sickerschlitzgräben bei Eschollbrücken werden im Januar neu gebaut. Sie sollen die Trinkwasserversorgung für Darmstadt und Umgebung sichern. (cka)

Grundwasser aus dem Ried wird bis in den Rheingau geliefert

Doch laut Urhahn „kann sich der Grundwasserkörper trotz Infiltration nicht mehr regenerieren, wenn er zu sehr gestresst ist“. Um das Grundwasser zu schützen, haben sich die Grünen mehrere Ziele gesteckt: Sie wollen nicht nur darauf hinwirken, dass die Kommunen in ihren Bausatzungen vermehrt Brauchwassersysteme vorschreiben, sondern auch darauf, dass auf Landesebene die hessische Wasserleitlinie endlich angewandt werde. Darin sei unter anderem festgeschrieben, dass die Wasserversorgung lokal zu erfolgen habe. Derzeit werde aber Wasser aus dem Ried bis weit in den Rheingau geliefert. Außerdem soll die Wasserwirtschaft transparenter werden und der Kreis Groß-Gerau, der ja auf dem Grundwasser „sitze“, müsse mehr an den Entscheidungsprozessen als auch am Gewinn aus dem Wasserverkauf beteiligt werden.

Zudem sollten laut Urhahn und Lischka die Kipppunkte, die das Grundwasser betreffen, besser erforscht und das Rheinwasser stärker auf Schadstoffe kontrolliert werden. Beide sind überzeugt:„Die Veränderungen müssen jetzt eingeleitet werden.“ (Von Claudia Kabel)

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