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Kalte Duschen und dunkle Straßen: Angst vor Gasnotlage im Rhein-Main-Gebiet

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Von: Claudia Kabel

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In Rüsselsheim erinnern Plakate an Energiesparen.
In Rüsselsheim erinnern Plakate an Energiesparen. © Stadt Rüsselsheim

Stadt Darmstadt, Kreis Groß-Gerau und Landkreis Darmstadt-Dieburg drosseln ihren Verbrauch. Denkmäler bleiben unbeleuchtet, Verwaltungen schließen zeitweise.

Die Stadtwerke Rüsselsheim appellieren an die Öffentlichkeit: „Zur Vorbeugung vor einem Gasmangel müssen wir 20 Prozent weniger Gas verbrauchen, selbst wenn es ein milder Winter wird und andere Faktoren erfüllt sind, also die Gasspeicher voll sind und ausreichend flüssiges Erdgas geliefert wird“, sagt Hans-Peter Scheerer. Damit auch sein Unternehmen das Sparziel erreicht, wird jetzt das Verwaltungsgebäude in der Walter-Flex-Straße 74 freitags nicht mehr auf Arbeitsplatz-Temperatur geheizt und das Kundenzentrum geschlossen. Die Mitarbeitenden könnten zu Hause arbeiten oder in einem der anderen Gebäude, Kundinnen und Kunden sollen auf die Mobilitätszentrale im Bahnhof ausweichen. Man wolle testen, wie viel Gas man damit einsparen könne, heißt es in einer Mitteilung. Der Spar-Freitag soll eventuell fortgesetzt werden.

„Wir duschen kürzer“

Rüsselsheim hat bereits vor Wochen eine Infokampagne gemeinsam mit den Stadtwerken und dem größten Vermieter, der Gewobau, gestartet. „Wir duschen kühler“, „Wir duschen kürzer“, „Wir drehen runter“ – gepaart mit einem „Mach’ mit!“ sind die Botschaften auf 150 Plakaten verteilt über das Stadtgebiet. „Nur wenn alle die aktuelle Situation ernst nehmen, können wir uns gegen einen Gasmangel im Winter stemmen“, sagt Stadtrat Nils Kraft (SPD). Banner im Stadtgebiet sollen folgen. „Wir wollen das Thema in den Köpfen der Bevölkerung verankern“, so Kraft.

In Mörfelden-Walldorf bereitet man sich auf eine Gasnotlage vor. Das teilte Bürgermeister Thomas Winkler (Grüne) mit. Auch hier das Ziel: 15 bis 20 Prozent Energie einsparen. Einen großen Hebel mache die Temperatur in den Verwaltungsgebäuden aus – sie soll maximal 19 Grad betragen, was der vom Bund angepassten Arbeitsstättenverordnung entspreche.

Als Faustformel gilt, dass pro Grad Celsius, um den die Temperatur vom sonst üblichen Wert abgesenkt wird, sechs Prozent Heizenergie eingespart werden können. Einschränkungen sind in Mörfelden-Walldorf auch für städtische Turnhallen und deren Warmwasserbereitung, Büchereien, Heimatmuseum und Musikschule vorgesehen. Das Waldschwimmbad wurde bereits seit Juni nicht mehr mit Gas beheizt.

Energie sparen

Tipps zu Einsparmöglichkeiten gibt es unter: ruesselsheim-spart-energie.de

oder unter https://klima.kreisgg.de

Die Landes Energie Agentur Hessen (LEA) hat eine kostenfreie Energiespar-Hotline eingerichtet, bei der Bürger:innen, Kommunen und Unternehmen Rat zur Vorbereitung auf den Winter und die Heizperiode einholen können: Telefon 0611/950 178 989 montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr. cka

Für einen echten Krisenfall werden ein Bürgertelefon und ein spezieller Verwaltungsstab vorbereitet, so Bürgermeister Winkler. Er hoffe aber, dass dies nicht nötig werde. Es komme jetzt auf jeden von uns an, so sparsam wie möglich mit Energie umzugehen. Nicht nur Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf, sondern der gesamte Kreis Groß-Gerau sowie die Stadt Darmstadt und der Landkreis Darmstadt-Dieburg haben bereits vor Wochen ähnliche Maßnahmen beschlossen, um ein Fünftel der Energie einzusparen.

In Darmstadt wurde dafür die Taskforce Kommunale Energieversorgung gegründet, die anhand der Vorgaben des Hessischen Städtetags einen ganzen Katalog mit Vorhaben aufgestellt hat. Das Gremium trifft sich regelmäßig, um weitere Einsparpotenziale zu finden. Angeordnet ist bisher die Temperaturabsenkungen in öffentlichen Gebäuden auf maximal 19 Grad, in Kitas auf 20 bis 22 Grad je nach Alter sowie die Absenkung bei den Hallenbäder um 1,5 bis 2,5 Grad. Abgeschaltet wird die Warmwasserversorgung in Verwaltung und Sporthallen, die nächtliche Beleuchtung an 30 öffentlichen Gebäuden und Denkmälern, etwa Hochzeitsturm oder Ludwigsmonument, sowie die Straßenbeleuchtung in den unbebauten Bereichen der Bundesstraßen 26 (Rheinstraße, Hanauer Straße) und 3 (Karlsruher Straße). Außerdem werde die komplette Verwaltung – bis auf einen Notbetrieb – zwischen den Jahren geschlossen, teilte die Stadt unlängst mit.

Erste Einsparerfolge von 20 bis 30 Prozent zeigen sich in Darmstadt bei den Bädern. Auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg wurde unter anderem die Warmwasserbereitung in den 54 Sporthallen abgeschaltet, womit zwischen 60 000 und 100 000 Kilowattstunden Heizenergie monatlich eingespart werden sollen.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) rief zudem Privathaushalte auf, ebenfalls zu sparen. Nur gemeinsam könne sich eine Verschärfung der Versorgungssituation abwenden lassen.

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