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Alles andere als eine Schönheit: Die Knoblauchkröte.

Groß-Gerau Kühkopf

Ein gutes Jahr für Unken

Das Hochwasser am Kühkopf sorgte für ideale Lebensbedingungen. Die Knoblauchkröte, die wegen ihrer verborgenen Lebensweise oft übersehen wird, hat den regenreichen Sommer besonders genossen.

Das Jahr 2013 war, auch wegen des Rheinhochwassers im Juni, ein gutes Jahr für Unken. Eine, die oft übersehen wird, ist die Knoblauchkröte. Brauner Krötenfrosch oder Landunke, Wasserkröte oder Marmorierte Protze – die Namen, die der Volksmund für die Knoblauchkröte hat, sind wahrlich nicht schmeichelhaft. Nun ja, Pelobates fiscus – wie das Tier auf lateinisch-biologisch heißt – ist auch alles andere als eine Schönheit.

Dabei hat die sechs bis acht Zentimeter lange Schaufelfußkröte, die trotz ihrer verborgenen Lebensweise auch im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue vorkommt, einige spezielle Merkmale: Beispielsweise kann sie sich mit den scharfkantigen, verhornten Auswüchsen an ihren Fußsohlen sehr schnell in den Boden eingraben, wo sie den Tag verbringt. Ein weiteres markantes Merkmal sind die senkrecht schlitzförmigen Pupillen (Katzenaugen).

Der Knoblauchgeruch, der den Kröten nachgesagt wird, ist nur bei einer starken Schreckreaktion wahrnehmbar. Das abgegebene Sekret dient der Feindabwehr.

Laut Kühkopf-Förster Ralph Baumgärtel gibt es Knoblauchkröten „überall auf dem Kühkopf, allerdings lassen sie sich nur selten sehen“. Sie bevorzugten Landschaften mit lockeren, sandigen bis sandig-lehmigen Oberböden. Von der Landwirtschaft und deren Tendenz zu größeren Anbauflächen haben Knoblauchkröten in mancher Hinsicht profitiert. Je mehr offene, bearbeitete Bodenflächen mit lockerer Körnung vorliegen, desto häufiger wandern die Tiere dort ein.

Im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue sind die Unken laut Baumgärtel am ehesten an Uferwällen, auf kiesigen Böden, im Garten in alten Mauselöchern oder auf landwirtschaftlichen Flächen mit Druckwasser zu finden.

Solche temporären Gewässer, wie sie beispielsweise nach dem jüngsten Hochwasser für längere Zeit bestanden, sind den Kröten der liebste Laichgrund. „Im vergangenen Juni waren die Bedingungen für sie optimal: Es gab viele der kleinen Tümpel ziemlich lange, und es war warm“, sagt Baumgärtel. „Sie haben sich schnell entwickelt. Die Larven waren teils größer als die Kröten.“

In Trebur hat man im August deutlich gemerkt, wie gut sich die Unken entwickelt hatten. Es gab so viele, dass – auf dem Weg vom Laichgewässer ins Herbst- und Winterquartier – Jungtiere zu Hunderten aus Zisternen, Kellern, ja sogar Wohnräumen eingesammelt wurden. Baumgärtel erläutert, dass Knoblauchkröten älter als zehn Jahre werden können, deshalb reiche eine anhaltende Feuchtphase alle acht bis zehn Jahre aus, um den Bestand zu sichern.

Zur Überwinterung graben sich Knoblauchkröten bis zu einem Meter tief in den Boden ein. „In meinem Garten sitzen sie in den alten Mauselöchern“, berichtet der Förster. Weshalb er bei der Gartenarbeit immer Vorsicht walten lasse.

Spätestens Ende März werden die Knoblauchkröten in frostfreien, regnerischen Nächten erneut auf Wanderschaft gehen, diesmal hin zum Laichgrund. Die Paarungsrufe der Männchen sind, weil sie keine Schallblasen haben, sehr leise.

Dadurch sind sie für den Beobachter nur aus nächster Nähe hörbar. Aus dem Laich, der in dicken Gallertschnüren spiralig um senkrechte Pflanzenstängel gewickelt wird, schlüpfen nach vier bis zehn Tagen Embryonalentwicklung die Kaulquappen.

Knoblauchkröten jagen übrigens nachts – vorwiegend Käfer, Feldgrillen, Heuschrecken und glatte Raupen, aber auch Asseln, Schnecken und Regenwürmer. Sie selbst gehören zum Beutespektrum mehrerer Vogel- und Säugerarten. Wichtigste Fressfeinde sind Eulen. use

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