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Groß-Gerau: Stele für den Retter der Kinder von Buchenwald

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Von: Claudia Kabel

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Landrat Thomas Will (links) und Groß-Geraus Bürgermeister Erhard Walther enthüllten die neue Gedenktafel am Grab Wilhelm Hammanns.
Landrat Thomas Will (links) und Groß-Geraus Bürgermeister Erhard Walther enthüllten die neue Gedenktafel am Grab Wilhelm Hammanns. © Kreisverwaltung

Fast sieben Jahrzehnte hat es gedauert, bis der Widerstandskämpfer Wilhelm Hammann auch im Kreis Groß-Gerau die Würdigung erfährt, die ihm gebührt. Eine Erinnerungstafel wurde jetzt aufgestellt.

An Wilhelm Hammann (1897-1955) – KPD-Politiker, Lehrer und erster Landrat des Kreises Groß-Gerau nach dem Krieg – erinnert seit vergangenem Wochenende eine Gedenktafel, die an seinem Grab auf dem Groß-Gerauer Friedhof aufgestellt worden ist.

Landrat Thomas Will (SPD) und Bürgermeister Erhard Walther (CDU) enthüllten die Stele mit der Tafel. Sie beschreibt die besondere Leistung des Biebesheimers, der als Kommunist von den Nazis verfolgt wurde und im KZ Buchenwald interniert war. Dort rettete er 159 jüdischen Kindern das Leben, indem er sie vor der Deportation bewahrte. Dafür wurde er 1984 vom Staat Israel als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Als Landrat war er nach dem Krieg nur wenige Monate im Amt. Er geriet mit den amerikanischen Besatzungskräften aneinander. 1955 kam er unter rätselhaften Umständen bei einem Zusammenstoß mit einem US-Panzer ums Leben.

Sein außergewöhnliches Wirken wurde lange Zeit nicht besonders gewürdigt. Eingesetzt hatte sich dafür der Förderverein jüdische Geschichte und Kultur, die Gewerkschaften, Linke und DKP sowie der Freundeskreis Wilhelm Hammann. Die Stadt Groß-Gerau übernahm 2020 dauerhaft die Grabpflege.

Um sein Grab, das zeitweise verwahrlost war, gab nach 2020 Streit: Eine nicht angemeldete Veranstaltung zum 65. Todestag, zu der rund 30 Menschen kamen, wurde zum Politikum. Unklar war, ob es sich um ein Missverständnis handelte oder um die Herabwürdigung eines besonderen Menschen nur weil er der Kommunistischen Partei Deutschlands angehörte.

Groß-Gerau: Streit um Grab eines Nazi-Widerstandskämpfers entbrannt

Zum Weiterlesen: Wilhelm Hammann, der erste Landrat nach dem Krieg im Kreis Groß-Gerau, wurde vor 125 Jahren geboren. Er überlebte das KZ und starb später unter dubiosen Umständen.

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