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Der Corona Drive-in an der Klinik Groß-Gerau hat sich bewährt und soll ausgebaut werden.

Groß-Gerau

Insolvenzverfahren trotz Pandemie durchgestanden

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Personalabbau in Zeiten der Corona-Krise: Die Kreisklinik Groß-Gerau treibt den Umbau zum Intersektoralen Gesundheitszentrum voran.

Während des Lockdowns war die Kreisklinik Groß-Gerau Corona-Schwerpunktklinik und sorgte mit der Einrichtung eines der ersten Test-Drive-ins für Schlagzeilen. Das zeigt, dass die Pandemie auch kreativ macht. Denn laut Klinikgeschäftsführerin Erika Raab entstand das Corona-Testzentrum, zu dem man mit dem Auto fährt, aus Ressourcenknappheit. Ebenso habe man Verwaltungsangestellte zur Bettendesinfektion umgeschult.

Dabei hatte das Krankenhaus nicht nur mit der Pandemie zu kämpfen. Gleichzeitig durchlief es auch ein Insolvenzverfahren, bei dem 107 von 356 Vollzeitstellen abgebaut und die Betten von 220 auf 136 reduziert werden sollten. Zudem wurde „alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann“, so Raab. Jetzt ist das Insolvenzverfahren nach acht Monaten beendet, wie Raab und Landrat Thomas Will (SPD) am Montag mitteilten. Die Gläubigerversammlung habe dem Verzicht auf einen Teil der Forderungen in Millionenhöhe zugestimmt, sagte die vom Gericht bestellte Sachwalterin Sylvia Rhein. Zudem erneuerte der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung die 2011 erteilte Bürgschaft über 15 Millionen Euro für das Krankenhaus.

Vorreiter

Das Warten im Auto am Corona-Drive-in hat sich bewährt, sagt Klinikgeschäftsführerin Erika Raab. Jetzt soll es zum „All-in-One“-Zentrum erweitert werden. Gespräche über den Standort laufen. Hier sollen künftig alle Verdachtsfälle getestet werden, um die Arztpraxen zu entlasten. Unabhängig davon läuft der Umbau der Klinik zum Intersektoralen Gesundheitszentrum. Im Rahmen des Pilotprojekts soll die klassische Krankenhausstruktur aufgehoben und durch Pflegeintensitätsbereiche mit ärztlicher Betreuung ersetzt werden. cka

Als „Corona-Puffer“ wurden 28 Stellen weniger als geplant abgebaut, so Raab. Dies geschah in Absprache mit dem Kreis, der dafür zwei Millionen Euro Zuschuss zahlen müsse. Wenn Corona vorbei sei, würden die Betroffenen bei einem der Partner aus dem Pflegebereich weiter beschäftigt werden. Auch alle anderen Mitarbeitenden seien anderweitig untergekommen, „keiner wurde entlassen“, betonte Raab. Aktuell laufen Gespräche zwischen Klinikleitung und potenziellen Partnern zum Ausbau des Krankenhauses zur Modellklinik. Entstehen soll ein Intersektorales Versorgungszentrum, in dem nicht mehr nach Fallpauschalen, sondern nach Krankheit behandelt wird und ein Budget für die Grundversorgung der Patienten vorgesehen ist. „Der Patient soll nach seinen Bedürfnissen behandelt werden“, sagte Raab. Sie wünsche sich eine Versorgung aus einer Hand.

Damit beschreitet das Krankenhaus neue Wege. Anfangs habe man mit der Idee als Bittsteller dagestanden, so Raab. „Jetzt haben wir viele Investoren, die am Modell mitwirken möchten.“ Auch Bauinvestoren hätten sich gemeldet, und die Gläubiger hätten einem Ausbau des Klinikcampus zugestimmt. Ab nächstem Jahr dürfe man wieder investieren. Jetzt wolle man konsolidieren und alle Optionen prüfen. Immerhin sei die Klinik „einmal auf links gedreht“ worden, sagte Raab.

Landrat Will erwartet, dass der Kreis in der Übergangszeit weiterhin einen Zuschuss leisten muss. Dieser werde jedoch weit unter den zuletzt zehn Millionen Euro im Jahr liegen.

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