Der Tatort: An der Bushaltestelle am Marktplatz in Groß-Gerau wurde die junge Frau attackiert.
+
Der Tatort: An der Bushaltestelle am Marktplatz in Groß-Gerau wurde die junge Frau attackiert.

Hintergrund

Groß-Gerau: Gemeinsam gegen Rassismus

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen

Ein Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus wirbt nach dem rassistischen Vorfall an einer Bushaltestelle des Groß-Gerauer Marktplatzes für einen Vorfallmelder und will präventiv handeln.

Erschüttert und fassungslos haben in der vorigen Woche auch Vertreter des Groß-Gerauer Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus den FR-Bericht „Der alltägliche Rassismus - und alle schauen weg“ über eine 20-jährige Studentin zur Kenntnis genommen, die Mitte März am Marktplatz der Kreisstadt von einem Mann übel sexistisch beschimpft, rassistisch beleidigt und gedemütigt worden war.

Die Studierende, die Kopftuch trägt, hatte berichtet, sie sei von einem Mann als „Scheiß-Flüchtling“ tituliert worden, der ihr beim Einsteigen in einen Bus auch ein Getränk über den Kopf gekippt hatte. Nur eine Begleiterin des Mannes habe Schlimmeres verhindert, berichtete die junge Frau, die später Anzeige erstattete. Inzwischen ermittelt, wie berichtet, der Staatsschutz. Die Ermittler vermuten, dass es sich bei dem Täter um einen Wohnsitzlosen handeln könnte.

Vertreter des Groß-Gerauer Aktionsbündnisses, dem 43 Organisationen und zahlreiche Einzelpersonen angehören, riefen am Donnerstag auf einer Pressekonferenz dazu auf, ähnlich gelagerte Fälle über die Internetadresse www.kreisgg.de/vorfall zu melden. Dieser Vorfallmelder sei „ein niedrigschwelliges Angebot, um schnell und unkompliziert Kontakt mit der Fachstelle des kreisweiten Netzwerks gegen Rechtsextremismus und Rassismus aufnehmen zu können“, berichtete Nilüfer Kus von der zuständigen Fach- und Koordinierungsstelle in der Kreisverwaltung. Seit Oktober seien sechs Fälle und via E-Mail und Beratungsarbeit weitere 16 Fälle, darunter ein tätlicher Angriff sowie der Hinweis auf Aufkleber einer rechtsextremen Organisation, bekannt geworden.

Beim Kampf gegen Rassismus braucht es „einen langen Atem“

Der evangelische Pfarrer Wolfgang Prawitz, Sprecher des Aktionsbündnisses, sagte, wichtig sei, die Präventionsarbeit zu intensivieren. Dazu brauche es allerdings „einen langen Atem“. Landrat Thomas Will (SPD) äußerte, es sei „bestürzend, beschämend und empörend“, was die junge Frau in ihrer Heimatstadt habe erleben müssen.

Stadtsprecherin Cornelia Benz teilte der FR mit, Birgit Ruland, die Leiterin des Sozial- und Integrationsbüro der Stadt, habe inzwischen in einer Mail an die Studentin ihr Bedauern über den Vorfall zum Ausdruck gebracht. Vertreter der Stadt waren vom Evangelischen Dekanat zu der Pressekonferenz nicht eingeladen worden.

Kommentar: Gesicht zeigen in Groß-Gerau

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare