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Die Intensivstation steckt voller Technik.
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Die Intensivstation steckt voller Technik.

Kreis Groß-Gerau

Groß-Gerau: Corona-Patienten lehnten Behandlung auf Intensivstation ab

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Ohne Patientenverfügungen wären die Intensivstationen schnell am Ende gewesen, sagt die Geschäftsführerin der Kreisklinik Groß-Gerau. Nun wird der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung erhoben.

Die Warnungen, dass Intensivplätze in deutschen Krankenhäusern knapp werden könnten, war permanent präsent. Debatten über drohende Triage und die Bilder von beatmeten Menschen, die an Schläuchen im künstlichen Koma liegend gezeigt wurden, führten den Ernst der Pandemie deutlich vor Augen.

Groß-Gerau: Corona-Kranke entschieden sich gegen Intensivstation

Nun kam es nicht zum Kollaps, aber in der Debatte um die Lage auf den Intensivstationen geht ein Aspekt völlig unter, findet die Geschäftsführerin der Kreisklinik Groß-Gerau: „Wenn es keine Patientenverfügungen gegeben hätte, wären die Intensivstationen sehr schnell am Ende gewesen“, sagt Erika Raab der Frankfurter Rundschau am Dienstag.

Auch in der Kreisklinik kam es zu Fällen, wo Corona-Patientinnen und Patienten nicht intensivmedizinisch behandelt werden wollten und dies per Verfügung ablehnten.

Alte Patientenverfügungen waren nicht auf Corona ausgelegt

Diese Patientenverfügungen würden oft weit vor einer Behandlung getroffen, so Raab. „Ob eine Patientenverfügung besteht, wird im Zuge der Aufnahme abgefragt.“ Die meisten hätten aus dem Internet heruntergeladene Dokumente gehabt. Diese seien oft schon mehrere Jahre alt und nicht auf Corona ausgelegt gewesen. Man habe sie sich genau anschauen müssen, da Gerichte eine individuelle Willensbekundung forderten.

So habe man mit den Erkrankten klären müssen, ob sie sich bewusst seien, dass sie sterben könnten, so die Juristin. Schließlich gelte: Eine Patientenverfügung sei für Ärzte und Ärztinnen sowie für das Pflegepersonal bindend, der individuell geäußerte Patientenwille entscheidend für die Behandlung.

Groß-Gerau: Anonyme Anzeige gegen Chefin der Kreisklinik

Doch nun wurde aus anonymer Quelle eine Anzeige gegen Raab und weitere Beteiligte in der Kreisklinik bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt eingereicht, die der FR vorliegt. Der Vorwurf lautet unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge. Als Beweis wird ein Bericht des „Groß-Gerauer Echo“ zu Grunde gelegt, in dem sich die Klinikgeschäftsführerin zum Thema geäußert hatte.

In dem anonymen Schreiben heißt es zur Begründung: „Es ist davon auszugehen, dass ein Covid-19-kranker Patient mit Indikation zur Aufnahme auf eine Intensivstation (unter dann vorliegender Atemnot, Erstickungsgefühl, Stress und Sauerstoffunterversorgung des Gehirns sowie gegebenenfalls Sedativa-Gabe) nicht mehr zur freien Willensbildung und rechtswirksamen Ablehnung einer indizierten Intensivtherapie imstande ist.“

Kreisklinik versorgte schwere Corona-Fälle auf der Normalstation

Natürlich habe man mit den Personen darüber gesprochen, dass der Verzicht auf eine intensivmedizinische Behandlung nicht nötig sei, sagt Raab der FR. Bei denjenigen, die laut Verfügung nicht auf die Intensivstation wollten, habe man auf der Normalstation alles, was technisch möglich war, getan – auch eine Beatmung mit Sauerstoff. Auf diesem Wege sind laut Raab viele Menschenleben gerettet worden.

Zur Zahl der an Covid-19 Erkrankten, die eine intensivmedizinische Behandlung ablehnten, wollte sich die Klinikgeschäftsführung nicht äußern. Insgesamt verzeichnete die Kreisklinik zwischen Oktober und April 152 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Sars-Cov-2-Infektion. Die Mehrheit, 103 Personen, verstarben auf der Normalstation.

Staatsanwaltschaft Darmstadt prüft Anzeige gegen Klinikchefin

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt bestätigte der FR den Eingang der Anzeige. Man und prüfe aktuell, „ob der Anfangsverdacht einer Straftat gegeben ist und in Ermittlungen eingetreten wird“.

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