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Blick in einen Green Dome: Stefan Ruckelshaußen betreibt den Food & Energy Campus bei Wallerstädteten.
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Blick in einen Green Dome: Stefan Ruckelshaußen betreibt den Food & Energy Campus bei Wallerstädteten.

Groß-Gerau

Groß-Gerau: Bio-Landbau gepaart mit Energieerzeugung

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Könnte so die Landwirtschaft der Zukunft aussehen? Auf dem Food & Energy-Campus in Groß-Gerau wird der Bio-Landbau mit Energiegewinnung kombiniert.

Warm und feucht ist die Luft in dem neuen Pflanzencontainer, dem ersten, der vergangenen November auf dem Food & Energy-Campus in Groß-Gerau Wallerstädten in Betrieb genommen wurde. Auf einer Grundfläche von etwa 30 Quadratmetern wachsen Basilikum, Dill, Petersilie und Shiso während draußen ein kalter Januarwind weht. Auch Microgreens, also junge, essbare Keimpflanzen, werden hier angebaut. Die bekannteste unter ihnen dürfte die Kresse sein.

Weil die Pflanzen in mehreren Etagen wachsen, erhöht sich die Anbaufläche. Maximal 75 Quadratmeter könnte man herausholen, sagt Stefan Ruckelshaußen. Der ortsansässige Bio-Landwirt ist Geschäftsführer des von ihm und Mitstreitern 2016 gegründeten Unternehmens Food & Energy. Inzwischen ist 2020 die Schweizer Firma Mabewo (Make a better World) zu 90 Prozent eingestiegen und hat die Errichtung der sogenannten Green Domes finanziert. In diesen kuppelartigen Gebäuden werden Pflanzen mit Hilfe einer Kombination aus Vertical Farming, Photovoltaik, modernster LED-Beleuchtung und ressourcenschonendem Bewässerungssystem angebaut.

Am Standort in Groß-Gerau wird experimentiert

Die Vorteile sind laut Ruckelshaußen, dass dabei auf Chemie verzichtet werden kann, zudem könne überall auf der Welt angebaut werden, auch dort wo es klimatisch sonst nicht günstig sei. Zudem könnten durch den Anbau vor Ort Transportwege verkürzt werden. Außerdem werden 90 Prozent Wasser eingespart. Da die Pflanzen keinen Schadstoffen aus der Luft ausgesetzt sind, etwa Kerosin vom Flughafen oder Pflanzenschutzmitteln aus konventionellem Anbau, könnten auch Arzneipflanzen sehr gut in den Containern gezüchtet werden, so Ruckelshaußen.

Indoor-Farming

Vorteile von Green Domes gegenüber üblichen Gewächshäusern: Effektive Flächennutzung, ganzjähriger Betrieb, Temperatur und Licht konstant regelbar, kann auch nachts beleuchtet und an klimatisch ungünstigen Orten betrieben werden, durch Photovoltaik energetisch autark.

Beim Vertical Farming wächst Gemüse und Obst auf wenigen Quadratmetern, übereinander in mehreren Etagen.

Microgreens sind junge, essbare Keimpflanzen, die wegen ihrem hohen Nährstoffgehalt als Superfood beliebt sind.

Infos : food-and-energy.info oder www.mabewo.com cka

Ziel von Mabewo ist die Entwicklung innovativer Indoor-Farming-Lösungen. Deshalb passe der Food & Energy Campus gut dazu, sagt Ruckelshaußen. Hier werde Nahrungsproduktion und Energiegewinnung verknüpft. Der Standort im Rhein-Main-Gebiet sei ein Pilotstandort. „Wir testen und probieren vor Ort aus, was geht.“ Insgesamt sei der Campus in der Zusammensetzung der verschiedenen Komponenten „einzigartig in Deutschland.“ Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Anlagen entstehe ein Kreislauf.

Stefan Ruckelshaußen vor den Pflanzencontainern.

Bio-Gasanlage liefert Strom und Wärme

Die Green Domes sind noch nicht ganz fertig gestellt. Bis zum Sommer sollen sechs Wachstumscontainer in Betrieb sein und über eine eigene Photovoltaik-Anlage verfügen. Derzeit wird der Strom aus der ebenfalls von Ruckelshaußen betriebenen Bio-Gasanlage geliefert, die nebenan steht.

Die 2007 von der Stadt errichtete Biogas-Anlage liefert nicht nur grünen Strom für die Gewächshäuser und die Kommune, sondern mit ihrer Abwärme werden gleichzeitig die angebauten Kräuter in einer 2000 erbauten Trocknungsanlage getrocknet.

Pflanzenkohle zum Düngen

Neu am Campus ist auch die Anlage „Gärrest2Humus“. Dabei werden die Gärreste aus der Biogas-Anlage mithilfe einer digitalisierten Filtermethode in eine feste und eine flüssige Phase getrennt. Die feste Phase wird zu Pflanzenkohle verarbeitet, die als Dünger Verwendung findet und gleichzeitig CO2 im Boden bindet. Auch ein Hühnermobil will Ruckelshaußen ab Februar betreiben. Das Mobil steht bereits vor Ort. Die Laufkundschaft könne dann nicht nur Eier, sondern auch Kräuter und Microgreens einkaufen. Gerade seien die ersten Bestellungen von Microgreens eingegangen, sagt Ruckelshaußen. Obergärtner Thomas Bless erntete am Donnerstag erstmals für zwei Hofläden aus dem Kreis Groß-Gerau.

Als potenzielle Kunden hat man etwa Restaurants im Blick. Man wolle sie auch zu eher ungewöhnlichen Microgreens beraten – etwa könne Brokkoli geerntet werden bevor er eine Frucht entwickle. „Wir wollen zeigen welche Möglichkeiten wir bieten, die es im Großmarkt so nicht gibt“, sagt Ruckelshaußen. Auch ein Onlineshop sei geplant. Außerdem will der Food & Energy-Campus 2023 bei der Bundesgartenschau in Mannheim ausstellen.

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