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Wohnhäuser und Tanklager am Gernsheimer Hafen befinden sich in direkter Nachbarschaft.
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Wohnhäuser und Tanklager am Gernsheimer Hafen befinden sich in direkter Nachbarschaft.

Gernsheim

Gernsheim: Geplanter Tanklager-Ausbau sorgt weiter für Angst

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Die Bauaufsicht des Kreises Groß-Gerau hält die Erweiterung des Chemiekalienlagers der Firma Solvadis für unzulässig. Anwohnende würden eine Bedrohung für Leib und Leben sehen.

Die 15 Meter hohen Container mit den Chemikalien stehen direkt gegenüber der Wohnhäuser an der Mainzer Straße in Gernsheim. Seit Jahren plant die Firma Solvadis Distribution dort ihr Tanklager um fünf 22 Meter hohe Tanks à 2500 Kubikmeter auszubauen. Dagegen kämpft nicht nur die Initiative „Bürger in Acht!“. Auch die Stadt Gernsheim und der Kreis Groß-Gerau haben sich gegen das Projekt ausgesprochen und 2019 in einer Resolution das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt aufgefordert, keine Genehmigung zu erteilen.

Nun hat die Bauaufsicht des Kreises die Erweiterung für unzulässig erklärt. Insbesondere der Bebauungsplan stehe dem Vorhaben entgegen, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Im „Sondergebiet Hafen“ seien seit 1966 zwar „nicht erheblich belästigende Gewerbe- und Industriebetriebe zulässig“. Es dürften durch Bauvorhaben aber „keine erheblichen Nachteile oder Belästigungen entstehen“. Dies ist nach Ansicht der Behörde aber der Fall und die Gründe dafür sind zahlreich.

So nennt die Bauaufsicht unter anderem eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch psychologische Faktoren - etwa hätten Anwohnende angegeben, dass sie „eine Bedrohung für Leib und Leben sehen, dass das Bauvorhaben bei ihnen starke Ängste auslöst“. Durch das Bauvorhaben rücke das Industriegebiet noch näher an die Wohnbebauung heran, und die städtebaulichen Spannungen würden sich deutlich erhöhen, so die Behörde.

Dass solche Ängste nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen bisherige Vorfälle: 1994 schlug ein Blitz in einen Tank ein und entzündete das darin gelagerte Methanol. 2019 verlor ein im Tanklager befüllter Transporter eine leicht entzündliche und explosive Chemikalie. Laut Bauaufsicht wäre ein weiterer Störfall in einer größeren Anlage „in seinen Auswirkungen erheblich, wenngleich die Eintrittswahrscheinlichkeit eher gering ist.“

Ein weiterer Nachteil wäre laut Bauaufsicht eine Reduzierung der Immobilienwerte im Wohngebiet. Zudem sei das Vertrauen zwischen Betreiber und Anwohnenden gestört, da die Liste der zu lagernden Stoffe zurückgehalten worden sei. Auch eine Klage von Solvadis gegen Akteneinsicht aus der Bürgerschaft sorgte für Ärger.

Solvadis-Betriebsleiter Georg Lammers zeigte sich auf Anfrage der FR überrascht über die Veröffentlichung der Stellungnahme der Bauaufsicht, die nur ein Teil des gesamten Genehmigungsverfahrens sei. Man habe zu jeder Zeit die geforderten Informationen zu den gelagerten Stoffen an die entsprechenden Stellen wie RP oder Feuerwehr gemeldet. Man könne aus betrieblichen Sicherheitsgründen aber nicht alle Details ins Internet stellen. Lammers konkretisierte, dass zum Beispiel entgegen allgemeiner Annahmen „keine hochentzündlichen und sehr giftigen Stoffe“ gelagert würden, sondern „zum Beispiel Methanol, das nicht hochentzündlich ist und nur in der Nebengefahr sehr giftig“.

Mit der Einschätzung durch die Bauaufsicht ist keine endgültig Entscheidung gefallen. Das RP teilte mit, es prüfe derzeit noch die Genehmigung.

Gerald Kummer, Landtagsabgeordneter für den Mittel- und Südkreis Groß-Gerau, sagte der FR, er halte die Position der Bauaufsicht für richtungsweisend. Auch wenn das Unternehmen an Ort und Stelle Bestandsschutz genieße, sei die Erweiterung des Tanklagers „nach heutigem Recht unvorstellbar“.

Blick aus einem Wohnhaus in der Mainzer Straße in Gernsheim auf das Tanks der Firma Solvadis Distribution , in denen Chemiekalien gelagert werden.

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