Groß-Gerau

Gefährliche Schadstoffe im Grundwasser

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Grundstücksbesitzer lässt Gartenbrunnen untersuchen. BUND fordert Aufklärung.

Mehr als fünfeinhalb Jahre nach Beendigung der Sanierungsarbeiten am Standort des ehemaligen Fagro Press- und Stanzwerks am Nordrand von Groß-Gerau sorgen sich Bürger um ihre Gesundheit. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat der Eigentümer eines Grundstücks, das sich in der Nähe der Prälat-Diehl-Schule befindet, auf eigene Kosten das von ihm geförderte Brunnenwasser untersuchen lassen, weil er das Wasser zum Befüllen eines Kinderplanschbeckens nutzen wollte.

Ein Analyselabor hat in den Wasserproben nun eine erhöhte Konzentration von leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) nachgewiesen. Zwar seien die Werte „nicht dramatisch hoch“. Dennoch sollten Kinder und Schwangere nicht mit dem Wasser in Berührung kommen, rät der zuständige Chemiker laut dem Zeitungsbericht.

Cornelia Benz, die Sprecherin der Stadtverwaltung, sagte auf Anfrage der FR, eine mit weiteren Behörden abgestimmte Stellungnahme könne erst am heutigen Dienstag übermittelt werden. Das private Gutachten liege der Stadt nicht vor. Auch habe sich der Grundstücksbesitzer bislang nicht mit der Stadt in Verbindung gesetzt.

Bereits 2004 auf die Schadstoffproblematik hingewiesen

Volker Trunk, Sprecher der Kreisverwaltung, wies darauf hin, dass der frühere Landrat Enno Siehr (SPD) bereits im Jahr 2004 in einem Schreiben an die Stadt auf die Schadstoffproblematik hingewiesen habe. Daraufhin habe die Stadt mit einer öffentlichen Bekanntmachung reagiert, in der auf einen „Grundwasserschaden in der Stadt Groß-Gerau“ hingewiesen worden sei. In der Bekanntmachung stehe, „dass die Verwendung des Brunnenwassers als Trinkwasser zu vermeiden“ sei.

Zuständig für die Sanierung des Bodens und des Wassers war zuletzt der Bereich Altlastensanierung der HIM GmbH in Biebesheim. Zum letzten Mal wird das Sanierungsprojekt im Jahresbericht 2013 erwähnt. Darin wird erläutert, dass das Gelände mehr als 100 Jahre lang als Werksgelände durch metallverarbeitende Industrieunternehmen geprägt gewesen sei. Zuletzt habe zwischen 1982 und 2001 die Fagro Press- und Stanzwerke GmbH die Fabrikationshallen genutzt.

Als Hauptverursacher der Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers gilt laut dem HIM-Bericht eine Entfettungsanlage des Werks, die von 1966 bis 1980 betrieben worden sei. Zwar wurde die Firma Fagro zu Sanierungen verpflichtet. Das Unternehmen musste jedoch 2005 Insolvenz anmelden, so dass im Februar 2008 das Werk aus der Insolvenzmasse genommen und anschließend vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt an die HIM zur Projektabwicklung übertragen wurde. Im gesamten Stadtgebiet wurden daraufhin mehr als 40 Grundwasser-Messstellen eingerichtet, um den Schadstoffstrom dokumentieren zu können. Projektleiter Michael Woisnitza sagte der FR, etliche Grundstückseigentümer hätten sich seinerzeit jedoch beharrlich geweigert, dass auf ihren Grundstücken Messungen durchgeführt werden. Im Verlauf der mehr als zwanzigjährigen Sanierungstätigkeit konnten nach Angaben der HIM mehr als 440 Kilogramm LHKW aus dem Untergrund entfernt werden. Im Juni 2013 wies das RP dann die HIM an, die Anlagen stillzulegen und „den Rückbau der Sanierungsinfrastruktur zu veranlassen“.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Hessen hat indes die Behörden aufgefordert, über die Gesundheitsgefahr durch die Nutzung des Grundwassers aufzuklären. Der BUND fordert, auch das Wasser der privaten Brunnen zu untersuchen und vorsorglich Nutzungsverbote für den Gebrauch als Bade- oder Spielwasser und zum Gießen von Gemüse, Obst und Kräutern anzuordnen.

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