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Der Weg des Biblis-Schrotts

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Von: Annette Schlegl

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Der Betreiber des Kernkraftwerks Biblis hat die Freimessung der Abfälle erklärt. Der Hintergrund: Ein Teil des Bauschutts soll auf die Deponie Büttelborn kommen.

Es geht um Bauschutt. Jedoch um ganz speziellen: um Abraum aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Biblis. Um es noch genauer zu sagen: um Betonteile, Ziegel, Fliesen und Keramik, die noch eine Radioaktivität von bis zu zehn Mikrosievert aufweisen. Diese Strahlendosis ist laut Biblis-Betreiberin RWE so gering, dass der Abfall nicht mehr als Atommüll gilt und deshalb wie gewöhnlicher Bauschutt auf Deponien gebracht werden kann. Und genau das soll jetzt passieren: Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Deponie Büttelborn dieses Abrissmaterial annehmen muss.

Keine von 260 angefragten Deponien in ganz Deutschland hatte sich freiwillig zur Entsorgung des Abrissmaterials bereiterklärt. Deshalb hat das RP die Deponie Büttelborn als nächstgelegene geeignete Deponie zur Annahme verpflichtet. Damit soll spezifisch freigemessener mineralischer Abfall auf dem dortigen Müllberg landen. Was genau das ist, und wie eine Freimessung vor sich geht, wurde Journalisten am Freitag vor Ort im Vorgriff zu einer Bürgerinformationsveranstaltung erklärt. Es ging ins Herz des Kernkraftwerks, mitten in den Block A, wo Großkomponenten wie Dampferzeuger und Sicherungssysteme wie Nachkühlpumpen schon abgebaut und eine Rückbaufabrik aufgebaut ist.

Seit Sommer 2017 wird im Atomkraftwerk Biblis schon demontiert und rückgebaut. Die Abbruchmasse wird auf eine Million Tonnen geschätzt. 66 Prozent davon stammen aus dem Außenbereich „und sind nie mit Radioaktivität in Berührung gekommen“, so Alexander-Scholl, RWE-Sprecher am Standort Biblis. Der Rest kommt aus dem Kontrollbereich, wird in der Abbaufabrik in Block A zerstückelt, zerlegt oder zerkleinert, gereinigt und dekontaminiert sowie radiologisch beprobt. Das zerkleinerte Material wird in kleine Transportvollwandboxen oder in Betonfässer gefüllt und wandert dann in die Freimessanlage.

Infoveranstaltung

Das Regierungspräsidium Darmstadt lädt für Dienstag, 22. November, Bürgerinnen und Bürger aus Büttelborn um 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Volkshaus Büttelborn, Mainzer Straße 85, ein.

Thema des Abends ist die Deponierung von Bauschutt aus dem Kernkraftwerk Biblis. An der Veranstaltung nehmen auch Umweltministerin Priska Hinz und Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (beide Grüne) teil. jjo

Dort erfolgt unter behördlicher Kontrolle die finale Messung auf Strahlung. Für 32 Prozent besteht dann die uneingeschränkte Freigabe. Dieses Material geht zurück in den Wertstoffkreislauf oder wird konventionell entsorgt. 1,35 Prozent gehen in die spezifische Freigabe. Das heißt: Dieser Abfall wurde zwar dekontaminiert, weist aber noch bis zu zehn Mikrosievert an radioaktiven Stoffen auf – in erster Linie Kobalt 60 mit einer Halbwertszeit von 5,27 Jahren. Spezifisch freigegebenes Metall wird dann geschmolzen, Kunststoff verbrannt und Bauschutt eben deponiert. Weitere 0,65 Prozent sind der eigentliche radioaktive Abfall, der ab 2027 im Schacht Konrad bei Salzgitter gelagert werden soll.

3200 Tonnen spezifisch freigegebener Bauschutt sollen auf der Deponie Büttelborn abgelagert werden, weil das Kraftwerksgelände für die Lagerung der gesamten Menge zu klein ist. 200 Tonnen davon sind bereits gemessen und zwischenlagern im Reaktorgebäude oder auf Pufferflächen. Die finale Freigabe kann aber erst erteilt werden, wenn ein sicherer Entsorgungsweg auf eine Deponie feststeht.

Durch eine Schleuse geht es ins Innere des Reaktorblocks.
Durch eine Schleuse geht es ins Innere des Reaktorblocks. © dpa

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