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Berittene Polizei am Ufer des Mönchwaldsees

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Von: Annette Schlegl

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Zu Pferd, zu Wasser und zu Fuß führte die Polizei am Mittwoch Kontrollen am Mönchwaldsee durch.
Zu Pferd, zu Wasser und zu Fuß führte die Polizei am Mittwoch Kontrollen am Mönchwaldsee durch. © Rolf Oeser

Die Polizei hat am geschützten Mönchwaldsee in Kelsterbach mit großem Aufgebot das Badeverbot kontrolliert. Künftig drohen Badegästen 300 Euro Bußgeld.

Das Aufgebot für die Razzia ist groß: Bereitschaftspolizei mit schusssicheren Westen, berittene Polizistinnen, Polizeikräfte auf dem Boot, örtliche Einsatzkräfte und Hilfspolizisten. Der Erfolg ist eher klein: Einige mögliche Delinquenten, aber kein einziger illegaler Badegast wird am Mittwoch im und am Mönchwaldsee nahe Kelsterbach gesichtet. Die Verantwortlichen und Einsatzkräfte sind trotzdem zufrieden. Schließlich hat an diesem Tag allein ihre Präsenz gereicht, um den „Soll-Zustand“ herzustellen. Der idyllische See ist nämlich Landschaftsschutz- und Natura-2000-Gebiet; baden, grillen, Boot fahren, angeln, campen und tauchen sind dort verboten, genauso wie das Betreten des Schutzgebiets außerhalb der ausgewiesenen Wege.

Wer Verbotsschilder am Mönchswaldsee missachtet, zahlt jetzt doppelt so viel

Die konzertierte Aktion soll dem hohen Freizeitdruck auf den fragilen Naturraum entgegenwirken, so die Verantwortlichen von Stadt und Polizei Kelsterbach sowie der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Groß-Gerau. Verbotsschilder hatten bisher wenig bewirkt. Viele illegale Besucher:innen gaben an, sie hätten die Schilder nicht gesehen, weil sie aus einer anderen Richtung kamen. Die Ordnungsbehörden sind zwar jeden Tag da, kontrollieren jedoch nur das Einfahrtsverbot für Kraftfahrzeuge, die Feuerwehrzufahren und die ausgewiesenen Parkplätze an der Okrifteler Straße und am Tor 70 des nahen Frankfurter Flughafens.

Am Dienstag wurden nun rund um den See 20 zusätzliche Verbotsschilder aufgestellt. „Alle 200 Meter gibt es jetzt ein Schild“, sagt Martin Klepper, Betriebsleiter des Kelsterbacher Kommunalbetriebs und gleichzeitig Revierleiter im Stadtwald. Außerdem wurde Schlagholz hinter dem Zaun zur Steilhangsicherung aufgeschichtet, sowie Baumschnitt über die Trampelpfade geworfen. Diese Barrikaden sollen den Zugang zum See erschweren.

Für Zuwiderhandlungen drohen künftig saftige Geldstrafen.
Für Zuwiderhandlungen drohen künftig saftige Geldstrafen. © Rolf Oeser

Verstöße werden nun teuer: Wer zuwiderhandelt, erhält eine Anzeige von der ermittelnden Unteren Naturschutzbehörde und darf pro Verstoß 300 Euro plus Verwaltungsgebühr berappen. Wer mit dem Auto zum Ufer fährt und auch noch badet, begeht zwei Verstöße und ist dann gleich 600 Euro los, erklärt Elke Grimm von der Unteren Naturschutzbehörde. Wegen der vielen aufgestellten Schilder könne man nun nämlich von Vorsatz ausgehen, wenn jemand die Verbote missachte. „Bisher haben wir unterstellt, dass diese Leute fahrlässig gehandelt haben“, sagt sie. Das hat dann „nur“ 150 Euro Bußgeld gekostet.

Noch mehr Kontrollen am Mönchwaldsee in Kelsterbach

Im Vorjahr wurden erstmals zwei große Kontrollen am See durchgeführt. Damals ahndete man beim ersten Einsatz 60 Verstöße, beim zweiten waren es 58. 500 bis 600 Menschen seien davon abgehalten worden zu baden, so Grimm. Der Razzia am Mittwoch werden sich im Juli und im August weitere Kontrollen anschließen, kündigten die Verantwortlichen an.

In der Vergangenheit sah es am Mönchwaldsee so aus: An schönen Tagen bevölkerten rund 200 Menschen den türkisfarbenen Waldsee, auf dem Höhepunkt der Corona-Krise vor zwei Jahren waren es bis zu 1000 Besucher:innen täglich. „Da hätte man über die Luftmatratzen über den See laufen können“, sagt Klepper. „Wir haben damals pro Wochenende zwei Lkw-Ladungen Müll aus dem Wald geholt – das sind acht Tonnen.“

Mit Ausweisung zum Landschaftsschutzgebiet hat sich das Baden im Mönchwaldsee erledigt

Jahrzehntelang sei das Baden im Mönchwaldsee geduldet worden, erklärt Klepper. So habe man einen rechtsfreien Raum geschaffen. Seit 2006 existiere aber das Landschaftsschutzgebiet, und deshalb sei es jetzt Zeit, „die Daumenschrauben anzuziehen“, so Frank Müller, Leiter der örtlichen Polizeistation. Der See ist Brutplatz für den Haubentaucher, die Blessgans und den Schilfrohrsänger, der seltene Eisvogel baut Röhren für seine Brut in die Steilwände am Ufer. Im Winter ist er Rastgebiet für Vögel, die in den Süden ziehen und Main und Rhein als Orientierung nutzen.

Schlagholz hinter dem Zaun soll jetzt den Zugang zum Osthang-Steilufer vor allem für Jugendliche erschweren.
Schlagholz hinter dem Zaun soll jetzt den Zugang zum Osthang-Steilufer vor allem für Jugendliche erschweren. © Rolf Oeser

Laut Klepper kommen die Leute, die den Mönchwaldsee frequentieren, mittlerweile nicht mehr nur aus Kelsterbach, sondern auch aus Frankfurt, Bad Vilbel, dem Main-Kinzig- und Main-Taunus-Kreis. Er werde nämlich im Internet als Geheimtipp empfohlen, das Badeverbot werde angeblich nicht überwacht. Dass der Zutritt zu umliegenden Gewässern wie dem Raunheimer Waldsee mit dem Pinta Beach Club, dem Langener Waldsee oder dem Walldorfer See gutes Geld kostet, hat dem geschützten Mönchwaldsee noch mehr Publikum beschert. „Und wer eine lange Anreise hat, zieht hier auf Biegen und Brechen sein Badeprogramm durch“, so der Revierleiter.

Dass Hobbytaucher den See nutzen und sogar einen Tauchgarten angelegt haben – ähnlich dem Geocaching – sei besonders gefährlich. Das Gewässer sei nämlich eine aufgelassene Kiesgrube mit Stahlseilen und Förderanlagen, in denen man sich verheddern könne. Auch Grundwasserströmung gebe es hier. „Es gab schon mehrere Tauch-Todesfälle“, sagt Klepper. Der See sei eben nie als Badesee geplant worden.

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