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222 zusätzliche Stellen beim Kreis Groß-Gerau

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Von: Annette Schlegl

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Der Kreis ist bei der Ganztagsbetreuung an Schulen gefordert, weil viele Betreuungsvereine und Ehrenamtliche ausgestiegen sind.
Der Kreis ist bei der Ganztagsbetreuung an Schulen gefordert, weil viele Betreuungsvereine und Ehrenamtliche ausgestiegen sind. © Michael Schick

Thomas Will, der Landrat des Kreises Groß-Gerau, hat den Haushaltsplan 2023 vorgelegt. Er sieht viel mehr Personal und ein Haushaltsdefizit vor.

Der Kreis Groß-Gerau will sein Personal gewaltig aufstocken: 222 zusätzliche Stellen sollen im kommenden Jahr geschaffen werden. Das sieht zumindest der Haushaltsentwurf für das Jahr 2023 vor, den Landrat Thomas Will (SPD) in der Kreistagssitzung am Montag einbringen wird. Man müsse neue und zusätzliche Aufgaben bewältigen, erklärte Will die immense Personalaufstockung. Insgesamt gäbe es in der Landkreisverwaltung dann 1393 Stellen, die Personalkosten von 84,6 Millionen Euro verursachen. Das sind 14 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr, wobei allein 3,3 Millionen Euro Tarifsteigerungen zuzuschreiben sind.

Kreis Groß-Gerau liegt mit seiner Stellenanzahl aktuell unter dem Schnitt

Der Zuwachs um die 222 Stellen sei im Vergleich zu anderen Landkreisen groß, gab der Landrat in einer Pressekonferenz zum Haushalt 2023 zu. Der Rechnungshof habe im vergangenen Jahr aber festgestellt, dass der Kreis Groß-Gerau bei der Stellenanzahl im unteren Drittel liege. „Wir hatten in diesem Jahr außerdem eine Nullrunde, haben unser Personal nicht aufgestockt“, sagte er.

Laut Will ist der Stellenplan der zentrale Punkt des Haushaltplans 2023, der 497 Millionen Euro an Erträgen und 520 Millionen Euro an Ausgaben vorsieht. Es fehlen im kommenden Jahr also 23 Millionen Euro zum Haushaltsausgleich. Eigentlich müsste der Kreis deshalb die Kreisumlage, die die kreisangehörigen Städte und Gemeinden an ihn zu zahlen haben, um neun Prozentpunkte erhöhen. Tut er aber nicht, weil die Kommunen schon genug gebeutelt sind.

Schwierige wirtschaftliche Situation rechtfertigt Haushaltsdefizit des Kreises Groß-Gerau

Vielmehr will er ein Zeichen setzen: Er geht quasi auf Konfrontationskurs und will beim Regierungspräsidium Darmstadt als Fachbehörde des Landes den nicht ausgeglichenen Haushalt einreichen, der „in normalen Zeiten“, so Will, eigentlich nicht genehmigungsfähig wäre. „Der Haushaltsplan 2023 spiegelt aber die Wirklichkeit wider“, sagte er. „Wir sind in einer schwierigen Situation.“ Das Innenministerium als übergeordnete Behörde müsse wegen der immer noch bestehenden Corona-Situation und des Ukraine-Krieges andere Maßstäbe anlegen.

Will bezweifelt, dass der Kreis alle 222 zusätzlichen Stellen auch tatsächlich besetzen kann. „Wir haben die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden vor der Tür, die andere Gehaltsklassen bieten können“, sagte er. 38 Stellen seien vom Land refinanziert.

Baukontrolle und Kontrolle von illegalen Wohnungen wird im Kreis Groß-Gerau verstärkt

Die größte Personalaufstockung erfährt die Ganztagsbetreuung mit 28 Stellen an den Schulen und vier im entsprechenden Fachbereich im Landratsamt. „Wir übernehmen Aufgaben, die vorher von Ehrenamtlichen und Betreuungsvereinen wahrgenommen wurden“, sagte der Landrat.

Die Bauaufsicht soll um 27 neue Stellen wachsen. „Die Baukontrolle schaffen wir mit dem aktuellen Personalstamm überhaupt nicht“, erklärte Will. Der Kreis komme auch mit Überprüfungen, wo illegal gewohnt wird, nicht mehr nach.

30 zusätzliche Stellen sind laut Will im Jugendamt nötig. Davon seien allein 20 im Sozialgesetzbuch vorgeschrieben, weil die Bundesregierung die Standards erhöht hat. 16 neue Stellen sind für die Schulsozialarbeit vorgesehen, „um frühzeitig präventiv reagieren zu können“. Im Bereich Wohngeld und Teilhabe soll sich die Beschäftigtenzahl von 15 auf 30 verdoppeln. „Andere Landkreise verdreifachen sogar ihr Personal, weil sich auch die Wohngeldbezieher 2023 verdreifachen werden“, so Will.

Mitte Dezember soll der Haushalt 2023 verabschiedet werden.

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