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Mindestens drei Monate werden verlorene Stücke aufgehoben, bevor sie unter den Hammer kommen.

Mörfelden-Walldorf

Glücksspiel mit Koffern

Im Bürgerhaus kommen Fundsachen vom Flughafen unter den Hammer – eine komplette Lastwagen-Ladung. Das Darmstädter Auktionshaus Wendt organisiert in ganz Deutschland Versteigerungen von Fundsachen. Die Auktion lockt viele Bieter.

Die Besucher drängen sich um gläserne Vitrinen, machen sich Notizen, begutachten Digitalkameras, Handys, Ferngläser. Auf der Bühne im Mörfelder Bürgerhaus stapelt sich ein riesiger, bunter Haufen Koffer und Taschen. Auch Schlafsäcke, Zelte und Kisten sind dabei. Ein Plüsch-Delfin schaut aus dem Gewühl heraus. „Mal schauen, ob wir einen Koffer mit spannendem oder wertvollem Inhalt bekommen“, sagt Günter Abel, bevor die Auktionsleiterin am Samstag den ersten Artikel aufruft.

In Mörfelden kommen Fundsachen vom Flughafen unter den Hammer – eine komplette Lastwagen-Ladung. Das Darmstädter Auktionshaus Wendt organisiert in ganz Deutschland Versteigerungen von Fundsachen. Mindestens drei Monate werden die Stücke eingelagert, bevor sie zur Versteigerung frei sind. Findet sich irgendwo ein Hinweis auf den Besitzer, werden die Sachen diesem zugestellt. „Es gibt nichts, was die Leute nicht liegen lassen“, weiß Chefin Birgit Wendt. Sie erinnere sich an einen aufblasbaren Katamaran oder ein Tandem. Meistens kämen aber elektronische Kleingeräte oder eben Koffer und Taschen unter den Hammer.

Auktion lockt viele Bieter

Karin Weishaupt aus Mainz will lediglich einen schönen Koffer erstehen, der Inhalt sei ihr egal, sagt sie. Beim ersten Stück, das ihr Interesse weckt, bieten allerdings gleich mehrere Leute mit. Pech gehabt, den Zuschlag erhält ein anderer.

Das Mindestgebot für Koffer liegt bei 40 Euro, Taschen werden ab 15 Euro versteigert, dazu kommen rund 21 Prozent Aufschlag für Gebühren.

Die nächste Tasche wird vom Stapel geholt. Eingepackte Reizwäsche befinde sich darin, kündigt die Auktionsleiterin an. Die grünen Bieter-Karten zucken auf einmal blitzschnell in die Höhe, Nummer 96 gibt das höchste Gebot ab. Auch ein kleiner schwarzer Koffer voller Spielchips findet rasch einen neuen Besitzer. Kisten mit Büchern werden preisgünstig abgegeben. MP3-Player sind in Windeseile aus dem Sortiment.

Georgia Gauff, Michelle Friese und Quang Huy Nguyen haben einen blauen 70er-Jahre-Koffer ersteigert, 60 Euro war ihnen das wert. Als sie ihn öffnen, schauen sie zunächst etwas verwirrt, haben dann aber doch Spaß am Inhalt. „Wow, ein Gehstock“, sagt Gauff und stöbert weiter zwischen unbenutzten Oropax, einer Schlafmaske, Stiften samt hölzernem Etui und in Plastik eingeschweißten Herrenunterhosen.

Das nächste Fundstück wird als wertvoll angekündigt – mit echter Cartier-Uhr und Goldschmuck gefüllt. 1400 Euro ist Bieter 123 die Tasche wert. Man müsse vom Äußeren auf das Innere schließen, meint er. Beim ersten Durchstöbern findet er neben Uhr und Schmuck aber nur zwei Paar Pumps und nicht gerade hochwertige Frauenklamotten.

Auch ein Worfelder Ehepaar macht einen zufriedenen Eindruck. „140 Euro haben wir für diesen Koffer gezahlt“, sagt Karl-Heinz Werner. Darin seien fünf edle Lederjacken, verrät Elise Werner: „Jetzt waren wir das erste Mal da und haben gleich einen Glückstreffer gelandet. Vielleicht kommen wir zur nächsten Versteigerung wieder.“ ( tij)

Die nächste Versteigerung ist am Samstag, 22. Januar, um 12 Uhr in der Groß-Gerauer Stadthalle.

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