Mörfelden-Walldorf

Gewinn für beide Seiten

Die Computerfirma CHG-Meridian Computer Leasing AG in Mörfelden-Walldorf beschäftigt auch Behinderte - und sieht dabei auch Vorteile fürs Betriebsklima.

Michael Hinz von den Werkstätten für Behinderte Rhein-Main (WfB) blickt pragmatisch auf sein Tätigkeitsfeld. „Irgendein Handicap hat doch jeder“, findet er. Die Brille auf seiner Nase zum Beispiel. „Letztlich geht es darum, wie ich mein Leben trotzdem selbstständig gestalten kann.“

Zu einem Stück Selbstständigkeit verhilft die CHG-Meridian Computer Leasing AG in Mörfelden-Walldorf fünf Mitarbeitern der WfB. Sie unterstützen die Stammbelegschaft.

Die CHG-Meridian vermietet Rechner an Großkunden. Nach drei bis vier Jahren werden die Geräte zurückgegeben. Sie landen dann nicht im Müll, sondern werden für den Verkauf aufbereitet. Dabei steht der Datenschutz im Vordergrund, denn oft lassen sich sensible Informationen auf den Festplatten rekonstruieren. Die Mitarbeiter sorgen dafür, dass das nicht mehr möglich ist.

„Es gibt dabei immer wieder Tätigkeiten, die den eigentlichen Arbeitsablauf unterbrechen“, berichtet Michael Krause, Spezialist für die Aufbereitung gebrauchter Hardware. Zum Beispiel müssen Kabel sortiert werden. Weil solche Aufgaben die Belegschaft von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten, hat das Unternehmen beschlossen, sie an die WfB abzugeben.

Hilfe beim Sortieren

Vor die Wahl gestellt, das zu sortierende Zubehör hin- und herzutransportieren oder Arbeitsplätze vor Ort einzurichten, entschied sich die CHG-Meridian für Letzteres. Im Februar 2009 stießen zunächst zwei WfB-Mitarbeiter zu dem Unternehmen.

Von Anfang an dabei war Thorsten Klink, den die anderen scherzhaft den „Häuptling“ nennen. Souverän führt er die Besucher durch die verschachtelten Werkshallen zu seinem Arbeitsplatz, einem Raum voller Plastikboxen mit technischem Zubehör, das entweder schon sortiert ist oder noch darauf wartet. Hierher können sich die behinderten Mitarbeiter zurückziehen, wenn es ihnen zu hektisch wird. Das sei aber längst kein Problem mehr, berichtet Helmut Mumm von der CHG-Meridian: „Wir müssen sie eher mal ein bisschen bremsen.“

Wie die 85 Mitarbeiter auf die neuen Kollegen reagieren würden, war anfangs eine der größten Sorgen der WfB. In anderen Betrieben haben behinderte Beschäftigte schon Neid und Missgunst erlebt, weil sie zum Beispiel früher Feierabend machen dürfen als der Rest. Bei der CHG-Meridian dagegen gehen sie den Kollegen mittlerweile auch bei komplexen Tätigkeiten zur Hand, wenn Not am Mann ist. „Das stärkt das Selbstwertgefühl“, sagt Hinz. Auch das Unternehmen profitiert davon. Im Herbst soll ein weiterer Arbeitsplatz eingerichtet werden. ( eda)

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