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Steffi Wolf arbeitet daran, eine harmonische Partnerschaft mit ihrer Stute Genja aufzubauen.

Gernsheim

Gewaltfreies Pferdetraining

Klaus und Petra Filbrandt unterweisen Reiter auf dem Hubertushof in der „Schule der Freiwilligkeit“. Sie haben festgestellt: „Junge Menschen aus Reitschulen sind erstaunt, dass wir ganz anders mit den Tieren umgehen, als sie es gewohnt sind.“

Jahrelang waren der kleine Waisenjunge Joey und sein kluger Hengst Fury ein unzertrennliches Fernsehserien-Gespann. Auch Iltschi, Hatatitla und Rih waren mehr mitdenkende Partner als bloße Reittiere der Karl-May-Helden, verbanden sich freiwillig mit den Zweibeinern zu einer unschlagbaren Einheit.

Harmonie mit dem Pferd und Freiwilligkeit sind auch das A und O im Stall von Klaus und Petra Filbrandt nahe Maria Einsiedel in Gernsheim. Die Eheleute unterweisen auf dem Hubertushof Reiter in der „Schule zur Freiwilligkeit“. Sie haben festgestellt: „Junge Menschen aus Reitschulen sind erstaunt, dass wir ganz anders mit den Tieren umgehen, als sie es gewohnt sind.“

Bei der Ausübung seines früheren Hobbys hat Klaus Filbrandt Grenzen im Verhältnis zwischen Mensch und Pferd bemerkt, wollte diese aber nicht hinnehmen. So hat er einen Weg gesucht, das Pferd nicht bloß als Sportgerät zu benutzen.

Filbrandt weiß, dass Pferde durchaus in der Lage sind, Menschen für sich zu benutzen. Das illustriert er mit einer kleinen Geschichte aus der Stallgasse: Ein Pferd tritt gegen die Boxentür, der Besitzer brüllt: „Hör auf!“ Das Pferd dreht sich zur Nachbarbox und kichert: „Den hab ich gut abgerichtet. Immer, wenn ich trete, ruft er.“

Problem liegt beim Menschen

Petra Filbrandt ist bereits als Kind geritten, hat dabei den gewaltfreien Umgang mit Pferden erlebt. Ihr Mann hat der früheren Turnierreiterin vor Jahren ein Pferd geschenkt, das sich als traurig und ängstlich erwies. Der Wunsch, diesen Gemütszustand zu verbessern, führte beide zu dem mittlerweile in Dänemark lebenden Westfalen Klaus Ferdinand Hempfling und seiner sanften Methode, die er in mehreren Büchern beschrieben hat.

Wenn Menschen Probleme mit Pferden haben, liege das am Menschen, ist Klaus Filbrandt überzeugt. Also müsse man mit der Ausbildung des Zweibeiners beginnen. Der müsse lernen, nicht zu viel zu verlangen – sonst bekommt er Probleme. Das Ehepaar hat sich umfangreiches Wissen erarbeitet, und gibt dieses nun weiter. Das Programm heißt „Mit Pferden lernen“ (MPL), denn: „Die Menschen müssen lernen, was Pferde können.“

Mit Pferden gelernt hat auch Steffi Wolff. Sieben Jahre gehörte die Gernsheimerin zur Reiterszene, bevor sie auf den Hubertushof kam: „So etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt.“ Sie braucht weder Sattel noch Zäumung. Inzwischen selbst Ausbilderin, macht sie nichts gegen den Willen ihrer sechsjährigen iberischen Stute Genja. Dennoch gehorcht das Tier, „weil sie weiß, dass ich auf sie aufpasse“. Der Mensch als Herdenführer für das Tier.

„Man lernt unendlich viel hier“, schwärmt Claudia Metzger, begrüßt ihren Vierbeiner Nils mit Streicheln am ganzen Körper, atmet tief ein und springt in die Höhe: Nils beginnt zu traben, und bleibt stehen, als sie ausatmet. In Gernsheim lernen Pferdefreunde, ihrem Tier Sicherheit zu geben, ihm spielerisch zu begegnen, aber auch, wie konsequent und vehement man sein muss. Letztlich müsse der Mensch die Fähigkeiten eines Leittiers entwickeln.

Zum MPL-Basisseminar gehören etwa das Erlernen feinster Körpersignale und die Bodenarbeit. Dazu sind Vorkenntnisse über Pferde nicht unbedingt erforderlich. Unabdingbar aber sind eine positive Einstellung und der respektvolle Umgang mit Mensch und Pferd. „Die Pferde kommunizieren ständig mit Menschen“, sagt Petra Filbrandt. „Es liegt an uns, sie zu verstehen.“ (eda.)

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