Viele Flüchtlinge müssen weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften leben.
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Viele Flüchtlinge müssen weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften leben.

Groß-Gerau

Viele Flüchtlinge ohne Wohnung

Asylbewerber müssen weiter in Gemeinschaftsunterkünften leben, weil es für sie sonst keinen Wohnraum im Kreis Groß-Gerau gibt.

Im Kreis Groß-Gerau müssen Flüchtlinge länger als nötig in Gemeinschaftsunterkünften bleiben, weil sie keine Wohnungen finden. Das sagte der Leiter der Stabsstelle Asyl und Zuwanderung in der Kreisverwaltung, Harald Bott. Zwar hat die Zahl der Flüchtlinge im Vergleich zum Spätsommer des vergangenen Jahres deutlich abgenommen. Doch dem Kreis Groß-Gerau werden auch dieses Jahr rund 2600 Flüchtlinge zugewiesen. Das sind immerhin deutlich weniger als die 4600 Personen, die noch Ende 2015 für 2016 prognostiziert wurden. Es handelt sich dabei vor allem um Menschen, die in Hessen noch immer in Notunterkünften untergebracht sind und nun nach und nach auf die Landkreise verteilt werden. 2015 waren es 2164 Flüchtlinge, weil der Ansturm erst ab Juli eingesetzt hatte.

Zudem befinden sich allein im Kreis Groß-Gerau noch immer rund 1500 Menschen, die bisher noch nicht einmal einen Asylantrag stellen konnten, weil das Bundesamt für Migration (BAMF) mit dem Bearbeiten der Anträge nicht nachkomme. Manche Flüchtlinge warteten schon seit zwei Jahren darauf, den Asylantrag stellen zu können, um endlich einen kalkulierbaren Status zu haben.

Ganz entspannt ist Bott deshalb nicht. Auch nicht, weil unsicher ist, wie die Türkei in den kommenden Wochen agiert. Wenn sie ihre Grenzen öffne, könne wieder ein riesiger Flüchtlingsstrom über Europa hinwegrollen.

Die Erstaufnahmeeinrichtungen in Biebesheim und Goddelau sind inzwischen wieder geschlossen worden, die Erstaufnahmeeinrichtung in Groß-Gerau ist zwar aus den Plänen des Landes ebenfalls herausgenommen, der Kreis würde sie jedoch gern weiterhin behalten und führt entsprechende Verhandlungen mit dem Land.

Denn kamen bisher immer donnerstags zwischen zehn und 50 Flüchtlinge aus dem Zuteilungskontingent am Landratsamt an und mussten dann von dort sofort umgehend auf die Kommunen verteilt werden, leitet der Kreis diese Menschen jetzt erst einmal in die Sammelunterkunft und schaut dann ohne Eile, wo es geeignete Unterkünfte gibt. Nach spätestens zwei Wochen seien sie dann auf die Kommunen aufgeteilt.

„Wir haben die Situation relativ gut im Griff“, sagt Harald Bott, verhehlt aber nicht, dass die Wohnungssuche im Ballungsraum Rhein-Main ein immer größeres Problem sei. Da die Flüchtlinge, wenn sie als Asylbewerber anerkannt seien, keinen bezahlbaren Wohnraum fänden, müssten sie weiterhin in den Gemeinschaftsunterkünften bleiben. Deshalb seien die Kommunen gefordert, sich dringend im sozialen Wohnungsbau zu engagieren. Im nördlichen Kreis Groß-Gerau wird das ein Problem, weil es wegen des Fluglärms Siedlungsbeschränkungen gibt, die nur noch eine Bebauung im Bestand zulassen, aber keine neuen Wohngebiete. Bis April 2017 werden deshalb vom Kreis neun weitere Gemeinschaftsunterkünfte angemietet.

Dass die Flüchtlingsarbeit im Kreis Groß-Gerau reibungslos läuft, führt Bott auf die neugegründete Stabsstelle Asyl und Zuwanderung zurück, die mit 20 Mitarbeitern ausgestattet wurde.

Aus Gesprächen mit Flüchtlingen weiß Bott, dass viele von wieder zurück in ihre Heimat wollen, wenn sich die Situation dort entspannt hat. Das gelte vor allem für Syrer und Afghanen. Das freiwillige Rückkehrprogramm, bei dem die Flüge bezahlt werden, hätten seit März 22 Flüchtlinge aus dem Kreis Groß-Gerau angenommen und seien nach Syrien und Afghanistan zurückgekehrt. (hde)

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