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Die Zukunft von Opel wird ein Thema sein, das der Direktkandidat mit nach Berlin nimmt.

Wahlkreis 186

Lokalmatador gegen Spitzenkandidat

Gerold Reichenbach muss sein Direktmandat verteidigen, Franz Josef Jung kämpft erstmals um einen Wahlkreis.

Von Michael Horn

Lange galt der Landkreis Groß-Gerau als "roter Erbhof", wo sozialdemokratische Siege bei Wahlen schon vor der Auszählung sicher waren und allenfalls die Höhe des Ergebnisses Raum für Überraschungen bot. Der Norden des Kreises mit seinen Opel- und Bahnarbeitersiedlungen, in denen die traditionellen Wähler der alten Sozialdemokratie wohnten, sorgte dafür. Wenn die Ergebnisse bei Bundestagswahlen dennoch gelegentlich anders ausfielen, lag das an den drei eher konservativ ausgerichteten Main-Taunus-Kommunen Hochheim, Hofheim und Flörsheim, die bis 1998 zum Bundestagswahlkreis gehörten. Seitdem sind Wahlkreis und Landkreis identisch.

Vom "roten Erbhof" kann trotzdem keine Rede mehr sein: Das jahrelange Siechtum des Opel-Standortes Rüsselsheim, verbunden mit schleichendem Personalabbau, haben dazu ebenso beigetragen wie der allgemeine Wandel in einer Region, die im Norden von Industrie und der Nähe zum Flughafen geprägt ist, im Süden aber immer noch durchaus ländliche Strukturen hat.

Sieben Kandidaten bewerben sich am 27. September um das Direktmandat im Wahlkreis 184. Nach Lage der Dinge haben nur zwei von ihnen realistische Chancen, dem 17. Deutschen Bundestag angehören: Gerold Reichenbach (SPD) und Franz Josef Jung (CDU). Reichenbach sitzt nach einer langen Politik-Karriere seit sieben Jahren im Bundestag, 2002 und 2005 errang er jeweils mit deutlichem Vorsprung das Direktmandat gegen den CDU-Konkurrenten Gerald Weiß, der dann über die Landesliste nach Berlin kam. Auch diesmal muss sich Reichenbach auf die Erststimmen im Wahlkreis verlassen, um sicher in Berlin anzukommen. Sein Listenplatz 9 nämlich liegt zwischen Baum und Borke: Vor vier Jahren zogen nur drei SPD-Abgeordnete aus Hessen über die Landesliste in den Bundestag ein, weil viele Bewerber auf hinteren Listenplätzen ihr Direktmandat holten.

Dieses Problem hat sein CDU-Konkurrent und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung nicht. Der aus Eltville/Rheingau stammende Jurist, langjährige Landespolitiker und Vertraute von Ministerpräsident Roland Koch ist wie vor vier Jahren Spitzenkandidat seiner Partei in Hessen. 2005 war Jung nur über die Landesliste und ohne Wahlkreis in den Bundestag eingezogen. Die Entscheidung von Gerald Weiß, Jahrgang 1945, nach drei Legislaturperioden auf eine weitere Kandidatur für den Bundestag zu verzichten, machte den Weg frei für Jung. "Der Rhein als verbindendes Element zur Region" und menschliche Berührungspunkte hätten schließlich den Ausschlag gegeben, sich im Wahlkreis Groß-Gerau um ein Direktmandat zu bewerben, sagt er.

Bis Anfang 2008 war der Wahlkreis Groß-Gerau auch mit einer Abgeordneten der Grünen in Berlin vertreten. Margareta Wolf gehörte dem Plenum seit 1994 als Nachrückerin und später über die Landesliste an. 2005 war sie Spitzenkandidatin ihrer Partei in Hessen. Im Januar 2008 legte sie ihr Abgeordnetenmandat nieder und trat wenige Monate später auch aus der Partei aus.

Ihre Nachfolgerin im Wahlkreis, Andrea Graf, steht nur auf Platz 13 der Landesliste, ebenso wie FDP-Bewerber Andreas Bummel. Das wird beiden höchstwahrscheinlich nicht reichen. Das gilt auch für Norman Kalteyer, der bei den Linken keinen Listenplatz hat.

Die Zukunft von Opel und der Ausbau des Frankfurter Flughafens sind die beiden wichtigsten regionalen Themen, die die künftigen Abgeordneten auch in der nächsten Legislaturperiode beschäftigen werden.

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