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Rüsselsheim

Köbel-Halle wird abgerissen

Rüsselsheims Stadtverordnete stimmen mehrheitlich für einen kleineren Sporthallen-Neubau.

Nach monatelangen teils sehr emotional geführten Diskussionen ist die Entscheidung über die Walter-Köbel-Halle gefallen: Die veraltete Sporthalle wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der sich am Regelbedarf von Immanuel-Kant-Schule und Sportvereinen orientiert. Für diese vom Magistrat favorisierte Variante haben am Donnerstag in der Sitzung des Stadtparlaments die Fraktionen von SPD und Grünen sowie zwei Mitglieder der CDU-Fraktion gestimmt.

FDP und Linke/Liste Solidarität hatten für einen Erhalt der Halle mit sukzessiver Verbesserung des Brandschutzes plädiert. Die CDU wollte die Entscheidung bis zur Beratung des Haushalts 2010 verschieben. Die Liste Rüssel lehnte sowohl Sanierung als auch Abriss mit Hinweis auf die kritische Finanzsituation der Stadt rigoros ab.

Für die SPD-Fraktion ist der Neubau nach Regelbedarf die einzige Lösung, erklärte Jürgen Leppla. Zumal die Sportler hier nicht vorübergehend ohne Halle dastehen. Die Kosten werden auf rund 13,4 Millionen Euro geschätzt. Zur Debatte hatten auch ein größerer Neubau für etwa 16 Millionen Euro und die Sanierung gestanden, die mindestens 17 Millionen Euro kosten würde. Während der Sanierung sei die Nutzung der Halle laut Leppla "so gut wie unmöglich".

Kritiker wollen lieber sparen

Florian Haupt stellte für die Liste Rüssels fest: "Eine solche Sporthalle kann sich Rüsselsheim einfach nicht mehr leisten, das traut sich nur keiner zu sagen." Alle Sparbemühungen würden über den Haufen geworfen. Sich Gedanken über eine Sporthalle zu machen, sei derzeit ein Luxusproblem. Dem widersprach Karl-Heinz Schneckenberger von der Linken: Die Halle sei "ein Angebot an Bürger, Vereine und Schulen, das wir erhalten möchten" - am besten durch die Aufnahme des Gebäudes in die Denkmalschutzliste. "Dadurch könnten wir auch die Kosten für die Renovierung reduzieren." Er bezweifelte, dass es bei den kalkulierten Kosten für den Neubau bleiben werde und sprach sich stattdessen für eine Sanierung aus, die sich auf das Notwendigste beschränkt. Dann sei auch ein gleichzeitiger Weiterbetrieb der Halle möglich.

Für die FDP versuchte Wolfgang Merz, die Bedeutung der Halle für die Stadtgeschichte hervorzuheben: Die Walter-Köbel-Halle sei bei ihrer Einweihung 1972 die zweitgrößte Sporthalle in Hessen gewesen, in ihr habe sich "das Selbstbewusstsein einer aufstrebenden Industriestadt mitten im Rhein-Main-Gebiet manifestiert". Einen solchen Zeitzeugen reiße man nicht einfach ab. Angesichts des Haushaltsdefizits kündigte Merz an, bei einer Entscheidung für einen Neubau die Aufsichtsbehörde einzuschalten.

Baudezernentin Silke Klinger wies darauf hin, dass das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde die Notwendigkeit von Sanierung oder Abriss der Halle im Grundsatz anerkannt, und bereits 2008 dafür sieben Millionen Euro genehmigt habe. Bezüglich Brandschutz, Schadstoffbelastung und Energetik stehe die Stadt unter Handlungszwang. Die finanzielle Situation Rüsselsheims sei in der Tat Besorgnis erregend, räumte Heiner Friedrich von den Grünen ein. Die beschlossene Variante sei aber eine zukunftsträchtige Lösung für Schulsport und Vereine. (pred)

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