+
In der Mörfelder Langgasse wird mit einer Tafel auf einem Stein an die frühere Synagoge und ermordete Juden erinnert.

Mörfelden-Walldorf

Debatte um Gedenken

Arbeitsgruppe soll Vorschläge machen, wie in Zukunft an NS-Opfer aus Mörfelden und Walldorf erinnert werden soll.

Mit breiter Mehrheit zurückgewiesen hat das Stadtparlament einen Antrag der DKP/LL-Fraktion, noch in diesem Jahr in beiden Stadtteilen Gedenktafeln für die politisch Verfolgten des Naziregimes mit den Namen aller bekannten Opfer des Faschismus aus Mörfelden und Walldorf aufzustellen. Nach den Vorstellungen der DKP/LL sollten die Tafeln so gestaltet werden, dass eine Erweiterung der Namensliste jederzeit möglich sei.

Statt des Antrags der DKP/LL nahm die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen der rot-grünen Koalition ein konkurrierendes Papier von SPD und Grünen an, wonach die AG Erinnerung bis zum Jahresende einen Vorschlag unterbreiten soll, wie der Opfer der NS-Willkürherrschaft gedacht werden kann. CDU, FDP und DKP/LL lehnten den Antrag ab.

Dietmar Treber (DKP/LL) warb für die Idee seiner Fraktion, die seit Jahren verzögert werde. Zugleich forderte er eine Entschuldigung vom SPD-Stadtverordneten Matthias Moser, der im Fachausschuss gefordert hatte, dass die DKP/LL erst einmal in der AG Erinnerung mitarbeiten solle, bevor sie derartige Anträge stelle. Zur AG-Sitzung waren die DKP-Vertreter jedoch nicht eingeladen, so Treber. Der eine sei vergessen, der andere mit falscher Mail-Adresse angeschrieben worden.
Die Entschuldigung übernahm Steffen Ueberschär (SPD), sein Fraktionskollege habe von der Panne mit den Einladungen nichts gewusst. Ueberschär verwies auf den hohen Stellenwert der Erinnerungsarbeit in der Stadt und nannte unter anderem die Stolpersteine, den Lehrpfad am früheren KZ-Außenlager in Walldorf, die Ausstellung über Euthanasie-Opfer und das Einsetzen der Arbeitsgruppe Erinnerung. Der Sozialdemokrat plädierte dafür, dass die AG bis Jahresende ein Konzept erarbeiten solle. Elke Cezanne (Grüne) verwies darauf, dass in den Staatsarchiven in Darmstadt und Wiesbaden recherchiert werden müsse und dazu Zeit nötig sei. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien in Mörfelden 35 bis 40 und in Walldorf 15 Menschen betroffen gewesen. Zudem gebe es Vorstellungen für andere Formen des Gedenkens – etwa einen interaktiven historischen Stadtplan auf der städtischen Internetseite.

Bürgermeister bedauert Panne

CDU-Fraktionschef Karsten Groß befand, dass der NS-Zeit mit all dem, was an historischer Arbeit laufe, genügend Rechnung getragen werde. Weitere Gedenktafeln hielt er nicht für nötig. Im Übrigen habe die AG den Auftrag, sich umfassend mit politischer Verfolgung zu beschäftigen und nicht allein auf die zwölf Jahre nationalsozialistischer Willkürherrschaft zu beschränken.

Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) bedauerte die Panne in seinem Vorzimmer. Wie er erklärte, müsse jeder Name auf der Gedenktafel akribisch überprüft werden. Derzeit werde die Recherchearbeit in erster Linie von Stadthistorikerin Cornelia Rühlig und Klaus Müller geleistet. „Wenn mehr mitmachen würden, ginge es schneller voran“, erklärte er. Die DKP habe aber eine eigene Broschüre erstellt und sich aus der allgemeinen Arbeit „eher zurückgezogen“.

Gerd Schulmeyer (DKP/LL) erklärte indes, dass sich bei seiner Fraktion der Eindruck festgesetzt habe, dass Kommunisten nicht geehrt werden sollen. „Wäre ein Dutzend Sozialdemokraten darunter, wäre das kein Thema. Dann wären die Tafeln längst gesetzt“, so der Fraktionsvorsitzende. „Jetzt sucht man noch verfolgte Sozialdemokraten.“

Karsten Groß warf Schulmeyer daraufhin vor, die Debatte kleinkariert zu führen. „Wenn Sie die Diskussion dahin abgleiten lassen, sich mit der SPD zu streiten, wer mehr Namen auf der Liste hat, wird das der Sache nicht gerecht“, sagte Groß – und sprach damit auch dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Behnam Yazdani „aus der Seele“. (mz.)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare