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Aus Albanien nach Deutschland geflüchtet: die Familie Torja mit Tochter Ajla, Sohn Erando und Mutter Fatmira (von links).

Kreis Gross-Gerau Flüchtlinge

Begeistert von Deutschland

Ajla Torja ist 21 Jahre alt und kam mit ihrem 16-jährigen Bruder und ihrer Mutter im Juni als Asylbewerberin nach Deutschland. Die Familie trat die Flucht aus familiären Gründen an. In Mörfelden-Walldorf fühlen sich die Flüchtlinge wohl.

Warum wir aus unserer Heimat geflohen sind?“ Die junge Frau mit den langen schwarzen Haaren und dunklen Augen spricht perfekt Englisch. Verunsichert blickt sie zu ihrer Mutter, die neben ihr an dem kleinen Küchentisch sitzt, und übersetzt die Frage ins Albanische. Die Mutter, Mitte vierzig, sieht älter aus. Tränen steigen ihr in die Augen. Sie blickt zu Boden, antwortet leise. Die Tochter übersetzt, ihre Stimme zittert: „Bei uns gibt es keinen Krieg, diese Probleme haben wir nicht, aber andere, familiäre. Meine Mutter will darüber nicht reden.“

Ajla Torja ist 21 Jahre alt und kam mit ihrem 16-jährigen Bruder und ihrer Mutter im Juni als Asylbewerberin nach Deutschland. Erst nach Dortmund, später nach Gießen in Hessens Erstaufnahme für Flüchtlinge; dort waren sie für einen Monat untergebracht. Am 31. August kamen sie mit dem Bus gemeinsam mit anderen Flüchtlingen von Gießen nach Groß-Gerau. Im Landratsamt wurden administrative Dinge erledigt, anschließend begleitete Sozialarbeiterin Melanie Vogel vom Diakonischen Werk die Familie in ihre neue Unterkunft, ein Haus in Mörfelden-Walldorf. Die Sozialarbeiterin kam anfangs öfter vorbei, zeigte den Neuankömmlingen die Stadt und half ihnen, sich dort einzuleben.

Deutschland ist Freiheit

Am gleichen Tag zog die Familie Zgena – ebenfalls aus Albanien – mit in die untere Etage des Hauses. Auch sie kam aus Gießen nach Groß-Gerau, doch die Familien sind sich dort nie begegnet. In dem Erstaufnahmelager seien so viele Menschen, zudem haben sie in unterschiedlichen Zelten gelebt, erzählt Familienvater Elton Zgena (36). Der Taxifahrer kam mit seiner Frau Parkizeta (27), seinem vierjährigen Sohn Elio und der einjährigen Tochter Leila ebenfalls über Dortmund nach Gießen.

Ajla Torja, die einzige in der Wohngemeinschaft, die Englisch spricht, übersetzt. An den Ankunftstag in Deutschland erinnern sich alle erwachsenen Familienmitglieder genau, denn mit dem Datum verbinden sie Freiheit. Elton Zgenas Leben war in Albanien in Gefahr, erzählt er. Die Gründe seien religiös gewesen.

Sein Traum ist es, mit seiner Familie in Deutschland bleiben zu dürfen. Der vierjährige Elio besucht bereits den Kindergarten in Mörfelden. Da sein Vater außer Albanisch auch Italienisch spricht und die Leiterin des Kindergartens Italienerin ist, gebe es keine Verständigungsprobleme.

Fasziniert von Spielsachen

Der Junge spricht zwar noch kein Deutsch, aber er versteht sich gut mit den Kindern und ist von all den Spielsachen immer noch fasziniert, erzählt sein Vater lächelnd. Währenddessen krabbelt die einjährige Leila auf Ajla Torjas Schoß und zieht ihr vergnügt an den Haaren. Vier Erwachsene, zwei Kinder und ein Jugendlicher teilen sich die Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad. Im oberen Stockwerk des Hauses leben nochmal drei Familien – aus Serbien, Kurdistan und Pakistan.

Den Tag verbringen die Frauen mit Putzen, Waschen und Kochen. Ajla Torja ist das nicht genug, sie muss oft raus, geht joggen und trifft dabei manchmal auf Bürger, die ihr freundlich „Hallo“ sagen. Dann gehe es ihr wieder besser, sagt sie. Zudem engagiert sie sich in der Freien evangelischen Gemeinde. Die meisten albanischen Migranten verlassen ihre Heimat, um sich dauerhaft im Ausland niederzulassen. Das ist auch Ajla Torjas Traum, sie möchte in Deutschland bleiben und sich politisch engagieren.

Sie ist begeistert von den Menschen hier, denn diese würden ihr Land, ihre Politik und ihre Leute respektieren. In Albanien sei das anders. Ajla studierte in ihrer Heimat Politik, hat das Studium jedoch wegen der Flucht nicht abschließen können. Die junge Frau lernt schnell, derzeit bringt sie sich selbst Deutsch bei. Ein Mann aus Pakistan im oberen Stockwerk des Hauses hat sich ein Buch besorgt, mit dem auch er sich Deutsch beibringen will. (eda)

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