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Poetry Slammer Lars Ruppel in der GPR Seniorenresidenz Haus am Ostpark.

Rüsselsheim

Erinnerungen mit Poesie wecken

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Poetry-Slammer Lars Ruppel begeistert Jugendliche für Gedichte. Praxis bekommen sie in Altenheimen.

„Beide Enden der Gesellschaft zusammenführen“ – so beschreibt Poetry-Slam-Meister und Kabarettist Lars Ruppel, was er in seinen Workshops tut. Im Rahmen seines Alzheimer-Poesie-Projektes „Weckworte“ lehrt er Schüler, wie man Gedichte für ältere oder behinderte Menschen vorträgt.

Normalerweise würden sich die Schüler nicht für Lyrik interessieren, sagt Klassenlehrerin Anna Schleim. Auch Weihnachtslieder seien kaum noch bekannt. Doch im Workshop mit Ruppel lesen die Berufschüler der Werner-Heisenberg-Schule plötzlich freiwillig Gedichte von Joachim Ringelnatz, Erich Fried oder Hanns Dieter Hüsch. Kommen die Worte anfangs noch leise und zögerlich, werden sie beim nächsten Versuch schon sicherer. Die Zeile „Es ist, was es ist, sagt die Liebe“ bespricht die Gruppe zusammen. „Das ist wie in der Kirche“, flüstert eine der 15 Schülerinnen, die an diesem Mittwoch ins Seniorenheim Haus am Ostpark in Rüsselsheim gekommen sind. Seit fünf Jahren nimmt die Schule an der Kooperation mit der Stiftung Lesen teil. „Ja“, sagt Ruppel, „weil es Gemeinschaft schafft“. Außerdem bleibe es im Kopf, wenn man etwas zusammen wiederhole. Auch verrät er einen Trick: „Jede einzelne Zeile kannst du dem Zuhörer überreichen, wie ein Geschenk.“

Das funktioniere mit jedem Text. Um das zu demonstrieren, liest er die Inhaltsstoffe einer Mineralwasserflasche vor. Funktioniert.

Beim Auftritt,nach dem Workshop nimmt Ruppel die Hand jedes der Senioren, die sich nun zwischen die Schülerinnen gesellt haben, und rezitiert aus „Mutters Hände“ von Kurt Tucholsky: „Hast uns Stulln jeschnitten un Kaffe jekocht un de Töppe rübajeschohm - un jewischt un jenäht un jemacht un jedreht ... alles mit deine Hände.“

Wie er eigentlich zur Poesie kam? Es mache ihm Spaß, und er habe schnell gemerkt, dass man damit gut Geld verdienen kann, sagt er der FR. Auf eine Berufsausbildung habe er deswegen verzichtet. Seit 2001 macht er Poetry Slam, inzwischen schafft er es laut seiner Website auf bis zu 200 Bühnen im Jahr, hat nationale und internationale Titel gewonnen und tritt national wie international auf. Unter anderem leitete er für das Goethe-Institut 2009 die ersten Poetry- Slam-Meisterschaften im Sudan und 2012 ein großes Poetry-Slam- Projekt in Indien. Demnächst ist er in Heilbronn und Wetzlar an Schulen. Sein Ziel sei auch, dass die Schüler merken, es gibt Menschen mit einem größeren Erfahrungsschatz. Die Älteren wiederum finden das wunderbar: „Früher konnten wir das ja alles“, sagt die 91-jährige Martha Krüger. „Wenn man die Gedichte jetzt hört, fällt es einem wieder ein.“

Nächste Auftritte

Mit seiner Poesiebegeisterungsshow tritt Lars Ruppel am Sonntag, 21. April, um 19 Uhr im Kulturkeller Fulda, Jesuitenplatz 2, auf. Tickets ab 17,50 Euro unter www.adticket.de 

Einmal monatlichmoderiert Lars Ruppel den Poetry Slam Deluxe im English Theatre Frankfurt. Nächste Termine sind Montag, 20. Mai, und Montag, 17. Juni. Der Einritt kostet 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. (cka)

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