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Bitte volltanken: Thomas Otterbein, Manfred Keller und Bernd Hofmann an der E-Tankstelle in Mörfelden-Walldorf.

Kreis Groß-Gerau

Bürger bringen Energiewende voran

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Zwei Genossenschaften planen den Zusammenschluss. Dadurch wollen sie größere Projekte anpacken können.

Als die Demonstrationen gegen die Abholzung im Hambacher Wald stattfanden, merkten das auch die Energiegenossenschaften im Kreis Groß-Gerau: „30 neue Stromkunden bekamen wir in dieser Zeit“, sagt Jörn Burger, Pressesprecher der Bürger-Energie Rhein-Main (Bermeg). Jetzt plant die Genossenschaft mit Sitz in Mörfelden-Walldorf die Fusion mit der Energiegenossenschaft Ried aus Riedstadt. 

„Durch den Zusammenschluss entsteht eine Energiegenossenschaft mit rund 300 Mitgliedern. Das macht Projekte in neuer Größenordnung möglich“, sagt Bermeg-Vorstandsvorsitzender Thomas Otterbein. Vor allem zwei größere Vorhaben zur Wärmeversorgung haben die Genossenschaften anvisiert: In Walldorf soll in Kooperation mit der Stadt neben der Stadthalle ein Holzschnitzelwerk entstehen, dass 1100 Menschen mit Wärme versorgen soll.

Zudem soll künftig Abwärme der Müllverbrennung Biebesheim über ein Wärmerohrnetz für Privathaushalte nutzbar gemacht werden. Durch die Fusion versprechen sich beide Organisationen mehr Kunden, mehr Kapitalbereitschaft und größere Professionalität. „Wir können auf Dauer nicht rein ehrenamtlich arbeiten“, sagt Otterbein, der vor sechs Jahren die Bermeg mitbegründete. Doch um Mitarbeiter anstellen zu können, müssten Mittel erwirtschaftet werden.

Das läuft über ein Modell, welches vorsieht, dass Mitglieder Geschäftsanteile zu je 100 Euro erwerben. Mit diesem Geld werden Photovoltaikanlagen, Stromtankstellen oder eben Nahwärmekraftwerke gebaut, die der Genossenschaft gehören. Der Gewinn wird an die Mitglieder weitergegeben. Gleichzeitig können Mitglieder für Projekte auch Nachlasskredite gewähren, die mit drei Prozent im Jahr verzinst werden.

Wer der Genossenschaft ein Dach für eine Photovoltaikanlage zur Verfügung stellt, bezieht nicht nur seinen Strom viel günstiger, sondern verdient auch am Überschuss, der ins Stromnetz abgegeben wird. Dies wird bundesweit von den Bürgerwerken, einem Verbund von Bürgerenergiegesellschaften, organisiert. Eine andere Möglichkeit ist, die Photovoltaikanlage selbst zu finanzieren und den Strom an die Genossenschaft abzugeben.

So hat es Bernd Hofmann aus Mörfelden-Walldorf gemacht. Nach sieben Jahren habe er sein Geld schon zu 80 Prozent raus. Dass so eine Anlage 50 Jahre lang läuft, davon ist Otterbein überzeugt. Überzeugt ist er auch von seinem Elektroauto, das er gerne an der ebenfalls von der Genossenschaft betriebenen E-Tankstelle in Mörfelden-Walldorf auflädt. Dort gibt es seit April in Kooperation zwischen der Stadt, dem E-Carsharing Unternehmen Mobileeee und der Bermeg neun Elektroautos zum Ausleihen. Gefördert wurde das Modellprojekt vom Land Hessen. „Es hat hier im Ort Furore gemacht“, so Otterbein.

Für die Fusion soll die Ried eG aufgelöst werden und alle Mitglieder sollen der Bermeg beitreten, unter deren Namen die neue Genossenschaft firmieren soll. Die Mitglieder müssten darüber noch abstimmen, sagt Manfred Keller, Aufsichtsratsmitglied der Ried eG. Langfristiges Ziel sei, das gesamte Rhein-Main-Gebiet auf erneuerbare Energien umzustellen. „Der Strom, den Sie von den Genossenschaften bekommen, ist garantiert zu 100Prozent erneuerbar“, betont Keller mit Blick auf die Energiekonzerne. Diese böten zwar auch Ökostromtarife an, würden hierfür aber Zertifikate kaufen, um auch Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken einfließen zu lassen.

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