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Die Mitarbeiterin der Sozialstation hilft auch beim Anziehen der Stützstrümpfe.

Gross-Gerau

Schwester Diana auf Tour

Die Ambulanz der Sozialstation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unterstützt Pflegebedürftige in ihrem eigenen Heim. Neben Medikamentenabgabe, Spritzen, Blutzucker- oder Blutdruckmessung und Umbettung ist Anteilnahme wichtig.

Die Gardine ist beiseite gezogen, eine alte Frau sitzt am Fenster. Krankenschwester Diana Lohr parkt das Auto der Sozialstation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vorm Haus und winkt. „Hier werde ich schon erwartet“, sagt sie lächelnd und geht zum Haus, ruft ein munteres „Guten Morgen“ in den Flur.

Es ist halb sieben und Schwester Diana ist auf Morgentour der ambulanten Kranken- und Altenpflege des DRK-Kreisverbands. Vor Dienstantritt hat sie ins Übergabebuch des Spätdiensts sowie der Rufbereitschaft gesehen, geprüft, ob Neues dokumentiert ist – etwa eine Krankenhauseinweisung. 26 Patienten warten auf ihren Besuch, vier werden mittags ein zweites Mal aufgesucht.

Diana Lohrs Dienst endet gegen 13 Uhr. Punktgenau Feierabend zu machen sei aber kaum möglich, sagt sie. „Wir arbeiten mit Menschen. Neben Medikamentenabgabe, Spritzen, Blutzucker- oder Blutdruckmessung und Umbettung ist Anteilnahme wichtig.“ Für die Abrechnung der Leistungen bei Kranken- und Pflegekassen indes gelten exakte Zeitvorgaben: „Eine Injektion, fünf Minuten.“

Verhältnis zu den Patienten sehr persönlich

Seit 2003 arbeitet Diana Lohr in der Ambulanz der Sozialstation, war vorher in der Kreisklinik und in einer Praxis tätig. „Im ambulanten Dienst ist das Verhältnis zu den Patienten sehr persönlich, denn ich betreue oft jahrelang dieselbe Klientel“, erzählt Lohr. Hohe Wertschätzung sei der Dank. Ihre Tour deckt die Kernstadt Groß-Gerau ab, während neun weitere Kolleginnen in den Stadtteilen sowie in Büttelborn, Nauheim und Königstädten eingesetzt sind.

„Wir haben 187 Kunden, Bedarf steigend“, sagt Pflegedienstleiterin Manuela Laubenheimer. 27 Pflegekräfte bilden den Pool der Mitarbeiter.

Zuverlässigkeit sei unabdingbar, Patiententouren würden möglichst konstant durch eine Schwester abgedeckt, so Laubenheimer. „Pflege braucht Vertrauen.“ Diana Lohr betont: „Im Pflegeberuf ist das Zwischenmenschliche wichtig, das Glas Marmelade, das ich zum Geburtstag mitbringe, das Lächeln am Morgen, das Zuhören, kleine Handreichungen. Wenn ein Patient ins Krankenhaus kommt, mache ich auch mal Besuche. Beerdigungen ermöglichen auch mir den Abschluss der gemeinsamen Zeit.“

Häufig einzige Ansprechpartnerin

Nicht alle Klienten sind alt, doch viele stehen am Ende des Lebens, andere sind psychisch gehandicapt. Häufig ist Diana Lohr einzige Ansprechpartnerin, Angehörige leben weit weg. „Fortbildungen sind für uns selbstverständlich, auch im Hospizbereich. Wenn die Lebenskraft nachlässt, geht Pflege in Sterbebegleitung über, was wir zwar nicht alleine schultern, doch ein Stück mittragen.“ Diana Lohr ist zudem Praxisanleiterin für Schüler im Pflegeberuf. „Eine spannende Sache, die Routine hinterfragt“, so Lohr.

Doch jetzt ist das Haus der nächsten Klientin erreicht: Maria Krumb (89) bekommt Kompressionsverbände, die Beine zu stützen. Diana Lohr fragt, ob sie gut geschlafen habe. Bei Bedarf werden Blutdruck und Puls gemessen. Alles ist gut, flugs geht’s wieder ins Auto: Schwester Diana wird von Günter Stebe (78) erwartet, bei dem mit kleinem Piecks der Blutzucker gemessen wird. Günter Stebe sagt heiter: „Schwester Diana, Sie kommen jetzt ein Jahr zu mir. Das ist ein kleines Jubiläum.“ Diana Lohr lacht.

Für den Besuch bei Ursula Theiss (67) hat Diana Lohr mehr Zeit veranschlagt. Die alleinstehende Frau ist fast blind. Sie sei an den DRK-Hausnotruf angeschlossen und werde von ihrer Nichte unterstützt, so Lohr. Sie hilft ihr jetzt bei der Morgentoilette, bereitet das Frühstück zu, findet aufmunternde Worte. „Schwester Diana ist eine Gute“, sagt Ursula Theiss dankbar. (lot)

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