Das Affenpuzzle soll den jungen Gästen im Lernlabor der TU erklären, wie die Internetverschlüsselung funktioniert.
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Das Affenpuzzle soll den jungen Gästen im Lernlabor der TU erklären, wie die Internetverschlüsselung funktioniert.

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Das Lernlabor der Technischen Universität vermittelt Kindern Informatik. Diese sollen die Geschichten hinter den Experimenten begreifen.

Finja grübelt. Da stehen so viele Schatzkisten und Goldsäcke vor ihrer Nase, aber mitnehmen von der imaginären Schatzinsel darf sie nur 13 Kilogramm. Irgendwann ist die Achtjährige zufrieden: Mit zwei großen Kisten, drei kleinen Kästchen und einem Sack ist sie nur ein paar hundert Gramm davon weg und hat eine gute Ausbeute gemacht. Wäre da nicht Tom Wesch: „Dein Schatz ist ziemlich gut gepackt. Aber wir Informatiker haben uns überlegt, wie man das noch besser machen kann“, erklärt der Student, der als Hilfskraft den Nachwuchs durch das Lernlabor führt.

Im Lernlabor „Abenteuer Technik“, das der TU-Fachbereich Informatik seit 2011 in der Goethestraße unterhält, lässt sich Informatik begreifen – im wörtlichen Sinn. So erklärt es Lernlabor-Leiter Jens Gallenbacher. Rund 15 niedrigschwellige Experimentierstationen warten darauf, ausprobiert zu werden: Da müssen hier die richtigen Fäden bei einer Partnervermittlung zusammengeknotet werden, damit die Hochzeitglocken läuten, dort ein Rotorblatt möglichst geschickt in den Windkanal gestellt werden. Oder eben Schatzkisten effektiv gestapelt werden.

Workshops sind kostenlos

Finja hat mittlerweile jedoch keine Kisten, sondern nur noch Kärtchen in der Hand. Denn Tom Wesch zeigt ihr gerade, wie man den Schatz auf abstrakter Ebene noch besser zusammenstellen kann. Sieht kompliziert aus. „Ich hab’s verstanden“, strahlt Finja und eilt weiter zum Dosenwiegen. In Nullkommanix sortiert die Drittklässlerin hier mit Hilfe einer Waage die Dosen richtig.

„In meiner Klasse bin ich Mathe aber die Schlechteste“, erzählt Finja. Das wundert Gallenbacher keineswegs: „Wir haben hier einen ganz anderen Zugang, als in der Schule. Hier ist Kreativität gefragt und oft sind diejenigen besonders fix, die in der Schule hinten runterfallen“, erklärt der Dozent für Didaktik der Informatik.

Es ist Gallenbacher daher auch ein persönliches Anliegen, Lehrern Ideen an die Hand zu geben. „Informatik und Technik sind noch recht neue Fächer, da fehlt einfach die Erfahrung im Lehren“, sagt er. Schulklassen ab der dritten Klasse können sich im Lernlabor daher auch zu kostenfreien Workshops anmelden. Gefördert wird das Labor durch das Hessische Wirtschaftsministerium und den Europäischen Sozialfonds.

Im Lernlabor gibt es meistens eine Geschichte hinter den Experimenten. Im Workshop „Strom für die Insel“ betritt man eine dunkle Höhle. Nebel wabert über eine Platte, rote Laserstrahlen werden darin sichtbar. „Wir sind auf einer Insel gestrandet. Jetzt brauchen wir Strom, um ein Notruf abzusetzen“, erklärt Dominik Heun, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU. Klar, dass man auf einer Insel dazu Sonnenlicht bündelt, denn Spiegel sind auf der „Insel“ glücklicherweise ausreichend vorhanden. Nach ein paar Handgriffen zeigen alle Laserstrahlen auf einen Punkt. „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“, erklärt Heun lächelnd, „oder eben Ausprobieren!“.

Das gilt auch für das NSA-sichere Affenpuzzle, das den jungen Gästen erklären soll, wie die Internetverschlüsselung funktioniert: Bei dem vierteiligen Puzzle, muss man den Affen die Beine und die Oberkörper in der richtigen Farbe zusammensetzen. eda

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