Groß-Gerau

Nicht noch mehr Verkehr

Die geplante Ansiedlung eines Rewe-Logistikzentrum auf dem Gelände der ehemlaigen Zuckerfabrik stößt bei der Bürgerversammlung auf Kritik.

Skeptisch bis entschieden ablehnend haben sich die Teilnehmer der Diskussion über die Ansiedlung eines Rewe-Logistikzentrums auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik geäußert: Mehr als 20 der etwa 250 Besucher der Bürgerversammlung am Mittwochabend in der Stadthalle Groß-Gerau stellten kritische Fragen zu den von Rewe-Vertretern präsentierten Planungen.

Auch die Ergebnisse einer aufwendigen Verkehrszählung am Römer-Kreisel sowie an der Kreuzung von Nordring, Kayser- und Böckler-Straße nahmen die Anwesenden ins Visier. Viele sagten deutlich, dass der Verkehrskreisel, über den 90 Prozent des mit knapp 1000 zusätzlichen Lastwagen pro Tag veranschlagten Rewe-Verkehrs fahren sollen, heute bereits überlastet ist. Die Rewe-Planer unterbreiteten zur Lösung der in der Zählung offensichtlich gewordenen Verkehrsprobleme den Vorschlag, den erst vor wenigen Jahren an dieser Stelle eingeführten Kreisverkehr wieder durch eine Ampelanlage zu ersetzen.

Bürgermeister Stefan Sauer (CDU) versprach eine transparente Debatte. Man werde das Projekt, das 600 neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen verspreche, aber auch große Verkehrsbelastungen nach sich ziehen würde, nur nach eingehender Prüfung der Zahlen beurteilen.

Nach dem Verlust der Arbeitsplätze bei Fagro und in der Zuckerfabrik habe Groß-Gerau nach Ersatz gesucht, den der Lebensmittelkonzern als potenter Investor, der darüber hinaus das gesamte Südzucker-Areal belegen wolle, jetzt anbiete. "Groß-Gerau kann stolz darauf sein, das Rewe bei uns anklopft", sagte Sauer. Der Verwaltungschef stellte eine weitere Bürgerversammlung zu dem Thema in Aussicht, bevor die Fraktionen im Stadtparlament darüber entscheiden.

Zweifel an dem Projekt, das die Errichtung einer 96 000 Quadratmeter großen, 17 Meter hohen Halle hinter einem 14 Meter hohen Grüngürtel als Schallschutz auf dem Südzucker-Gelände vorsieht, zogen sich durch die Äußerungen der Bürger. Eine Frau klagte, sie könne heute bereits wegen des Lastwagenverkehrs nachts nicht schlafen. Die Belastbarkeitsgrenze der bereits durch Lärm von Autobahn, Flugzeugen und Bahn malträtierten Anwohner sei erreicht. Die Bürger befürchten einen Verkehrskollaps sowie verstärkt Abgase und Feinstaub.

Manche Diskussionsteilnehmer zweifelten auch an der Qualität der Arbeitsplätze. Ein Rewe-Vertreter erwiderte, das Unternehmen werde für das Trockensortimentslager Vollzeitbeschäftigte einstellen und auf 400-Euro-Jobber oder Leiharbeiter verzichten. Darauf achte schon ein starker Betriebsrat bei Rewe.

Rätseln um Gewerbesteuer

Die Frage nach der Höhe der zu erwartenden Gewerbesteuer wurde an dem Abend nicht beantwortet. Nach einer Betrachtung des Konzernjahresabschlusses vermutete ein Groß-Gerauer, dass gerade einmal 180 000 Euro in der Kreisstadt gezahlt würden. Bürgermeister Sauer ließ wissen: "Bei diesem Betrag würde ich das Thema hier nicht vorstellen." Der Stadt fehle aber das nötige Geld, das Südzucker-Gelände zu erwerben und seine Entwicklung selbst voranzutreiben, wie es ein Zuhörer vorschlug. Angeregt wurde auch ein eigener Autobahnanschluss für das Rewe-Lager. (en )

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