Gernsheim

Lastwagen verliert giftige Chemikalie

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Der Gefahrguttransporter wurde bei Solvadis befüllt. Gegner des geplanten Tanklagerausbaus fordern eine Betriebsprüfung.

Bei einem Gefahrgutunfall in Gernsheim (Kreis Groß-Gerau) ist am Montag eine giftige Chemikalie in die Kanalisation geraten. Die Stadt bestätigte am Dienstag auf Anfrage der FR, dass der leicht entzündliche und explosive Stoff namens Meta-Xylol bis in die Kläranlage vorgedrungen sei. Dort hätte die Substanz herausgefiltert werden können, sagte ein Sprecher des Ordnungsamtes. Die Kanalisation sei gespült worden. Über die Menge des Materials, konnten keine Angaben gemacht werden. Es habe geregnet und die Feuerwehr habe Bindematerial eingesetzt, so der Sprecher.

Die Einsatzkräfte waren gegen 17 Uhr in die Mainzer Straße gerufen worden, wo ein Lastwagen ein Leck hatte. Der Transporter war im Tanklager der Firma Solvadis Distribution am Gernsheimer Hafen befüllt worden, wie Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt der FR bestätigte. Er sei mit dem Leck etwa hundert Meter gefahren, habe Pfützen und Lachen mit dem Lösungsmittel hinterlassen. Der Flammpunkt der Chemikalie liegt laut Stadt bei 28 Grad. Bei den herrschenden Außentemperaturen sei deshalb eine Selbstentzündung nicht wahrscheinlich gewesen. Dämpfe des Stoffes können bei größerer Konzentration narkotisierend wirken. Anwohner wurden deshalb gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Der Unfall gibt der Initiative „Bürger in 8“, die gegen den geplanten Ausbau des Tanklagers kämpft, Anlass erneut vor den Gefahren „des Störfallbetriebes in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Wohngebiet“ zu warnen. Über die geplante Erweiterung hinaus „stellen wir auch die bisherigen Genehmigungen infrage“, teilte BI-Sprecher Heiko Feuchter mit. Derzeit klagt allerdings Solvadis gegen das Land Hessen, um der Initiative die Einsichtnahme in bisherige Betriebsgenehmigungen zu verweigern. „Der Störfall zeigt, dass die Gefahren auch ohne weiteren Ausbau des Tanklagers nicht berechenbar sind“, äußerte die Landtagsabgeordnete der Linken Christiane Böhm aus Trebur. Bisher seien diese Gefahren vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt und der Landesregierung nicht ernst genommen worden.

Seit der ersten Offenlegung gab es mehr als 300 Einwendungen gegen die Ausbaupläne, die eine Vergrößerung um 70 Prozent vorsehen. Bürgermeister Peter Burger (CDU) monierte im Oktober – genau wie die BI –, dass das RP als Genehmigungsbehörde bisher keine Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert habe. In den Antragsunterlagen war der Sicherheitsbericht unvollständig, auch gab es Mängel beim Brandschutzkonzept. Bis Mitte Januar läuft laut RP die Frist, um die überarbeiteten Unterlagen einzureichen.

„Es ist unverantwortlich, die Bevölkerung einer solchen Gefahr auszusetzen“, sagte Böhm. Es müsse geprüft werden, ob der bisherige Betrieb mit der angrenzenden Wohnbebauung verträglich sei.

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