Das gesamte Areal um das ehemalige Karstadt-Gebäude soll neu überplant werden.
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Das gesamte Areal um das ehemalige Karstadt-Gebäude soll neu überplant werden.

Rüsselsheim

Konzepte liegen auf Eis

Die Entwicklung des Karstadt-Areals in Rüsselsheim verzögert sich, da nun erst einmal ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt werden soll.

Nachdem die Rüsselsheimer Gewobau zum 1. März das ehemalige Karstadt-Gebäude an der Frankfurter Straße gekauft hatte, hatte sie Gespräche mit potenziellen Investoren für eine neue Nutzung aufgenommen, mit drei von zehn konkreter. Da aber die neue politische Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung im Juli beschlossen hat, einen städtebaulichen Wettbewerb für das gesamte Areal samt angrenzender Grundstücke bis zum Löwenplatz hin zu initiieren, sind die Gespräche mit den Investoren erst einmal auf Eis gelegt.

Es sollen daher die eingereichten Vorschläge auch nicht wie ursprünglich geplant im zweiten Halbjahr öffentlich vorgestellt werden – darunter ein Konzept, das keinen Abriss, sondern eine Wiederbelebung des seit dem Jahr 2000 leer stehenden Gebäudes vorsieht. Eine bautechnische Untersuchung hatte ergeben, dass der Zustand der Bausubstanz nicht unbedingt ein Abriss erforderlich macht.

„Das ist für alle keine glückliche Situation“, deutet Gewobau-Geschäftsführer Torsten Regenstein an, dass die Projektentwickler etwas verärgert über diese Entscheidung seien. Schließlich haben sie bereits Zeit und Geld in die Grobkonzeptionen investiert. Aber da es nun neuer politischer Wille sei, müsse man „irgendwie pragmatisch“ damit umgehen.

Dazu zählt Regenstein auch, dass der städtebauliche Wettbewerb seitens der Stadt schon jetzt angestoßen werden soll, obwohl es noch keinen formalen Beschluss dazu gibt. Denn Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) hat dem beschlossenen Antrag widersprochen, da in diesem auch die Offenlegung des Kaufpreises gefordert wird. Dies sei rechtlich nicht zulässig und könne Schadenersatzforderungen nach sich ziehen, da die Käufer einer Offenlegung nicht zugestimmt hatten. Über den Kaufpreis waren nach Bekanntwerden der Pläne die Spekulationen ins Kraut geschossen. „Wir bewegen uns im ganz untersten, einstelligen Millionenbereich“, hatte Regenstein dazu auf Nachfrage im Frühjahr gesagt.

Diskurs anstoßen

Der Widerspruch Burghardts hat aber aufschiebende Wirkung für den gesamten Beschluss, in dem auch ein städtebaulicher Wettbewerb beschlossen wurde. Man wolle so wenig Verzögerungen wie möglich, begründen Regenstein und Burghardt die Vorgehensweise. Ohnehin wird sich die neue Nutzung des ehemaligen Kaufhaus-Areals deutlich verzögern; Burghardt, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gewobau ist, geht von mindestens bis 2018 aus.

Es soll nun ein Diskurs mit den beteiligten Gremien und der Öffentlichkeit zur Stadtentwicklung in dem Gebiet angestoßen werden, um dann einen neuen Bebauungsplan zu entwickeln. Danach sollen Projektentwickler neu angesprochen werden. Denn in den bisherigen Vorschlägen seien noch nicht alle Rahmenbedingungen wie zum Beispiel der Nutzungsmix komplett berücksichtigt worden, erläutert Regenstein.

Auch hätten sich die Planungen vorwiegend auf das ehemalige Karstadt-Gebäude bezogen und nicht auch auf angrenzende Flächen. Schließlich könne die Gewobau nur Flächen beplanen, die in ihrem Besitz seien. Dazu zählt seit einigen Monaten auch die angrenzende Immobilie zur Löwenstraße hin. Mit dem Eigentümer des Grundstücks zum Friedensplatz hin sei man noch in Gesprächen, sagte Regenstein. Parallel zum städtebaulichen Wettbewerb will die Wohnbaugesellschaft einen Architektenwettbewerb für ihre Grundstücke durchführen, um bereits mögliche architektonische Lösungen auf der Basis des gewünschten Nutzungsmixes erarbeiten zu lassen.

Grundsätzlich teile man den Wunsch nach Wohnen, Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen und Parkplatzangebot. Aber letztlich müsse die Nutzung für den Investor auch nachhaltig wirtschaftlich sein. Ähnliches gelte für den Wunsch, das Gebäude abzureißen. (ers)

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