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Alles in Ordnung? Sandra Wolf begutachtet den Spargelsalat.

Gartenserie

Bohnenkerne wie Edelsteine

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Jetzt lässt sich Saatgut fürs nächste Gartenjahr gewinnen, etwa Hülsenfrüchte und Tomaten.

Für Sandra Wolf haben Bohnenkerne den Zauber von Edelsteinen. Die rot-rosa Flecken der Schokofleckenbohne begeistern sie jedes Mal aufs Neue. Sie baut sie aber nicht an, um sie zu verspeisen - dafür ist die Bohnensorte viel zu selten -, sondern die 42-jährige Mathematikerin ist Mitglied im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Jahr für Jahr sorgt sie dafür, dass einige alte Bohnensorten nicht aussterben. In diesem Jahr hat sie in ihrem Garten in Trebur außer Schokofleckenbohnen auch Zitronenbohnen aus den Niederlanden und die Ukrainische Bohne vermehrt. Vorsichtig löst sie die Kerne aus den papierartigen Hülsen, die bis jetzt an den Buschbohnenpflanzen hingen. Die Hülsen sind so trocken, dass sie beim Öffnen knistern. Einige der Kerne haben unschöne beige Stellen und werden aussortiert. Vermehren soll sich nur gesundes Saatgut.

„Die alten Sorten bilden harte Kerne“, berichtet Wolf, „das war früher erwünscht, denn die Kerne dienten als Nahrung. So konnten sie besser aufbewahrt werden.“ Auch eine Erbsensorte, die Bunte Spätblühende, ist bei ihr gewachsen um Saatgut zu liefern.

Über einen Meter hoch ragen die Stiele aus dem Spargelsalat empor. An ihnen plustern sich struppige Samenstände. Kaum zu glauben, dass so etwas aus Salat wächst. Tausende klitzekleine trockene Schirmchen hängen daran, die braune Körnchen tragen; einige hundert wandern in Wolfs Samentütchen. Dieser Blattsalat mit den festen Strunken wurde vor über tausend Jahren in China gezüchtet. „Ich sammele von mehreren Pflanzen den Samen, so bleibt das Saatgut divers“, sagt sie.

Den Spargelsalat vermehrt Wolf für Pro Specie Rara, eine gemeinnützige Gesellschaft, die seltene Kulturpflanzen und Nutztierrassen vor dem Aussterben bewahrt. Saatgut kann nur aus samenfesten Sorten gewonnen werden. Oft werden Samen und Pflänzchen aber nur als Hybrid verkauft, die sich nicht vermehren lassen. Verbraucher sollten daher auf Herkunft und Samenfestigkeit achten.

Drei Bohnensorten hat Sandra Wolf vermehrt.

Zur Saatgutgewinnung eignen sich für Hobbygärtner nur selbstbefruchtende Pflanzen wie Tomaten, Salat oder eben Bohnen und Erbsen. Pflanzen, die andere zur Fortpflanzung brauchen, könnten sich mit unpassendem Samenmaterial vereinigen, was oft zu unerwünschten Eigenschaften führt: Gurken könnten bitter, Zucchini sogar giftig werden oder die Früchte werden einfach nicht so groß und lecker.

Wolf wagte es nur, den Paprika der Sorte Augsburger Roter für die Samengewinnung anzubauen, weil ihre Nachbarn kein Gemüse im Garten haben. Ansonsten müsste sie ein Netz darüber spannen. Denn Paprika gehört auch zu den Fremdbefruchtern. Ungeübte sollten daher auch von Karotten, Gurken oder Kohl die Finger lassen. Es sei denn, die Blüten dienen Tieren als Nahrung. Wolf lässt einige Karotten nur für den Schwalbenschwanz, einen Schmetterling, blühen, der sich allzu gerne daran labt.

Hobbygärtner, die sich jetzt, wo sich das Gartenjahr dem Ende neigt, bereits nach der nächsten Aussaat sehnen, könnten noch Samen aus 2020 ins nächste Jahr retten. Am einfachsten klappt es mit Tomaten. Die Frucht wird aufgeschnitten, die Samenkörner mit einem Messer heraus gepult und für 24 bis 48 Stunden in ein Glas Wasser gelegt. Dort zersetzt sich die schleimige und keimhemmende Fruchthülle. Dann werden die Samen auf Filterpapier ein paar Tage lang getrocknet. Anschließend kann man sie in einem Papiertütchen bis ins nächste Frühjahr aufbewahren. Sandra Wolf hat die orangefarbene Auriga, die rote Flaschentomate San Marzano und die Cocktailtomate Waltingers vermehrt.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Deshalb endet unsere Gartenserie, die unter anderem über schattige Gärten, Rasen und Gemüseanbau erzählte.

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