Tödlicher Schüsse in Rüsselsheim

Angeklagter packt aus

Im Prozess um die tödliche Schießerei in einer Rüsselsheimer Eisdiele schildert erstmals einer der drei Angeklagten den Tathergang.

In diesem Moment habe ich bemerkt, wie Erkan K., Taylan K. und Baris Y. versetzt vor dem Ausgang standen. Ich sah meinen Bruder Deniz - er hatte einen hilflosen, schockierten Gesichtsausdruck. Ich schaute wieder nach vorn und sah Erkan mit einer Pistole in der Hand, die er auf mein Gesicht richtete. Taylan hatte auch eine Waffe in der Hand, von Baris Y. weiß ich es nicht mehr. Sie standen vor uns wie ein Hinrichtungskommando. Wir hatten keine Möglichkeit zu fliehen."

Ohne Misstrauen zum Treffen

Mit diesen Worten schilderte im Prozess um die Schießerei in Rüsselsheim mit drei Toten der Angeklagte Erdal E. am Mittwoch die entscheidenden Sekunden am Abend des 12. August 2008 im Eiscafé De Rocco. Es war die erste mündliche Aussage eines der drei Angeklagten zu dem Geschehen in dem seit vier Monaten laufenden Prozess am Landgericht Darmstadt. Auch die Vorgeschichte der Schießerei stellte er in seiner Sicht da. Es habe einen Zusammenstoß in einer Mainzer Diskothek am Freitag vor dem verhängnisvollen 12. August (Dienstag) geben. Tags darauf habe man von Vergeltungsmaßnahmen erfahren.

Erdal E. organisierte nach eigenem Bekunden ein Gespräch zwischen zwei älteren Männern der Familien, dabei zeigten sich beide Seiten verständigungswillig. Als Erkan K. um eine Unterredung in Rüsselsheim bat, seien die Brüder Erdal, Serdal und Deniz E. daher "ohne Misstrauen" aufgebrochen. Gesprochen, so Erdal E., hätten vorwiegend sein Bruder Deniz und Erkan K. Plötzlich habe Taylan K. auf Serdal E. eingeschlagen; Baris Y. habe Deniz E. attackiert und Erkan K. Erdal E. zu Boden geschlagen. Dann fielen die Schüsse.

Deniz E. und Erkan K. haben nicht überlebt. Auch eine unbeteiligte Frau war von Schüssen getötet worden. "Wegen nichts", sagte Erdal E., "sind so viele Menschen gestorben." Dies wies der Vorsitzende Richter zurück: Es sei schwer vorstellbar, dass wegen solcher Lappalien ein "Hinrichtungskommando" zusammenkomme. (bad)

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