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Obst und Gemüse sind unkritisch - alles darf in den Einkaufswagen.

Rüsselsheim

Gemeinsam gegen die Pfunde

Das Rüsselsheimer Klinikum unterstützt Kinder beim Abnehmen. Trainiert wird auch das bewusste Einkaufen: Vitamine und Vollkorn statt Fett und Zucker.

Tobias und Marvin sind auf der Suche nach ihrem Lieblingsobst. Sie gehören zu einer Gruppe von Kindern (Namen von der Redaktion geändert), die vom Rüsselsheimer Klinikum beim Abnehmen unterstützt werden. Heute geht es um bewusstes Einkaufen. In Zweierteams schieben die Kinder die Einkaufswagen durch einen Supermarkt. Die Obst- und Gemüsebeauftragten haben es gut getroffen, sie können eigentlich nichts falsch machen. Die Süßigkeitengruppe bewegt sich dagegen auf unsicherem Terrain. Beim Einkaufstraining sollen die Neun- bis Zwölfjährigen in die Praxis umsetzen, was ihnen Ernährungsberaterin Christine Nolle-Schmied zuvor in der Theorie vermittelt hat.

Die Jungs entscheiden sich für Apfel und Salat, Kaki und Karotten. Es könnten aber auch Brokkoli und Orangen, Blumenkohl und Trauben, Kohlrabi und Birnen sein. 26 Sorten Obst und Gemüse zählen sie, und alles darf ohne Einschränkung in den Einkaufskorb. Weil viele Kinder Granatäpfel nicht kennen, kauft Christine Nolle-Schmied welche. Alle anderen Waren werden am Ende der Übungstour wieder zurückgelegt.

Schummeln beim Vollkorn

Schwerer haben es Samira und Antonio, die vier gesunde Brotsorten auswählen sollen. Der schlappe weiße Toast ist es nicht, so viel ist klar. Doch die etwas dunklere Variante, die mit der Bezeichnung "Vollkorn" wirbt und es deswegen in den Wagen geschafft hat, auch nicht unbedingt, wie Nolle-Schmied den Kindern erklärt. "Da ist nur ein ganz kleiner Anteil Vollkorn drin", sagt sie. Nur mit Brot aus hundertprozentigem Vollkornmehl ist man auf der sicheren Seite. Auch beim Müsli lohnt es sich, genau hinzusehen. Verpackung und Herstellername erwecken die Vorstellung von Natur und ganzem Korn. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in 100 Gramm Flocken 16 Gramm Zucker versteckt sind. Ein gehäufter Esslöffel voll.

Für ihr Einkaufstraining geht Nolle-Schmied in einen Lebensmitteldiscounter. Sie will vermitteln, dass gesundheitsbewusstes Einkaufen auch im durchschnittlichen Supermarkt zu durchschnittlichen Preisen möglich ist. "Es muss nicht der Bioladen sein", sagt die Beraterin. Wichtig sei allerdings, dass frisches Obst und Gemüse im Angebot sind. Mit verführerischen Werbebotschaften bekommen es auch Vanessa und Julia zu tun, die Wurst und Milchprodukte aussuchen sollen.

Die Joghurts locken mit fruchtig-bunten Bechern und versprechen eine gesunde Darmflora, doch auch sie enthalten zu viel Zucker. Die Mädchen wissen inzwischen, wie man die Nährwerttabelle auf der Verpackung liest. "32 Prozent Fett - das ist zu viel", urteilt Vanessa eine Leberwurst ab. In den Einkaufswagen dürfen magere Putenbrust und roher Schinken. "Ich esse Putenbrust sowieso am liebsten", erklärt sie.

Schwerer als bei der Wurst fällt den Kindern die Objektivität bei Süßigkeiten. Gibt es überhaupt gesunde Süßigkeiten? "Die Gummibärchen haben ganz wenig Fett", versucht es Marlene. "Bist du sicher?", zweifelt Paula. Nein, gesunde Süßigkeiten gibt es nicht, stellt Nolle-Schmied klar. Aber ganz verboten sind sie auch nicht im Ernährungsprogramm "Leichter, aktiver, gesünder". Es gilt eine Faustregel im wahrsten Sinne: Jeden Tag so viel, wie in eine Hand passt. (vol)

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